Trailfingen "Ein guter Kompromiss"

Trailfingen / ULRIKE BÜHRER-ZÖFEL 20.06.2014
Flurneuordnung: Für den Landkreis ist es ein "Topthema", für die Landwirte bringts effekiveres Arbeiten, und auch der Naturschutz soll davon profitieren. In Trailfingen war vorgestern erster Spatenstich.

Von der Anordnung zum Start dauert es - in Trailfingen knapp acht Jahre. So eine Gemarkungsneuordnung bringt "einen hohen Abstimmungsaufwand" mit sich, sagte vorgestern der Erste Landesbeamte Hans-Jürgen Stede. Denn wo viele verschiedene Interessen unter einen Hut gebracht werden müssen, brauchts Diskussion, Absprachen, Kompromisse. Vor allem zwischen Landwirtschaft und Naturschutz muss es passen. Denn Flurneuordnung ist inzwischen "weit mehr als für eine bessere Bewirtschaftung die Landschaft auszuräumen" betonte Bürgermeister Mike Münzing. Seit eine grün-rote Landesregierung das Sagen hat, wird das Verfahren "auch auf einen ökologischen Mehrwert für die Natur ausgerichtet", erklärte Reinhard Wagner vom Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung.

Rolf Bleher, Vorstand der Teilnehmergemeinschaft, ist froh, dass "alles so schnell, gegangen ist, und dass alle dahinter stehen". Was jetzt beginne, sei "ein guter Kompromiss", nicht nur für die Landwirtschaft, sondern man habe auch die Interessen des ganzen Gemeinwesen berücksichtigt. Auch müsse man der Tatsache Rechnung tragen, "dass immer mehr Touristen" auf der Alb unterwegs seien.

Der Blick geht dabei zum Beispiel auf den Parkplatz am Eingang zur Trailfinger Schlucht. Der lässt sich sicherlich attraktiver und informativer für Wanderer und Radler gestalten.

Leiter beim Trailfinger Projekt für 1, 5 Millionen Euro auf 540 Hektar (siehe Kasten unten) ist Markus Krattenmacher vom Kreisamt für Landentwicklung und Vermessung. Der habe, so Stede, beim bisherigen Verfahren schon "eine gute Schlagzahl vorgegeben". Dass das auch so bleiben soll, machte Krattenmacher in seinem Überblick deutlich. Los geht es jetzt mit dem Wegebau. Größtes Vorhaben dabei: ein Ringschluss um Trailfingen, der dafür sorgen soll, dass der "landwirtschaftliche Verkehr aus der beengten Ortslage rauskommt". Gebaut werden gut 16 Kilometer neue Schotter-, Asphalt- und Erdwege. Bis Ende 2015 sollen Straßenbau und -sanierung abgeschlossen sein. Dann geht es ans Vermessen der neugeordneten Flur, und voraussichtlich 2017/18 an die Neuzuteilung der Grundstücke.

Wegebau ist ein Eingriff in Natur und Landschaft, muss durch landschaftspflegerische Projekte ausgeglichen werden, "sinnvoll angelegt sowohl für die Ökologie als auch für die Landwirtschaft", betonte Münzing. Diese Maßnahmen ziehen sich über fünf, sechs Jahre. Dazu gehören unter anderem Heckenpflege, Steinriegel und Gehölzstreifen anlegen, Aufbau eines Feldflorareservats, um seltenen Ackerkräutern Platz zu bieten. Eine Obstbaumaktion ist ebenso geplant wie Schaftriebwege auszuweisen.

Info Bei der Neuordnung werden innerhalb eines abgegrenzten Gebietes alle Grundstücke gedanklich vereinigt, Flächen für die öffentliche Nutzung abgezogen. Was dann übrigbleibt, wird neu in Einzelgrundstücke geteilt. Eigentümer erhalten eine Fläche die mindestens den Wert der alten hat, beziehungsweise es wird ihnen der Unterschied in Geld abgegolten. Von der geschaffenen Struktur soll die gesamte Gemeinde profitieren.

Flurneuordnung in Zahlen

Fläche: Von der Flurneuordung auf Trailfinger Gemarkung

sind insgesamt 542 Hektar Landschaft betroffen.

Davon sind 373 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche,

37 Hektar bebaut, 78 Hektar Wald und 54 Hektar Heide und Gehölz.

Teilnehmer: Die Teilnehmergemeinschaft (TG) hat 218 Mitglieder. Der Vorstand ist Rolf Bleher.

Kosten und Finanzierung: Die geplanten Maßnahmen kosten rund 1, 5 Millionen Euro.

Dazu gibt es Zuschüsse in Höhe von 83 Prozent der Projektkosten, und zwar von EU, Land und Bund etwa 1,26 Millionen Euro. Die Teilnehmer müssen noch rund 270 000 Euro finanzieren.

Landkreis: Im Landkreis Reutlingen laufen zurzeit 14 Flurneuordnungsverfahren auf knapp 14 000 Hektar. Investiert werden 27 Millionen Euro.

Land: In Baden-Württemberg, das ist bereits heute klar, wird man in den Jahren 2015/16

60 Flurneuordnungsverfahren vor sich herschieben.

SWP

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