Münsingen 750 Menschen für Erhalt der Geburtshilfe

Münsingen / Von U. Bührer-Zöfel und R. Frenz 19.04.2018

Unglaublich! Mit 200 Teilnehmern an der Mahnwache an der Albklinik hatten die Veranstalter, die Initiative „Geboren in Münsingen“ und die Bürgerinitiative für den Erhalt des Münsinger Krankenhauses gestern gerechnet. Gekommen sind aber sicher 750 Mütter, werdende Mütter, Väter, Großmütter und Großväter, Kleinkinder, Babys und im Bauch ihrer Mütter auch viele Ungeborene. Die Mahnwache wurde so zum starken, machtvollen und unübersehbaren Signal für den Erhalt der Geburtshilfe.

Hervorragende Arbeit geleistet

Es war keine schreierische Demonstration, sondern eine friedliche und freundliche, eine die in erster Linie Dank sagte, Dank den Hebammen, Dank den Belegärzten, die alle zusammen über viele Jahre hervorragende Arbeit in Münsingen geleistet haben. „Ihr seid Spitze!“: Diesen Ruf stimmten Katrin Benz und Dorothea Pfleiderer-Müller am Eingang der Albklinik in Richtung der Hebammen an und hunderte von Stimmen nahmen den Lobesruf auf. Antje Buck, Teamleiterin der Hebammen, gab das Lob zurück: „Tausend Dank für Euer Vertrauen in den letzten Jahrzehnten. Wir würden Euch gerne die Möglichkeit bieten, hier bei uns in der Albklinik weiter zu gebären“. Dem Prinzip Hoffung folgend stimmten die Hebammen das Lied „Wunder gibt es immer wieder“ an. Zuvor hatten die Teilnehmer der Mahnwache die Albklinik eineinhalb Mal umrundet. Nach der ersten Runde kamen noch immer Frauen und Kinder vom Spielplatz hoch. Unglaublich eben!

Drohende Schließung

Die drohende Schließung der Geburtsstation in der Albklinik war am Dienstag auch Thema in der Gemeinderatssitzung. CDU-Stadtrat Gottlob Dangel betonte, „der Kampf muss jetzt beginnen“. Er erinnerte daran, „wie wir um diese Station, um die Klinik gekämpft haben“. Man dürfe jetzt nicht nachlassen. Es gehe auch um Arbeitsplätze. Außerdem wies Dangel darauf hin,  dass  die Stadt mit der Ausweisung von  Bauplätzen und der Freibadsanierung  auch gezielt  auf junge Familien setze. „Die Ärzte haben alles gegeben, jetzt sind wir an der Reihe, die Geburtsstation darf nicht geschlossen werden“. Dafür gab es vom Gremium Beifall.

Andreas Glück (Liberale) unterstrich die Ausführungen Dangels, erklärte es sei fünf vor zwölf, „um eine sinnvolle und gute Lösung zu finden“. Man dürfe bei der Diskussion auch nicht aus den Augen verlieren, was eine Schließung der Geburtsstation für die 24-Stunden-Bereitschaft  der Klinik bedeuten könne.


OP-Bereitschaft wird nicht verändert

Dorothea Pfleiderer-Müller (SPD) zeigte sich  doch recht verwundert, „dass  es so still“ in der Öffentlichkeit geblieben sei, es zum Beispiel keine Leserbriefe gegeben habe.  Sie gehört zu den Organisatorinnen der Mahnwache: „Ich freue mich, wenn  dazu nicht nur Mütter mit ihren Kindern kommen“.

Ihr Fraktionskollege Dr. Eberhard Rapp stellte klar, das man ob der drohenden Schließung „geschockt“, aber nicht in eine „Schockstarre“ verfallen sei.  Landrat und Verwaltungsdirektor hätten ihm versichert, dass  sich bei der nächtlichen OP-Bereitschaft nichts verändern werde.

Dr. Gerhard Schnitzer, Liberalen-Stadtrat und Gynäkologe,  dankte fürs Lob und betonte, die Geburtsstation „ist unser Lebenswerk schlechthin“. Das trage keiner gerne zu Grabe.  Er ist seit 26 Jahren  Belegarzt an der Klinik, sein Kollege  Dr. Bernd Angermann seit zwölf Jahren. Sie hätten rechtzeitig darauf hingewiesen, „dass es so nicht weitergehen kann. Unsere biologische Uhr tickt, wir können die Arbeit nicht mehr stemmen.“ Das sei ihrer Gesundheit und der Sicherheit der Patientinnen  nicht zuträglich. Man müsse sich „schnell entscheiden, wie es weitergeht“.

Für Bürgermeister Mike Münzing  ist es unstrittig, „dass die Leistungen der beiden Gynäkologen überdurchschnittlich hoch sind. Auf zwei Ärzte kommen im Jahr 520 Geburten.“ Auch die Arbeit der Hebammen und Pflegekräfte gelte es zu  berücksichtigen. Er hoffe, dass es in „den nächsten Stunden und Tagen noch einen Ruck tut“. Zwar sei der Antrag auf eine Hauptabteilung genehmigt, doch dazu brauche es Fachkräfte, „die nicht vom Himmel fallen, wir müssen sie gewinnen. Es wäre gut, wenn in der Übergangszeit die bestehenden Strukturen belassen werden könnten“. Münzing dankte allen für die Gesprächsbereitschaft. Die Mahnwache sah er nicht als Kritik, sondern als Dank an Ärzte und Hebammen: „Es gilt  ein Signal zu setzten“.

Info Das nächste Treffen der Bürgerinitiative Albklinik zum Thema Geburtshilfe findet am Montag, 23. April, um 19 Uhr im Gasthof Herrmann statt.

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