Hoffen und Bangen, Resignation und Kampfgeist, Enttäuschung und Durchhalteparolen: Die Sitzung der Bürgerinitiative für den Erhalt der Albklinik und aktuell der Geburtshilfeabteilung am Dienstagabend im Gasthof Hirsch in Auingen war von vielen Emotionen geprägt. Der lange Kampf um die Zukunft der Geburtshilfe scheint vergebens zu sein. Das hatte vorgestern bereits Kreiskliniken-Geschäftsführer Dr. Norbert Finke in einem Pressegespräch angedeutet (wir berichteten). Das bestätigte auch Bürgerinitiative-Sprecher Dr. Eberhard Rapp gegenüber den etwa 25 Aktivisten, die sich seit vielen Monaten für die Geburtshilfe in Münsingen einsetzen.

Kein Vertrag unterschrieben

Es sei noch kein Vertrag unterschrieben, habe ihm Finke am Montag erklärt. Man stehe zwar noch mit zwei Gynäkologen in Verhandlung, aber ob etwas draus werde, sei noch ungewiss. „Die Deadline kommt unaufhaltsam näher“, ergänzte Dr. Siegfried Hahn, der Tag, an dem die Hebammen wissen wollen, wie es weitergeht in Münsingen. Kommenden Montag ist es soweit, bestätigte Stefanie Sailer vom ehemaligen Münsinger Hebammen-Team. „Wir haben das Gefühl, dass es eine Hinhaltetaktik gibt“. Von offizieller Seite hätten die Hebammen noch kein Wort zum Stand der Dinge gehört, ergänzte sie.

Zu den Verhandlungen mit den zwei Gynäkologen sagte Rapp, dass es beim einen Probleme gebe, während der andere sich noch nicht entschieden habe: „Ich sehe die Chance, dass da noch etwas wird, bei 20 Prozent“. Vermutlich eine optimistisch gewählte Ziffer, denn im gleichen Atemzug meinte Rapp noch: „Es geht gegen unwahrscheinlich“.

Es habe in den vergangenen Wochen sechs bis acht Interessenten gegeben, führte Stefanie Sailer aus, die allesamt abgelehnt worden seien, aus welchen Gründen auch immer, was im Raum für Kopfschütteln sorgte. Thomas Hagmaier etwa meinte, dass bei ihm der Eindruck entstanden sei, dass bewusst blockiert worden sei, weil es mehrere Bewerbungen gegeben habe.

Welche Hoffnung gibt es noch? Auf die von der Stadt Münsingen geschaltete „Krippen-Anzeige“ habe sich ein spanischer Arzt gemeldet, erfuhren die Streiter für den Geburtshilfe-Erhalt. In Koblenz schließe eine Geburtshilfeabteilung, vielleicht könne da noch jemand gewonnen werden, so Rapp.

Eine der Hebammen verwies in der Diskussion darauf, dass nicht nur Geburten in Münsingen nicht mehr möglich seien, sondern, dass auch die Nachsorge zusammenbreche: „Die Frauen auf der Alb stehen auf dem Schlauch“. In großen Kliniken würden sie nach zwei Tagen entlassen. Aber erst danach würden Probleme etwa beim Stillen entstehen, und dann würden sie alleine dastehen. Stefanie Sailer ergänzte, dass von den einst 13 Münsinger Hebammen nur zwei vor Ort wohnen würden. Wer im kommenden Juni eine Wochenbettbetreuung wolle, sei bereits zu spät dran. Zum Teil würden Hebammen bereits zu einem Zeitpunkt angerufen wegen eines Termins, wenn die Schwangerschaft noch nicht einmal sicher sei, schilderte sie die dramatisch werdende Situation.

„Denen ist ganz egal, was auf der Alb passiert. Da sieht man mal wieder den Riesenunterschied von Stadt und Land, wir werden hier total abgehängt“, seufzte eine der Hebammen.

„Wir müssen jetzt auch andere Modelle diskutieren“, betonte Eberhard Rapp, nannte explizit das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) als Lösung für die Zukunft. „Und wir müssen fordern, dass der Kreißsaal in der Albklinik erhalten bleibt“. Einige der Geräte seien bereits nach Reutlingen umgesiedelt worden: „Die Station ist halb ausgeräumt“, so Stefanie Sailer. Jochen Klaß forderte, dass der Landkreis erklären müsse, wie er die Geburtshilfe künftig für die Alb organisieren werde: „Es muss eine Aussage kommen, wie der Kreis mit der Situation umgehen will, wenn es jetzt im Mittelzentrum Münsingen keine Geburtshilfe mehr gibt“. Klaus Käppeler versprach, das Thema in der Kreistagssitzung kommende Woche aufs Tapet zu bringen. Einhellig wurde beschlossen, dass die Bürgerinitiative auch im nächsten Jahr aktiv sein wird. Das nächste Treffen wurde für Freitag, 16. Januar, anberaumt.