Wenn der Plochinger Maler an einem Bild arbeitet, heißt das für ihn, nicht nur Formen und Farben auf die Leinwand zu bringen, sondern sich mit seiner eigenen Persönlichkeit und seinen eigenen Erlebnissen auseinanderzusetzen. So basiert die Kunst von F.-Michael Starz stets auf der persönlichen Biografie, der er bildhafte Gestalt gibt und sie mit Elementen aus der Natur verknüpft.

Er sucht nach "Urformen und Archetypen", nach Essenz. Im Mittelpunkt seines Schaffens steht ein unbedingter Anspruch an Authentizität, abseits von fiktiver Konzeption liegt ihm an einer unmittelbaren Direktheit des Entstehungsprozesses. Inspiriert von der Natur in ihrer gesamten Landschaftlichkeit entstehen seine Ölbilder vor menschlichem Hintergrund in einer prozesshaften Schichtung. In der Ausstellung sind Werke aus den letzten 15 Jahren seiner Schaffenskraft zu sehen.

Diese Bilder zeigen nicht nur die künstlerische Entwicklung des Malers auf, sondern auch seine persönliche Entwicklung mitsamt einer ständig ändernden Standortbestimmung. "Die Landschaft ist für mich ein Ruhepol, sie schafft Nähe und Vertrauen. Ich kann in ihr Dinge entdecken, die Gültigkeit haben", sagt Starz. Nicht immer sind diese Naturelemente in seinen Bildern auf den ersten Blick zu erkennen. Vielmehr fokussiert er einzelne Punkte gezielt aus und bearbeitet sie zum Teil äußerst dramatisch.

Die dreigeschossige Ausstellungsfläche in der Zehntscheuer nutzt der Künstler, um drei Themenkomplexe aufzugreifen. In der großräumigen ersten Etage zeigt er repräsentative, teils großformatige, gestische Auseinandersetzungen mit Naturformen und Landschaften, die für ihn eine nie endende Kraftquelle und Metaphern für das Leben an sich darstellen. Der Raum darüber ist perfekt für die Darstellung einiger Ausläufer aus seiner Serie "Häuptlinge", in der er sich mit der erfolglosen Suche nach Vorbildern in der heutigen Zeit beschäftigt und für sich selbst erkannt hat, dass er das ersehnte Ideal in sich selber finden muss. "Nur mit dieser immer wieder neu erarbeiteten Positionierung, einer permanenten Selbstortung ist es möglich, Impulse von Liebe und Verständnis gegenüber anderen Individuen und Sozialisationen zu leben", meint Starz und macht seine Überzeugung mit den in pulsierenden Rot- und Orangetönen gehaltenen "Liebesaggregaten" sichtbar.

Blickfang ist hier das großflächige "Herzrauschen", das unter einer breiten Masse an Formmaterial konkrete Emotionen übermittelt. Im Obergeschoss kulminieren die Bestrebungen "Fühlt man sich selbst - fühlt man auch andere" in der neuen Serie der Basilicae maiores: In äußerst reduzierter Form, farblich leuchtend, stellen sie für den Künstler einen geschützten, geistigen Ort der Freiheit und menschlichen Liebe dar. In großem Format ist die Basilica maior für den Künstler "ein Novum meiner Arbeit". Nach dem Vorbild dieses Prototyps hat er eine ganze Aquarellserie geschaffen: Immer das gleiche Motiv, gleich in Farbe und Form, schlüssig und konsequent als meditative Aufnahme in einem Prozess durchgespielt. Die Bilder von F.-Michael Starz lassen sich in keine Gattung fest einordnen, vielmehr liegt ihm daran, mit seiner Kunst den Betrachter in einer reizüberfluteten Welt für eine Bildwelt zu sensibilisieren, die sich nicht vordergründig erschließt, sondern die jeder für sich selber verstehen, erarbeiten und erleben muss. Die Ausstellung ist bis zum 22. Februar in der Zehntscheuer zu sehen.