Münsingen/Buttenhausen „Große Persönlichkeit“

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Münsingen/Buttenhausen / REINER FRENZ 12.12.2014

Am vergangenen Montag ist Walter Ott im Alter von 86 Jahren in Buttenhausen verstorben. Gestern Nachmittag nahm eine große Trauergemeinde zuerst in der Münsinger Martinskirche, anschließend auf dem Friedhof Abschied von einem Mann, der in seinem Leben Großes geleistet hatte. Pfarrerin Marlies Haist hielt in der Kirche Rückblick auf ein „bewegtes Leben“. In Aalen kam Ott am 1. November 1928 auf die Welt. Er wurde Landwirt, war „Wehrbauer“, arbeitete in der Nazizeit ein Jahr lang in Polen, wo er erlebte, wie unwürdig Kriegsgefangene behandelt wurden, kam tief erschüttert zurück.

Nach dem Krieg kam er nach Buttenhausen ins Landheim, lernte hier auch seine spätere Frau Anneliese kennen. Mit ihr hatte er fünf Kinder, dazu kommen acht Enkelkinder. Neben der Arbeit habe Ott sich gerne mit seiner elektrischen Eisenbahn beschäftigt. Doch die meiste Zeit habe er sich der Erforschung der Archive und der Pflege des jüdischen Friedhofs gewidmet. Er sei ein kantiger Mensch gewesen, so Haist, einer der nicht fragte, ob etwas erwünscht sei, habe deshalb anfangs auch nicht in die Zeit gepasst, als er begonnen habe, in alten Dokumenten zu stieren. „Dass es richtig war, was er gemacht hat, das wissen wir jetzt im Rückblick“.

Bürgermeister Mike Münzing würdigte Walter Ott als eine „der großen Persönlichkeiten der jüngeren Stadtgeschichte, eine Persönlichkeit, die zu Lebzeiten nie nach Ruhm, Macht oder Geld strebte, sondern mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn ausgestattet auf der Suche nach der Wahrheit war“.

Auf dem Dachboden seines Hauses in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Schloss habe Ott wertvolle Dokumente gefunden, die die Geschichte der Gemeinde Buttenhausen belegen sollten. Neugierig habe er begonnen, die Schriften zu sichern und zu sortieren, in der viel zu kleinen Stube auf dem Esstisch die verstaubten Akten zu säubern und zu entziffern. Zugute sei ihm gekommen, dass er noch in der Schule Sütterlin gelernt hatte.

Es sei für Ott moralischer Auftrag gewesen, den jüdischen Friedhof an der Mühlhalde nicht weiter seinem Schicksal, dem Untergang und dem Vergessen zu überlassen. Es sei für ihn undenkbar gewesen, dass ein ganzer Teil der Geschichte Buttenhausens unbeachtet bleiben und weiter totgeschwiegen werden sollte. In unzähligen Stunden sei von Walter Ott und seinen Söhnen der Friedhof wieder instandgesetzt, die Grabsteine wieder aufgerichtet, Inschriften nachgezogen worden. Als er 2010 mit dem Obermayer German Jewish History Award ausgezeichnet wurde, habe die Laudatorin erklärt, dass Erinnern für Ott aktives Tun gewesen sei. Er habe in der Absicht gehandelt, Menschen ihre Geschichte wiederzugeben.

Ott, so Münzing, sei zu einem Brückenbauer geworden, der den ehemaligen Buttenhausener Juden oder deren Nachkommen die Möglichkeit bot, wieder zurückzukehren an den Ort ihrer eigenen Geschichte, ihrer Wurzeln. Münzing schloss mit den Worten: „Lieber Walter Ott, Dein Andenken zu wahren heißt, Dein begonnenes Werk fortzusetzen“.

Weggefährte Eberhard Zacher betonte, dass man Walter Ott „unendlich viel zu verdanken habe“. Er sei Mann der ersten Stunde gewesen, als es darum gegangen sei, die Geschichte der Juden dem Vergessen zu entreißen. Ohne seine Vorarbeit wäre es nicht möglich gewesen, ein jüdisches Museum einzurichten. Vieles von seinem Wissen habe vom regen Austausch mit Zeitzeugen hergerührt.

Zachers Fazit: „Walter Ott hat sich um die Geschichte der Juden in Buttenhausen über die Maßen verdient gemacht“.

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