Gomadingen „Man muss ausdrucksstark und ein bisschen anders sein“

In seiner Bäckerkluft fühlt sich Simon Glocker immer noch am wohlsten.
In seiner Bäckerkluft fühlt sich Simon Glocker immer noch am wohlsten. © Foto: Foto: Maria Bloching
Von Maria Bloching 09.12.2018

Eigentlich kam der 30-Jährige vor acht Jahren ganz zufällig mit dem Modeln in Berührung. Ein Freund aus der Branche nahm ihn mit zu einer Agentur nach Stuttgart und die erkannte Potenzial in dem jungen Mann aus Gomadingen, der damals kurz davor stand, aus seinem Job bei der Bank auszusteigen und wieder in den Bäckerberuf zurückzukehren. Im Studio wurden für ein Portfolio Bilder von ihm in verschiedenen Situationen und mit unterschiedlichen Klamotten gemacht. „Dann kam eins zum anderen“, erinnert er sich. Er fing an für Firmen vor die Kamera zu treten und von Anfang an war diese tolle neue Erfahrung für ihn sehr spannend. Allerdings: „Ich hatte nicht die Absicht, einen Beruf daraus zu machen“. Und doch lief es richtig gut und es kamen immer mehr Aufträge über die Agentur von namhaften Firmen wie Adidas, Puma oder auch Breuninger.

„Mein erster Job war ein Werbespot für die französische Bahn, der auf dem Stuttgarter Schlossplatz gedreht wurde. Ein Team aus 20 Leuten schwirrte den ganzen Tag um mich herum, nur wegen einigen Sekunden, die ich dann im französischen Fernsehen zu sehen war“, erzählt Simon Glocker. Es sei schon sehr komisch gewesen, sich selbst in ganz Deutschland auf großen Plakaten für ein Versicherungsunternehmen betrachten zu können. Auch zur Fashionshow nach Berlin war er einmal eingeladen worden, doch da diese parallel zur anstehenden Meisterprüfung stattfand, konnte er nicht teilnehmen. „Mein Bäckerberuf ging immer vor. Irgendwann kam der Zeitpunkt, da musste ich mich entscheiden und das habe ich dann getan“. Vor allem aus Liebe zum Beruf, zur Familie und zur Heimat.

„Wenn man modelt, muss man immer abrufbereit sein und man ist ständig unterwegs. Die geben den genauen Termin vor und dann musst du Zeit haben. Das konnte ich so intensiv nicht mehr mit meinem Beruf vereinbaren“. Und doch kommen auch heute noch Aufträge rein, wie etwa von Fielmann, Nike und großen Modemarken, unter anderem auch aus Dubai. Das kurioseste Casting hätte er in Berlin für Playboy erlebt. „Vor der Kamera musste ich alles englisch sprechen und so tun, als sei ich der begehrteste Typ überhaupt, wenn ich ein bestimmtes Parfüm trage. Weltweit wurden Models eingeflogen, letztendlich wurde ich nicht genommen“, erinnert sich Simon Glocker.

Besonders spannend fand der Hobby-Fußballer die Werbung für Adidas, die ihn ins Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft im Rahmen ihrer Vorbereitung zur Europameisterschaft nach Locarno führte. „Es war echt cool, gemeinsam mit der Mannschaft ein Shooting zu machen und mit Müller und Schweinsteiger gemeinsam in der Kabine zu sitzen“.

Entscheidung für Bäckerberuf

Es käme nicht darauf an, perfekte Maße zu besitzen, einem idealen Bild zu entsprechen oder in ein bestimmtes Schema zu passen. „Man muss wandelbar, ausdrucksstark und vielleicht ein bisschen anders sein“, weiß er. Während er die Meisterschule besuchte, kamen ständig Anfragen rein: „Da kannst du gar nicht glauben, dass die wirklich dich wollen“. Er sei dankbar dafür, dass er die Möglichkeit erhielt, in eine komplett andere Welt hinein zu schnuppern, doch mit der Realität hätte das Modeln nicht viel zu tun. „Ich habe mich bewusst für meinen Bäckerberuf entschieden, auch wenn ich mich heute immer über eine Abwechslung zwischendurch freue. Aber es muss dann auch terminlich passen“.

Beides hundertprozentig zu machen gehe halt einfach nicht. Höchstens fünf Aufträge nimmt er im Jahr von der Agentur an, denn „das Bäckergeschäft hat Priorität“. Allerdings will er diese Erfahrung fürs Leben nicht missen und er frage sich schon manchmal, wohin das alles hätte führen können. Er hätte zahlreiche interessante Leute kennen gelernt, viele von ihnen seien weltweit unterwegs.

Simon Glocker schlüpft auch gerne mal in einen Anzug, um für einen Katalog Werbung zu machen, doch in seiner Bäckerkluft fühlt er sich nach wie vor am wohlsten. „Ich habe diese Richtung eingeschlagen, Halblebigkeit gibt es da nicht“. Diese ungewöhnliche Kombination – Bäcker und Model – hat nun auch dazu geführt, dass Simon Glocker zu Gast in der SWR-Landesschau auf dem roten Sofa war.

Ganz natürlich und sympathisch kam der junge Mann bei den Zuschauern an, die Rückmeldungen aus seinem Umfeld waren durchweg positiv. Er selbst hat sich bei seinem kurzen Auftritt recht wohl gefühlt, nachdem die anfängliche Aufregung erst einmal nachgelassen hatte. „Es war wirklich mega spannend. Ich war überrascht und auch geschmeichelt über die Einladung“.

Dass er aufgeregt war, merkte man ihm kaum an, deutlich wurde, dass er bereits Erfahrung vor der Kamera gemacht hat. Die Fragen, die im Gespräch mit Moderatorin Annette Krause aufs Tapet kamen, wusste er im Vorfeld nicht.

Hilfreich sei gewesen, dass ihm nicht das Ausmaß der Zuschauerzahl bewusst war. „Man hat nur Kameraleute um sich herum und vergisst ganz schnell, dass da draußen ja ganz viele dieses Gespräch miterleben“. In der gleichen Woche wurde auch ein Radio-Interview von ihm auf SWR 1 und SWR 4 gesendet.

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