Münsingen "Passet auf, der klaut euch den Schäferlauf"

R. FRENZ/G. GROSSMANN 18.02.2012
Es ist Fasnet: Bürgermeister Mike Münzing rückte gestern den Rathausschlüssel heraus. Die Schüler der Astrid-Lindgren-Schule wurden befreit und am Nachmittag war der bunte Kinderball.

Lags an der "frühen" Morgenstunde? Nur wenige Münsinger wurden gestern Vormittag Zeuge, wie ihr Schultes am Rathaus an den Pranger gestellt wurde und den symbolischen Rathausschlüssel rausrücken musste. Schon um 9.30 Uhr - für Narren eigentlich eine unmögliche Zeit - hatten sich die Hungerberghexen am Rathausplatz eingefunden.

"Der kommt et raus!", stellte Zunftmeister Winfried Leichtle konsterniert fest und schickte einige seiner Hexen ins Rathaus. Die wurden im Chefzimmer fündig, wo sich Mike Münzing versteckt hielt. Es wurde nicht lange gefackelt: Der Bürgermeister wurde an den Pranger gestellt und an langen Ketten vors Rathaus gezerrt, wo er sich Leichtles Anklagen anhören musste. So sei der Münsinger Schultes beim Zunftball in Hayingen gesichtet worden. Jedenfalls könne er dies nur durch einen Besuch beim Rosenmontagsball gutmachen, verkleidet als Stadt-Pirat. Leichtle: "Da brauchst du dich nicht zu verkleiden".

Früher habe man Münsingen als Soldatenstadt gekannt, heute gebe es viel Platz "für Schafe und Schäfer und für den hochgeschützten Juchtenkäfer". 72 Tiere haben in der Stadt ihr Quartier, so Leichtle auf den Schafweg anspielend. Und wer so viele Schafe sein eigen nenne, der müsse auch wie ein Schäfer aussehen, sprachs und hängte Münzing einen Schäfermantel um, dazu gabs den Schäferhut und die passende Schippe. "Passet nur auf, der klaut euch den Schäferlauf", prophezeite der Zunftmeister mit Blick ins Tal. Zwei Narrentannen hatten die Hexen als Präsent dabei, die beim Schultes im Garten Platz finden sollen: "Wir kommen jedes Jahr zum Messen, da gibts bestimmt was Gutes zum Essen", hoffte Leichtle. Bis Aschermittwoch werden die "Biosphärenhexen" die Stadt regieren und dabei länger als bis halb 4 Uhr schaffen, betonte Leichtle abschließend.

Münzing fand es bewundernswert, wie seine Rathausmannschaft wie ein Mann hinter ihm stehe. Tatsächlich ließ die Verwaltung ihren Chef schmählich im Stich. Gerne würde er zum Ball kommen, wenn dieser nach vorne verlegt werde, habe er doch seinen Kindern versprochen, dass die Ferienwoche ihnen gehörte, schlug Münzing die Einladung der Hexen aus. Und besucht habe er den Ball in Zwiefalten und nicht etwa den in Hayingen. "Was soll ich mit dem Narrenbaum, mein Garten hat nicht soviel Raum", reimte der Schultes.

Für die Narren gings anschließend sogleich weiter zur Astrid-Lindgren-Schule, wo sie von den Schülern bereits sehnsüchtig erwartet wurden. Unter den Klängen der Lumpenkapelle huschten die Hexen durch die Schulkorridore, öffneten die Türen der Klassenzimmer und wurden mit großem Jubel von den bunt verkleideten Schülern begrüßt. Schnell verlagerte sich das Geschehen auf den Schulhof, wo Kindern und Lehrern Fasnetskrapfen - 320 an der Zahl - angeboten wurden, wo zu den Klängen der Kapelle getanzt wurde. Toll, dass auch alle Lehrer sich in närrische Schale geworfen hatten. Schulleiterin Uthe Scheckel etwa war als Nonne verkleidet. Zum Kochen brachten die Hungerberghexen am Nachmittag die gut gefüllte Alenberghalle: Rund 300 klitzekleine und große Narren erlebten ein Remmidemmi mit Musik und Spielen, das ganz auf den Nachwuchs zugeschnitten war. Die Gastgeber zogen trommelnd durch den Saal und alle folgten ihnen: Flinke Bienchen, schaurige Vampire, lustige Pippi Langstrümpfe und rosa-süße Prinzessinnen.

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