Aschermittwoch „Die Fastenzeit ist ein Geschenk“

Münsingen / Von Gudrun Grossmann 13.02.2018

Es ist eine Frage der Perspektive. Wer die Fastenzeit mit Qual und Trübsinn verbindet, der verbaut sich selbst eine Chance. Davon ist jedenfalls der katholische Geistliche Pater Roy Kallimpallil überzeugt. Pater Georg, wie er kurz genannt wird, sieht den kommenden sieben Wochen voller Freude entgegen. Endlich dreht sich die Welt etwas langsamer. Wer möchte, kann nun die Stille hören, in sich hineinhorchen, Ruhe finden, den Frieden spüren. Es ist ein Angebot. Die Besinnung auf das Wesentliche kann in den Vordergrund rücken. Pater Roy Kallimpallil warnt vor negativen Assoziationen. Schon das Wort Umkehr gefällt ihm nicht, noch weniger Druck oder gar Zwang.

Jeder habe nun die Gelegenheit, wachsam und ehrlich auf sich selbst zu schauen. „Der Spiegel sollte mit dem Fernglas getauscht werden.“ Bei sich anfangen, statt auf andere zu zeigen, nicht deren Schuld und Verfehlungen im Auge haben. Diese Ehrlichkeit sei ansteckend. „Sie zieht Kreise wie ein Stein im Wasser.“ Jedes Leben sei einzigartig.  „Jeder Mensch ist besonders. In jedem von uns gibt es Werte, welche bei einem mehr und dem anderen weniger versteckt sind.“ Manche würden diese selbst nicht kennen. Also könne es durchaus weiterbringen, wenn diese „Zeit der Einfachheit“, die am Aschermittwoch beginnt, dazu genutzt wird, Positives zu entdecken.

Pater Georg ist bekannt dafür, dass er nicht von einem „strafenden Gott“ predigt, sondern von einem der liebt, rettet und vergibt. Angst ist für ihn kein Leitbild. Er sieht in diesen 40 Tagen ein Geschenk. Es gehe nicht um weniger, sondern um mehr Leben, nicht um weniger Genuss, sondern um einen anderen und tieferen. Wer weniger isst, denke an seine Gesundheit. Der Verzicht auf Alkohol „verschafft mehr Klarheit im Kopf“.   Wer weniger auf einen Bildschirm starrt, der habe mehr Zeit für Familie und Freunde. Das sei nun wirklich alles andere als schrecklich und traurig. Der Verzicht, er  ist so gesehen ein Gewinn und eine Befreiung.

Als Seelsorger ist er nah dran an den Menschen. Er hört immer wieder von dem Druck, dem viele ausgesetzt sind. Viele seien getrieben wie in einem Fluss. Kopflos würden sie allen anderen hinterherjagen, egal, ob dies nun Firmenchefs oder Arbeiter sind. Das Stoppschild werde erst dann gesehen, wenn es zu spät ist, wenn zum Beispiel eine Krankheit keinen anderen Ausweg mehr lässt. Immer höher, immer weiter – wer sich hier verrennt, laufe Gefahr, dass am Ende alles kaputt geht. „Was sollte ich in meinem Leben ändern?“ Wenn die alte Straße nicht mehr begehbar ist, wenn der Ballast von gestern zu schwer geworden ist, dann helfe ein Innehalten, ein Richtungswechsel.  Auch die Mitmenschen sollten dies positiv zu spüren bekommen, dann, wenn ihnen mit Aufmerksamkeit, mit Offenheit und einem Lächeln begegnet wird. Ein freundliches Wort wirke oft Wunder, sagt der Geistliche. In seinem Buch „Für ein gelungenes Leben“ hat Pater Roy Kallimpallil viele Geschichten zusammengetragen, die den Blick schärfen und aufzeigen, wie wichtig die „Liebe im Herzen“ ist. Sie wenden sich gegen Egoismus, das Streben nach Reichtum und Macht. Es gelten andere Maßstäbe, die er humorvoll und mit einer angenehmen Ernsthaftigkeit vermittelt.

Hilfsprojekte im indischen Bundesstaat Kerala

Mit dem Erlös aus dem Buchverkauf unterstützt Pater Georg unter anderem  Schulen und Ausbildungsstätten für Kinder und Jugendliche, mittellose Bauern und Frauen in einem  Nähzentrum in Indien. Noch bis zum 14. Februar hilft Tabea Illing, Hayingen, in einem Heim für Obdachlose in Chennaipara in Kerala mit. Für Spenden wurden bei der Volksbank und der Kreissparkassen Münsingen Konten eingerichtet. Weitere Infos über die Keralahilfe, Telefon (0 73 81) 27 84.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel