Vermutlich kennen viele die Redewendung: "Asche auf mein Haupt!" Diese wird - vielleicht auch rasch und leichtfertig - (dahin-)gesagt bei einem Missgeschick, einer Unachtsamkeit. "Asche auf mein Haupt!" bedeutet "Ich war's. Ich sehe meinen Fehler ein und stehe zu ihm." Die Bußzeit vor dem Osterfest beginnt mit "Asche auf meinem Haupt" - mit einem Aschekreuz auf der Stirn.

Zweierlei möchte dieses Kreuz zum Ausdruck bringen. Zum einen - im Blick zurück -, dass es im Leben eines Menschen für Getanes oder Unterlassenes die schwarze Seite gibt. Dieser gilt es sich bewusst zu werden, das Dunkle zu bereinigen, Misslungenes zu verstehen. Zum anderen - im Blick auf die Zukunft - macht das Kreuz einem Menschen bewusst, dass sein Leben nicht ewig andauert, dass der Zeit, in der er sein Leben gestalten kann und muss, ein Ende gesetzt wird.

So ist es also nicht stimmig, die Besinnung, den Gesinnungswandel, da wo er Not wenden kann, immer nur auf später und noch später zu verschieben.

Entscheidend dabei ist jedoch: Dieses Kreuz erinnert, mahnt, aber es erdrückt nicht. Die Zeit vor Ostern besonnen zu gestalten, verlangt von niemandem, sich trübsinnig in der Schuld zu vergraben, leblos im Misslungenen verstrickt und gefangen zu bleiben.

Die Zeit vor Ostern besonnen zu gestalten, verlangt geradezu das Gegenteil: Von innen heraus eine neue Freiheit zu suchen.

Von innen heraus - und das kann nur selbstbewusst geschehen und gelingen - darum zu ringen, frei zu werden von alten, zum Teil auch selbst auferlegten Zwängen, von dem, was einen schuldbedingt klein macht.

Die Zeit vor Ostern besonnen zu gestalten meint, den Aufbruch suchen zu einer neuen Lebendigkeit, einem neuen Gespür für das, was einem gut tut, was einen belastet.

Zu diesem Aufbruch ermutigt ein Text von Martin Gutl:

Kehr um, sonst bleibt alles beim Alten!

Kehr um, sonst ändert sich nichts!

Kehr um, sonst entfernst du dich von dir!

Kehr um, sonst entgeht dir das Wichtigste!

Kehr um, sonst bemerkst du nichts vom Ganzen!

Kehr um, sonst bleibt dir Gott verborgen!

Kehr um, sonst spielt sich alles hinter deinem Rücken ab!

Sich von Belastendem zu verabschieden, sich zu verändern, um sich neu auszurichten für sein Leben, ist durchaus mühevoll. Aber, und das sprechen mir diese Zeilen zu, leistbar, machbar - um meinetwillen, um der anderen Menschen Willen und um Gottes Willen.