Seit nunmehr 25 Jahren sorgen die einzelnen Akteure in der Erzeugergemeinschaft Albkorn dafür, dass der Grundsatz der gemeinsamen Arbeit, nämlich die „regionale Wertschätzung in Wertschöpfung“ umzusetzen, erfolgreich praktiziert wird.

Jubiläumsfeier in Ehestetten abgesagt

Die Jubiläumsfeier für das 25-jährige Bestehen war für Ende März im Haus der Lilie geplant und musste natürlich – wie alle anderen öffentlichen Veranstaltungen auch – abgesagt werden. Unter dem Dach der Gemeinschaft und getreu dem Slogan „Onser Alb, onser Korn – mei Brot, mei Bier“ bauen gegenwärtig 23 Landwirte auf der Reutlinger, Münsinger und Ehinger Alb Weizen, Roggen und Dinkel sowie Braugerste an. Für die Verarbeitung sorgt von Beginn an die Getreidemühle Luz aus Buttenhausen. Zehn allesamt familiengeführte Bäckereien beziehen von dort ihr gesamtes Mehl, das sie nach handwerklichen Grundsätzen zu hochwertigen Backwaren verarbeiten. Seit 2008 sitzt auch die Berg-Brauerei aus Ehingen mit im Boot als Abnehmer der Braugerste.

Initiator war der Eninger Bäckermeister Wolfgang Sautter, der nach dem Aus für die dortige Mühle nach Landwirten suchte, die bereit waren, das Korn für das von ihm benötigte Mehl zu erzeugen. Mit Erfolg. Und so fiel 1995 im Gomadinger Rathaus der Startschuss mit acht Landwirten, zwei Bäckern und der Getreidemühle Luz. Von Beginn an stand die lückenlose Kontrolle der Erzeugnisse im Fokus, um dem Verbraucher die größtmögliche Transparenz und Sicherheit zu bieten. Der Anbau gentechnisch veränderter Sorten ist nicht erlaubt, ein Verzicht auf Halmverkürzer ist genauso selbstverständlich, wie der geringstmögliche Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel und auch die Düngung der Felder mit Klärschlamm ist tabu. Charakteristisch ist der Blührandstreifen an der Stirnseite der Felder, auf dem die „Tübinger Mischung“ gedeiht – die Wildkräuter und Blumen bieten Insekten Nahrung und Lebensraum zugleich.

Strenge Richtlinien als Grundlage

Der Arbeit der Erzeugergemeinschaft liegen die Richtlinien des Qualitätszeichens Baden-Württemberg zugrunde, der Verband der Agrarwerblichen Wirtschaft sorgt für die Kontrollen. Angebaut werden Weizen, Roggen und Dinkel auf rund 300 Hektar Ackerfläche zwischen Weilersteußlingen und Trochtelfingen sowie Upfingen und Sonderbuch. Dazu kommt die für die Berg-Brauerei erzeugte Braugerste. Für die hochwertige Verarbeitung des Korns zum „Albkorn-Mehl“ bürgt die Getreidemühle Luz in Buttenhausen. Die zehn Bäckereien in der Gemeinschaft verarbeiten ausschließlich Albkorn-Mehl und garantieren ihren Kunden die Herstellung der Backwaren nach handwerklichen Kriterien. Weder Backmischungen noch vorgefertigte Teiglinge kommen zum Einsatz. „Die Entfernung zwischen Acker und Bäcker darf höchstens 50 Kilometer betragen“, verdeutlicht Michael Haug. Der Genkinger Bäckermeister, der den Familienbetrieb in vierter Generation führt, hat vor fünf Jahren das Amt des Sprechers von dem Gomadinger Bäckermeister und Albkorn-Mitbegründer Klaus-Dieter Glocker übernommen. Genau damit gelingt die regionale Wertschöpfung und die Albkorn-Erzeuger sowie -verarbeiter leisten durch kurze Transportwege einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Aber auch der regionale Arbeitsmarkt profitiert, denn allein die Bäckereien beschäftigen rund 200 Mitarbeiter.

In den vergangenen fünf Jahren haben sich keine großen Veränderungen in der Erzeugergemeinschaft ergeben, berichtet Haug im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir könnten sowohl zusätzliche Landwirte wie auch weitere Flächen gebrauchen“, unterstreicht er, „allerdings kommt nur ein organisches Wachstum in Frage“. Wichtig ist ihm die eng aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit. „Wir arbeiten auf Augenhöhe und jeder hat das gleiche Mitspracherecht“. Mindestens vier Mal jährlich treffen sich die Mitgliedsbetriebe, um sich untereinander auszutauschen und offene Frage zu besprechen.

Aktion „Brot und Bier“

Dabei geht es natürlich auch um die Auswahl der Sorten für den Anbau, die zudem in Abstimmung mit der Mühle erfolgt. Der gestiegenen Nachfrage nach Dinkelprodukten beispielsweise tragen die Albkorn-Landwirte durch die Vergrößerung der entsprechenden Anbauflächen Rechnung. „Vor besonderen Aktionen kommen wir natürlich noch öfter zusammen“. Als sehr erfolgreich habe sich die Aktion „Brot und Bier“ vor zwei Jahren in Genkingen oder die Teilnahme am Landwirtschaftlichen Hauptfest im vergangenen Herbst herausgestellt. „Wir haben uns einen Tag lang auf einer halben Standfläche präsentiert“, erinnert sich Haug.

Letztlich haben die Albkorn-Betriebe mit ihrem damaligen Schritt Weitsicht bewiesen, denn sie leben seit 25 Jahren genau die Regionalität, die heute von Verbrauchern geschätzt und der Politik gefordert wird.

Info Ausführliche Informationen zu den Grundsätzen und den Mitgliedern der Erzeugergemeinschaft Albkorn gibt es im Internet unter: www.albkorn.de