Region / Von Joachim Lenk  Uhr

Ein Hund, 104 Wanderer, 73 Kilometer Strecke, 1610 überwundene Höhenmeter, fünf Pausenstationen, mehrere Dutzend Blasen an den Füßen, mehr als 1000 geleerte Saft- und Wasserflaschen, 30 Helfer, sechs Streckenführer und ein Spendenaufkommen von 15 000 Euro für den guten Zweck. Das ist die Bilanz der zwölften 24-Stunden-Wanderung, veranstaltet vom Rotary Club Münsingen. Dieses Mal wurde der Burgenweg von Pfullingen durch das Lautertal nach Zwiefalten ausgesucht.

Startschuss war am Samstag um 10.12 Uhr bei den Pfullinger Hallen. Von dort aus ging die Mammuttour über den Skilift Traifelberg zum Gestütshof in Offenhausen. Gleich bei der ersten Etappe über knapp zwölf Kilometer ging es auf schmalen Wegen steil bergauf, vorbei an der „Pfullinger Unterhose“. Wenig später wurden die Wanderer, die aus ganz Baden-Württemberg, Hessen und sogar Schleswig-Holstein angereist waren, mit einem herrlichen Blick auf Schloss Lichtenstein und das Echaztal belohnt.

Nach einer Stunde Pause beim Skilift liefen die Wanderer entlang des Albtraufs über Waldwege und freie Strecken oberhalb von Kohlstetten Richtung Reithalle des Gestütshofs Offenhausen, wo Kaffee und Kuchen sowie leckerer Hefezopf gereicht wurden. Dort wechselten die ersten Durchgeschwitzten ihre Kleidung, die ihnen die Organisatoren vom ersten bis zum letzten Stopp transportiert und bereit gelegt hatten. Die Regenklamotten konnten in der Tasche bleiben. Abgesehen von ein paar Tropfen zwischendurch, blieb es die ganze Strecke über trocken.

Frisch gestärkt marschierten die Teilnehmer steil bergauf zum höchsten Punkt der Wanderung auf den Sternberg (840 m. ü. NN), wenig später bot sich den Wandersleuten eine nicht alltägliche Sicht auf das Haupt- und Landgestüt Marbach. Um 21.05 Uhr, zehn Minuten vor der Zeit, trafen sie auf dem Fladhof ein, wo das Abendessen wartete. Bei dieser Zwischenstation hatten die beiden mitgereisten Physiotherapeuten, im wahrsten Sinn des Wortes, alle Hände voll zu tun.

Um 22.15 Uhr ging es im Mondlicht und mit eingeschalteten Stirnlampen weiter. Für diesen vierten Streckenabschnitt hatten sich die Organisatoren etwas ganz Besonderes ausgedacht. Zum ersten Mal überhaupt in der langen Geschichte der alten Gemäuer illuminierten die Rotarier die Burgen in Hundersingen, Bichishausen und Hohengundelfingen. Ein Aha-Erlebnis, das keiner, der diesen einmaligen Anblick genießen durfte, so schnell vergessen wird. „Ein Doping-Mittel ohne Nebenwirkungen“, meinte eine völlig begeisterte Wanderin. Um einen noch besseren Blick auf die Ruine in Bichishausen werfen zu können, durften die Teilnehmer ein paar Hundert Meter auf der Landesstraße gehen, eskortiert von der Polizei.

Eine Stunde lang aufs Ohr

In Anhausen im Haus „Rubin im Tal“ angekommen, nutzten viele die Möglichkeit, sich eine Stunde lang im Freien auf einer Bierbank oder im Gebäude aufs Ohr zu hauen, bevor in der Stille der Nacht, vorbei an den Ruinen Schülzburg und Maisenburg, die Strecke nach Anhausen auf dem Programm stand. Kurz nach vier Uhr in der Früh sangen Rotkehlchen im Licht der aufgehenden Sonne, außerdem war das Plätschern der entlang des Weges verlaufenden Lauter zu hören.

Die letzte Etappe von Lauterach nach Zwiefalten war mit 13,4 Kilometern gleichzeitig auch die längste. Vorbei am Kloster Obermachtal und der Burgruine Rechtenstein waren durchweg alle Wanderer „sehr erleichtert“, in der Ferne die Türme des Zwiefalter Münsters zu sehen. Das gab noch einmal einen Schub in die Beine.

Die Uhr zeigte 9.55 Uhr, als immerhin noch 84 Wanderer, total erschöpft, aber überglücklich, unter vollem Geläut der Münsterglocken und den erstaunten Blicken der Kirchgänger in der Gemeinde eintrafen. Zu den Glücklichen gehörten Günter Tessmann (47 Jahre), der gebürtig aus Kohlstetten kommt und Werner Gamerdinger (59), Leiter des Kreisforstamtes in Münsingen. Beide waren bislang bei allen zwölf Wanderungen mit dabei. Ihnen macht es Spaß, einmal im Jahr „den inneren Schweinehund“ zu überwinden und dabei die Schönheit der Mittleren Alb hautnah genießen zu können. Der Lohn, am Ziel Weißwürste und ein kühles Bier zu bekommen, sei alle Strapazen wert gewesen, lachten sie übers ganze Gesicht. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern ging es dann wieder zurück nach Pfullingen mit dem Bus.

In den vergangenen Jahren kamen mehr als 100 000 Euro bei den Wanderungen für soziale Zwecke zusammen. Dieses Mal fließt das durch Startgelder und Spenden eingenommene Geld an die Projekte „Ein Dollar Brille – Hilfe für 150 Millionen Menschen“ und die Münsinger Alb Stiftung „Zeit für Menschen“.