Münsingen „Mit Leib und Seele, Herz und Verstand“

Hermann Wurz (mit seiner Frau Jutta) wurde gestern durch Andre Baumann im Beisein von Landrat Thomas Reumann (links) das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Hermann Wurz (mit seiner Frau Jutta) wurde gestern durch Andre Baumann im Beisein von Landrat Thomas Reumann (links) das Bundesverdienstkreuz verliehen. © Foto: Foto: Reiner Frenz
Münsingen/Reutlingen / Reiner Frenz 24.07.2018

Die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik wurde gestern Nachmittag einem Mann verliehen, der sein Leben in den Dienst des Naturschutzes gestellt hat. Staatssekretär Dr. Andre Baumann war es vorbehalten, im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes in Reutlingen Hermann Wurz mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande auszuzeichnen und ihm die von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterzeichnete Ehrenurkunde auszuhändigen.

Landrat Thomas Reumann konnte eingangs der Feierstunde eine Reihe von illustren Gästen, darunter die Landtagsabgeordneten Karl-Wilhelm Röhm und Hans-Peter Stauch und Münsingens Bürgermeister Mike Münzing, begrüßen. Die Verleihung des Verdienstordens setze ein Zeichen dafür, wen die Gesellschaft besonders schätze und was ihr in besonderem Maße wichtig sei, erklärte Reumann. Hermann Wurz habe mit seinem Wirken für den Natur- und Umweltschutz bleibende Spuren nicht nur im Landkreis hinterlassen: „Wir brauchen Menschen wie sie, die sich für die Natur einsetzen und sich der Heimat verbunden fühlen“, sagte der Landrat.

Immerhin 30 Jahre lang sei Wurz Naturschutzbeauftragter im Landkreis Reutlingen gewesen, habe in dieser Funktion die Stadt Pfullingen, die Gemeinden Eningen, Lichtenstein und St. Johann ehrenamtlich beraten bei allen Planungen, die mit Eingriffen in die Natur verbunden waren. Als feste Säule des Naturschutzes habe Hermann Wurz die nicht immer leichte Aufgabe gehabt, die verschiedenen Interessen in Einklang mit den Belangen des Natur- und Landschaftsschutzes zu bringen. Dies habe Wurz mit „Leib und Seele, Herz und Verstand, fair und unbestechlich, umsichtig um und den Ausgleich bemüht“ getan. Reumann weiter: „Wir brauchen Menschen wie Sie, die Initiative ergreifen und aktiv einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt prägen und mitgestalten“.

Die Laudatio hielt Staatssekretär Andre Baumann, der sich dankbar dafür zeigte, die Ehrung für einen Menschen, der sich für seine Heimat und seine Region verdient gemacht habe, vornehmen zu dürfen. Baumann skizzierte Wurz’ Leben und Wirken. Der 88-Jährige wurde 1930 in Langenau geboren, absolvierte die Ausbildung zum Gärtner, schloss 1954 als Diplom-Ingenieur sein Gartenbau-Studium ab. Bis zum Eintritt in den Ruhestand 1995 war Wurz als Umweltschutzbeauftragter und Leiter der Abteilung Umweltschutz bei der Stadt Reutlingen tätig. Zuvor hatte er als Kreisbeauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege zehn Jahre lang beim damaligen Landkreis Münsingen gewirkt, in einer Zeit also, als der Naturschutz noch nicht die heutige Rolle spielte. Der Münsinger habe mit dafür gesorgt, dass das Große Lautertal 1973 als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen wurde, und damit eine der schönsten Ecken im ganzen Land wurde. Zugleich habe Wurz als Geschäftsführer der „Arbeitsgemeinschaft Fremdenverkehr Großes Lautertal/Zwiefalter Aach mit dafür gesorgt, dass das Lautertal attraktives Ausflugsziel wurde, ohne dass dabei die Bedürfnisse der Natur beeinträchtigt wurden. Wurz hat den BNAN nach vorne gebracht, von 1988 als Mitglied und von 1996 bis 2001 als Geschäftsführer. „Sie sind Impulsgeber für viele Entwicklungen gewesen und haben unheimlich viel erreicht“, resümierte Baumann.

Wurz selbst erklärte, dass die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes eine große Freude sei, wie er sie schon lange nicht mehr erleben durfte: „Ich bin sehr dankbar dafür“.

Vorgeschlagen worden war Wurz von Kreisrat Dieter Hillebrand, der lobte, dass der Geehrte bei seinen Entscheidungen stets auch die Menschen im Blick gehabt habe.

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