Das Jubiläumsjahr – der Kolping-Fanfarenzug besteht seit 50 Jahren – neigt sich langsam dem Ende zu und der Fanfarenzug der Kolpingsfamilie Zwiefalten wollte es mit einem Jubiläumskonzert ausklingen lassen. Vergangenen Samstag fand das Konzert in der Rentalhalle in Zwiefalten statt. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Fanfarenzug and friends“, welches bereits verriet, dass mit Musikern aus verschiedenen Gruppen ein spannendes Jubiläumskonzert zusammengestellt wurde.

Pünktlich um 20 Uhr begrüßte Vorstand Andreas Burgmaier den voll besetzten Konzertraum in der Rentalhalle. Auch die Tribüne war gut besetzt. Als der Fanfarenzug vor 20 Jahren beim 30. Geburtstag sein erstes Konzert darbot, erntete er im Vorfeld eher Stirnrunzeln; die Zuschauer wurden eines Besseren belehrt. Und zwischenzeitlich hat sich aus den Verkündigungsfanfaren und der Marschmusik in der Tat  auch konzertante Musik entwickelt. Dieses Konzert nun sollte einem guten Zweck dienen. Die Leitung des Zuges möchte, aus Dankbarkeit über die vielfältige Unterstützung beim Jubiläum, nun wiederum selbst etwas an Hilfsbedürftige weitergeben und spendet den Erlös dieser Veranstaltung an den Förderverein für krebskranke Kinder aus Tübingen.

Über 50 Fanfarenzügler

Zur Überraschung marschierten die über 50 Fanfarenzugspieler nicht einfach durch die Reihen ein, sondern es erhob sich quasi der Vorhang in Form der Hallenzwischenwand und die Truppe präsentierte sich verteilt über die komplette Hallenbreite. Auf der Bühne angekommen übernahm Dirigent Marcel Ott den Stab und die Leitung. Er hatte ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Die Musikstücke reichten von Kirchenmusik über Konzertstücke hin zu Samba Rhythmen und einem rockigen Ende.

Viele Freude spielten mit

Als „friends“ wirkten mit: Organistin Christine Wiker aus Emeringen, die Dudelsackgruppe „1st Revolution Pipes & Drums“ aus Bad Saulgau, die Musikkapelle Zwiefalten, die Gruppe Afro Beats (Djembengruppe der Kolpingsfamilie Zwiefalten), der E-Gitarrist Benedikt Ott und die Guggengruppen Krawallos, Ypsies und Sauhaufen; durchs Programm führte Dirk Häringer.

Los ging es mit der Erkennungsmelodie der Eurovision, eine Einrichtung der Union der Europäischen Rundfunkorganisationen. Sie stammt aus dem Hauptthema des Te Deum von Marc-Antoine Charpentier. Für das Jubiläumskonzert 2019 wurde die Melodie zur Eröffnung des Konzerts einstudiert. Das Stück wurde von Marcel Ott und Thomas Gehweiler für den Fanfarenzug Zwiefalten arrangiert.

Es folgte der Melo Festa – ein klassisches Konzertstück, komponiert von Verheijen und Schneider, von Ruud Böhmer für Jagdhorncorps arrangiert. Zum 30. Jubiläum des Kolping Fanfarenzugs wurde das Stück für das damalige Konzert unter der Leitung von Martin Schmid einstudiert. Durch den Hauptteil des Stückes wurden die Hörer von den Parforcehörnern geführt, die Fanfaren und Helikons begleiteten diese und umrahmten die Hauptmelodie. Die Überleitung in die drei Themenbereiche übernahm das Schlagwerk; durch die Tempowechsel erhält das Stück seinen Charme. Seit der Einführung des Stücks vor 20 Jahren wird es vom Fanfarenzug vorrangig bei Konzerten und Wertungsspielen gespielt; unter anderem beim Wertungsspiel 2012 in Spay bei Koblenz, bei dem die Zwiefalter den fünften Platz belegten und gegen Fanfarenzüge aus ganz Deutschland antraten.

Hommage an Nicola Hartmann

Eine Hommage nicht nur an die Münstergemeinde war anschließend der Zwiefalter Choral, eine einstimmige Kirchenmusik, die hauptsächlich an Hochzeiten gespielt wird. Das Stück wurde von der Zwiefalterin Nicola Hartmann, die früh verstarb, für den Fanfarenzug und Orgel komponiert und stellte die erste musikalische Kooperation am Konzertabend dar – und zwar mit der Organistin Christine Wiker am E-Piano. Wiker hatte ihr musikalisches Können bei Hartmann, erst im Flöten- und dann im Klavierunterricht erlangt und nun gab sie zusammen mit dem Fanfarenzug das Stück ihrer Lehrerin zum Besten: In Gedenken an Nicola Hartmann.

Abwechslungsreich ging es mit „The Rose“, dem „Highland Cathedral“ und dem Triumphmarsch aus der Oper Aida von Giuseppe Verdi weiter. Das Stück wurde im Fanfarenzug über Jahre hin in den Stimmen durch Tonaufnahmen an die Neumitglieder weitergereicht. Vor zwei Jahren wurden die Aufnahmen von Marcel Ott zu Papier gebracht. Der Abschluss vor der Pause kam mit Wucht: Das Stück Sierra von Wolfgang „Ronny“ Roloff wurde vom Fanfarenzug zusammen mit der Musikkapelle Zwiefalten gespielt – an die 100 Musiker waren dabei gemeinsam auf der Bühne.

Nach der Pause nach Frankreich

Nach einer Pause ging es nach Frankreich: Nizza ist ein Fanfarenstück, das ebenfalls von Ingo Weber arrangiert wurde. Bei genauem Zuhören erkannte man Auszüge aus dem Hit „Pour un flirt avec toi“ von Michel Delpech. In dem Lied bringt der Sänger zum Ausdruck, dass er alles tun würde, um einen Flirt mit einer Geliebten zu ergattern. Das Stück wurde 2013 vom Fanfarenzug zum 40-jährigen Bestehen der deutsch-französischen Partnerschaft zur Partnergemeinde La Tessoualle einstudiert.

Viele weitere Stücke folgten, ehe die Fanfarenzügler als Zugabe „Sunshine“ auf die Bühne brachten. Das Stück wurde von Tobias Aierstock für den Fanfarenzug arrangiert. Besser Bekannt ist das Stück unter dem originalen Namen „can‘t take my eyes off of you“ von Frankie Valli und aus dem Film „10 Dinge die ich an dir hasse“. Und dann meldete sich nochmals die Dudelsackgruppe auf der Bühne zurück und schenkte dem Fanfarenzug noch ein außerplanmäßiges Geburtstagsständchen in Form ihrer beeindruckenden Musik.

Der Kolping-Vorsitzende Josef Ott zog eine rundum positive Bilanz: „Ein gelungener Abend, ein gelungenes Jubiläumsjahr; der Fanfarenzug hat sich in den letzten Jahrzehnten intensiv weitergebildet und somit das musikalische Repertoire ausgebaut und qualifiziert. Dass der Kreativität bei Auftritten, Veranstaltungen oder Arbeiten bei der jugendlichen Mannschaft keine Grenzen gesetzt sind, kann als nicht nur bei der Fasnet erlebt werden. Das sorgt mit dafür, dass der Zug auch in Zukunft attraktiv bleiben wird. Der Kolping Fanfarenzug hat nun ein paar „friends“ mehr!“