Günter Randecker, Autor des Gedenkbuches "Juden und ihre Heimat Buttenhausen", erinnerte am 10. November an das jüdische Leben in Buttenhausen. Das Brennen der Synagogen am hellen Tag vor 75 Jahren habe die beispiellosen Verbrechen an den jüdischen Mitbürgern mit eingeleitet und vorbereitet.

Randecker präsentierte am Jahrestag des Novemberpogroms eine Dokumentation mit einer Reihe bislang nicht publizierter Einzeltexte: Wie überall sprangen auch in Münsingen - es war drei Uhr morgens- SA-Männer aus ihren Betten, um der Aufforderung zum Pogrom Folge zu leisten. Es begann in der Karlstraße 20: "In der fraglichen Nacht kam irgendwer", der den SA-Sturmführer und Arbeitsamtdirektor weckte, berichtete ein Münsinger Hausbesitzer. "Auf meine Frage, was los sei", so die Ehefrau des Sturmführers Jahre später, hätte ihr Mann nur gesagt: "Geheimbefehl, das geht dich nichts an!" Aus den Archivquellen lässt sich rekonstruieren, welchen Weg die nach Buttenhausen chauffierten Brandstifter einschlugen.

Der sechsjährige Pfarrersohn Eberhard Vogt war damals in der ersten Volksschulklasse. Als die Synagoge lichterloh brannte und rauchschwarze Wolken über Buttenhausen standen, sei der Hauptlehrer mit den Schülern zur Mühlsteige marschiert. Ein glühendes Stück Stroh hatte es von der brennenden Synagoge auf Vogts Augenlider geweht; die Augenbrauen seien angesengt worden.

Am Synagogen-Mahnmal ist 75 Jahre später per Tonband die Stimme von Jetta Gut geborene Berlinger zu hören - Auszüge aus einem Gespräch mit Günter Randecker, aufgenommen in Zürich. Überliefert ist auch die Reaktion des ehemaligen evangelischen Pfarrers von Buttenhausen, Julius Vogt, der nach der zweiten Inbrandsetzung der Synagoge sich in sein Auto setzte und "in einer grenzenlosen Wut" zu seinem Freund Lutz nach Gomadingen fuhr, dem er nur immer wieder entgegenrufen konnte: "Fluch Hitler, Fluch Hitler!" Gegen 13 Uhr sei er wieder heimgekehrt: "Da war alles schon vorbei."

Info Die 100-seitige Dokumentation "Münsingen-Buttenhausen, 10. November 1938" ist erhältlich beim Zimmermann-Geschichtsverein, Telefon: 0 71 23/ 8 77 10.