Münsingen "Gebt mir bitte ein Chance" Johann Bool sucht Praktikumsplatz

Johann Bool ist auf der Suche nach einem Praktikumsplatz. Foto: Sabine Zeller-Rauscher
Johann Bool ist auf der Suche nach einem Praktikumsplatz. Foto: Sabine Zeller-Rauscher
SABINE ZELLER-RAUSCHER 11.05.2013
Die Behindertenrechtskonvention verspricht behinderten Menschen die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Doch Johann Bool sucht seit Herbst vergeblich nach einem Praktikumsplatz.

Johann Bool, der pfiffige junge Mann mit dem E-Rolli, legt großen Wert auf sein Äußeres. Er trägt eine peppige Kurzhaarfrisur, ist trendig gekleidet und er spart nicht mit schmucken Accessoires. Durch seine knitze und charmante Art gelingt es ihm schnell, seinem Gegenüber jegliche Berührungsängste gegenüber gehandicapten Mitmenschen zu nehmen.

Bis zu seinem zehnten Lebensjahr war Johann Bool ein richtig sportlicher Typ. Bis zu dem Tag, an dem sich sein Leben komplett änderte, bis zu jenem Tag, an dem es ihm buchstäblich den Boden unter den Füßen wegzog. Der heute 22-Jährige erkrankte an einer Hirnhautentzündung. Er erinnert sich noch genau an die vielen Details, die ihn in den Anfängen seines Leidenswegs begleiteten.

Trotz seiner schweren Behinderung hat Bool sein Selbstbewusstsein behalten. Sicherlich auch weil er weiß, dass er trotz Handicap einiges drauf hat und kann. Dieses Können will Bool nicht nur bei der BruderhausDiakonie, wo er seit drei Jahren verschiedene Bürotätigkeiten erledigt, unter Beweis stellen, sondern auch außerhalb der Einrichtung.

Der sympathische Rollifahrer beherrscht einfache Büroarbeiten am Computer, kennt sich mit Excel, Word und Paint ganz gut aus und ist offen für Neues. In Buttenhausen schreibt er Rechnungen für die Weberei, pflegt Essenspläne, scannt für die Verwaltung verschiedene Dokumente ein und entwirft unter anderem Banderolen für Sockenwolle.

Im Kreativbereich sieht Sabine Mede, Jobcoach im BruderHaus das Sahnehäubchen im Tätigkeitsfeld des jungen Mannes. Auch Bool selbst würde am liebsten irgendwo im Graphik- oder Kreativbereich arbeiten, auch um neue Erfahrungen mit Menschen ohne Behinderung zu sammeln. Gut vorstellbar für ihn wäre auch ein Praktikum an einer Schule, in der Verwaltung oder in irgendeinem anderen Betrieb, wo er zur Entlastung des Betriebes einfache Büroarbeiten erledigen könnte. Arbeitserzieher Daniel Pfeiffer, der seine Examensarbeit über Johann Bool macht, wäre anfangs 1:1 an seiner Seite. Pfeiffer lobt die Arbeitsqualität seines Schützlings, die zwar nicht im Akkordtempo, dafür aber richtig erledigt wird.

Über den Computer oder sein heiß geliebtes IPad funktioniert die Verständigung problemlos, auch der Toilettengang ist für den Computer- und Bildbearbeitungsfreak kein Problem, sofern er mit seinem Rollator durch die Türe kommt.

Bislang gabs leider nur Absagen, doch langsam aber sicher spricht sich der Wunsch von Johann Bool immer weiter herum. "Auch Bürgermeister Mike Münzing will sich umhören", freut sich Sabine Mede, die wie Daniel Pfeiffer und Johann Bool selbst die Hoffnung nicht aufgeben will, einen geeigneten Praktikumsplatz zu finden. Einen "Minijob" konnte der selbstsichere Kämpfer bereits an Land ziehen. Bei der TSG-Leichtathletik will er sich in die Statistik einarbeiten lassen.

Derzeit spielt sich sein Leben außerhalb der Einrichtung viel in der virtuellen Welt und mit Facebookfreunden ab. Er hofft, dass er über einen Praktikumsplatz verstärkt Anschluss in der "Normalwelt" findet. Johann Bool appelliert deshalb an die Betriebe der Region: "Gebt mir bitte eine Chance".

Info Sabine Mede erteilt die nötigen Infos unter Telefon: 0 73 83/94 32 00 oder unter Sabine.mede@bruderhausdiakonie.de