Auingen „Alb Brut“: Ausstellung im Albgut

Zurzeit sind Sarah Boger und ihr Team noch beim Aufbau der Ausstellung „Alb Brut“. Um die 300 Bilder und Objekte wollen im Albgut  in den BTs 13 und 15 ins rechte Licht gerückt werden.
Zurzeit sind Sarah Boger und ihr Team noch beim Aufbau der Ausstellung „Alb Brut“. Um die 300 Bilder und Objekte wollen im Albgut  in den BTs 13 und 15 ins rechte Licht gerückt werden. © Foto: Ulrike Bührer-Zöfel
Auingen / Ulrike Bührer-Zöfel 26.06.2018

Gustav Mesmers Objekte, Norman Seibolds und Roland Kappels Bilder  kennt man, haben sie doch schon über die Region hinaus, ja sogar im Ausland, ausgestellt.  Auf der Alb  gibt es aber noch viel  mehr Kunstschaffende mit psychischen oder geistigen Behinderungen.  Für die meisten von ihnen sei es „elementar, dass ihre Werke nicht im Archiv verschwinden, sondern der Öffentlichkeit präsentiert werden“, so Sarah Boger, Leiterin des Ateliers Artig in der BruderhausDiakonie Buttenhausen. Die Möglichkeiten auszustellen, sich mit anderen Künstlern auszutauschen, sind vor allem auf dem Land, allerdings dünn gesät – aber sehr gewünscht.

Da kam die Anfrage  des Leaderteams an die BruderhausDiakonie gerade recht. Das hatte noch Fördermittel im Topf, suchte ein  Projekt auf dem  Kunst- und Kultursektor. Sarah Boger, sowieso mit Kollegen verschiedener  Behinderteneinrichtungen im Gespräch  über eine  mögliche Zusammenarbeit im Kunstbereich, packte die Gelegenheit beim Schopfe, suchte sich Partner. Die fand sie mit  der Samariterstiftung, mit Mariaberg sowie der Gustav Mesmer Stiftung.  Deren Vorsitzender Stefan Hartmaier stieg in Planung und Organisation mit ein.

 Auch die Location war schnell gefunden:  Die  BTs 13 und 15 im Albgut werden jetzt  von Juli bis September zur Galerie auf Zeit. Eine mit vielen Möglichkeiten und viel Fläche: Auf rund 1000 Quadratmetern wird „Alb Brut“- Kunst (siehe Kasten rechts) präsentiert. Vor allem an den eigens gefertigten Stellwänden. Aber auch  ein Bild-Mobile, durch das man spazieren kann, soll die Besucher animieren, Kunst zu erleben, vielleicht sogar die ganz eigene Musik zu hören,  wie sie der Künstler beim Malen umgesetzt hat.

Für die  Ausstellung der gut 300 Werke von kunstschaffenden Männern und Frauen aus Mariaberg, Grafeneck und Buttenhausen ist das Albgut der perfekte Platz, so die Kunsttherapeutin. Zum Ersten ist alles gut zugänglich: „Gemeint ist  Barrierefreiheit in allen Bereichen, von räumlichen Barrieren wie  Treppen, über sprachliche und  finanzielle wie  Eintrittskosten oder Teilnehmergebühren.“

Zum Zweiten: Zur Ausstellung gibt es, ebenfalls kostenfrei, ein vielseitiges  und inklusives Austausch- und Bildungsprogramm für alle (siehe Kasten links).  Auch deshalb hofft Sarah Boger, dass sich über diese Angebote ein Austausch zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen ergibt, Kontakte  und Netzwerke entstehen – zum Beispiel für künftige Projekte. Denn  die  sind   durchaus schon im Blick: Das  Ende der  „Alb Brut“-Ausstellung, die  die Kunsttherapeutin als „einen wichtigen Meilenstein in  der Förderung und Anerkennung der Kunst von Menschen mit Behinderung“ sieht, könnte auch ein Anfang werden. Vorstellbar wäre beispielsweise  ein  „Alb Brut“-Museum: Dauer- und Wechselausstellungen kombiniert mit Atelierflächen, Raum für Kulturveranstaltungen.

Und zum Dritten: Die „Alb Brut“-Galerie ist nicht allein im Albgut. Dort hat die Kunst schon eine ganze Zeit Fuß gefasst, nämlich mit dem Albmaler Museum und dem Atelier von Wolf Helzle.

Info Die „Alb Brut“ in den BTs 13 und 15 wird am Sonntag, 1. Juli, um 10 Uhr eröffnet.
Sie dauert bis zum 30. September und ist jeweils von Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.

Zwölf Künstler stellen aus

Unter „Art Brut“, aus dem  Französischen für „rohe Kunst“, versteht man die Kunst von  Menschen mit einer psychischen und/oder geistigen Behinderung. Von diesem Wort leiten die Initiatoren  und Organisatoren den Ausstellungstitel „Alb Brut“ ab. In den BTs 13 und 15 sind Objekte, Malerei und Zeichnungen zu sehen von: Rosie Alt, Roland  Fischer, Albert Giese, Roland Kappel, Michael Märkle, Gustav Mesmer, Klaus Rexin, Normann Seibold, Werner Schlecker, Marco Schmitt, Franz Stocker und Josef  Wicker.

Inklusives Begleitprogramm

Zur Ausstellung wird ein  – inklusives – Begleitprogramm zwischen 7. Juli und 29. September angeboten. Das ist kostenlos, jedermann kann teilnehmen. Dazu gehören verschiedene Kunstkurse, ein Theater-, ein Foto-  und ein Tanzworkshop, ein Lyrik-Brunch sowie Vorträge. Angeleitet werden die Kurse von Künstlern aus der Region.
Weitere Informationen dazu gibt es unter  www.albbrut.de. Anmelden zu den einzelnen Veranstaltungen kann man sich unter E-Mail: brigitte.geckeler@bruderhausdiakonie.de.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel