Die beiden Staatssekretärinnen Gisela Splett (Finanzministerium) und Friedlinde Gurr-Hirsch (Landwirtschaftsministerium) informierten sich gestern im Haupt- und Landgestüt Marbach über dort in den vergangenen Jahren umgesetzte Projekte und Bauvorhaben sowie die aktuellen Pläne für die weitere bauliche und fachliche Entwicklung.

EM der Vielseitigkeitsreiter 2023 in Marbach nicht realsierbar

„Wir freuen uns über den Besuch der beiden Staatssekretärinnen, die sich ein Bild über das Haupt- und Landgestüt als ältestem Staatsgestüt in Deutschland machen wollen“, sagte Landoberstallmeisterin Astrid von Velsen-Zerweck, die seit mehr als einem Jahrzehnt für Marbach verantwortlich ist. Im Fokus stehen ihr zufolge die Bereiche Tierschutz und -haltung sowie die sportlichen Entwicklungsmöglichkeiten. Hier ruht das Augenmerk auf der alle zwei Jahre stattfindenden EM der Vielseitigkeitsreiter, für die sich die IG Vielseitigkeit bei der FEI (Fédération Équestre Internationale) für das Jahr 2023 beworben hat. Ein Teil der Anlage entspricht allerdings nicht mehr den sportlichen Anforderungen und in baulicher Hinsicht ist vor allem die Reitarena mit ihren 8650 Sitzplätzen inzwischen in vielen Bereichen schadhaft. Eine Sanierung könnte nach Einschätzung von Andreas Hölting, Leiter des Tübinger Amtes Vermögen und Bau, rund 4,5 Millionen Euro kosten. „Für diese Summe könnte man ganz andere Ideen umsetzen“, sagte er weiter. Gedacht ist nach den Zielsetzungen des Masterplans für die bauliche Entwicklung von Marbach, der 2008 aufgestellt und im vergangenen Jahr fortgeschrieben wurde, an eine räumliche Trennung der Bereiche Wohnen und Ausbildung vom Gestütsbetrieb und den sportlichen Veranstaltungen. Erstellt wurden Planungen und Kostenberechnungen für den Bau einer neuen Reithalle mit 1500 Sitzplätzen, den Abbruch und Neubau der Reitarena und eines daran angeschlossenen Vorbereitungs- und Turnierplatzes sowie zwei weiteren Turnierplätzen auf dem Areal oberhalb der Arena. Um die gewünschte räumliche Trennung zu erreichen, sollen auf der anderen Seite der Bahnlinie bei der Landesreitschule die für den Sportbetrieb notwendigen Boxen, Zeltstallplätze und Abstellflächen für Lastwagen und Anhänger geschaffen werden.

Brücke über Landesstraße und Bahngleise

Über eine Brücke könnten Pferde und Reiter das Gleis sowie die L 247, die nach Grafeneck führt, gefahrlos überqueren. Zusätzliche Parkplätze könnten in der Verlängerung des Bahnhofs gebaut werden. Das Land hat eine entsprechende Planung und Kostenaufstellung vom Amt für Vermögen und Bau angefordert und auch erhalten. „Die Ergebnisse liegen jetzt bei den Ministerien für Finanzen und Landwirtschaft“, sagte Carmen Zinnecker-Busch, Leiterin der Hochbauabteilung bei Vermögen und Bau. „Wir werden die vorgesehenen Maßnahmen in die Haushaltsplanung einbringen und müssen diese in den nächsten Jahren nach und nach realisieren“, sagte Gurr-Hirsch, die, wie auch von Velsen-Zerweck, bestätigte, dass eine Umsetzung bis zur EM 2023 nicht machbar sei. „Der Antrag wird aber aufrechterhalten und soll dann für das Jahr 2025 neu gestellt werden“, betonte von Velsen-Zerweck.

Auf dem mehrstündigen Besuchsprogramm stand zunächst allerdings der Gestütshof St. Johann mit dem Vorwerk Fohlenhof. Dort erstellt das Amt für Vermögen und Bau derzeit die Planungen für den Wiederaufbau des vor gut zwei Jahren bei einem Brand zerstörten Getreidemagazins. Für die Maßnahme, mit der voraussichtlich nächstes Frühjahr begonnen wird, sind Kosten in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro veranschlagt. Ebenfalls in der Planung ist die Sanierung des 1684 errichteten Hofmeisterei-Gebäudes, das seit 1864 als Gestütswirtschaft genutzt wurde, wie Splett an der zweiten Station der Besuchsfahrt in Erinnerung rief. Mit einem Kostenaufwand von 2,5 Millionen Euro sollen Fassade und Dach energetisch optimiert und die Innenräume sowie der Küchenbereich saniert werden. Die Bauarbeiten könnten ihr zufolge Ende des Jahres beginnen.

Amt für Vermögen und Bau übernimmt alle Gebäude

Mit Beginn des nächsten Jahres übernimmt das Amt für Vermögen und Bau auch die komplette Verantwortung für den Gebäudebestand des Landgestüts. „Bislang war das Gestüt für die Unterhaltung der Gebäude sowie den Mehraufwand als Folge des Denkmalschutzes selbst zuständig, nicht jedoch die Grundsanierung“, sagte Hölting, der den „besonderen Charakter“ der neuen, personalintensiven Aufgabe hervorhob, handelt es sich doch immerhin um rund 180 Gebäude, die zum Landgestüt mit seinen drei Gestütshöfen und vier Vorwerken gehören.

Sechs Projekte konnten in den vergangenen Jahren mit Mitteln aus dem Zukunftsinvestitionsprogramm des Bundes umgesetzt werden. Neben der Reithalle in Offenhausen wurden beispielsweise die Holzhackschnitzelheizanlage und das neue Wohnheim in Augenschein genommen. Nach einem Imbiss aus dem Bio-Hotel und Restaurant Rose besichtigten die Besucher bei einer kurzen Rundfahrt in der Kutsche die künftig für den Sportbetrieb vorgesehenen Bereiche.

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Eningen