Langsam wird der Platz knapp im Feuerwehrgerätehaus in der Wolfgartenstraße in Münsingen. „Manche Spinde mussten wir schon doppelt belegen“, erklärte Stadtbrandmeister Berthold Hofmann am vergangenen Samstagabend bei der Versammlung der Abteilung Stadtmitte der Freiwilligen Feuerwehr Münsingen. Der Personalanstieg speist sich aus zwei Quellen. Einerseits sind mit Karin Knupfer, Osman Kosut, Patrick Reutter, Morteza Bahador und Christopher Weng fünf Feuerwehrleute neu in die Münsinger Wehr eingetreten, zudem kamen aber auch mit Helmut Ruopp, Jürgen Dehn, Timo Kleinwächter, Franz, Thomas und Stefan Kley sowie Uwe Dürr insgesamt sieben Feuerwehrleute hinzu, die nach der Schließung der Abteilung Auingen im vergangenen Jahr zur Münsinger Kernstadtwehr wechselten. „Hut ab, dass ihr gekommen seid und so gut mitzieht“, lobte Stadtbrandmeister Hofmann die Auinger Kameraden.

Auch für den Nachwuchs scheint gut gesorgt zu sein. Neun Mitglieder stark ist derzeit die Jugendfeuerwehr, die im vergangenen Jahr gegründete Kinderfeuerwehr-Gruppe besteht derzeit aus 14 Kindern, die bei ihren Diensten spielerisch an die Feuerwehr herangeführt werden.

Auch wenn der Platz nun eng wird – der Münsinger Feuerwehr kommt der Personalzuwachs gerade recht, denn auch im vergangenen Jahr gab es wieder „einen Haufen Arbeit“ für die ehrenamtlichen Feuerwehrleute, die inzwischen auch von zwei hauptamtlichen Kräften unterstützt werden (wir berichteten kürzlich). Insgesamt gab es für die Münsinger Abteilung Stadtmitte im vergangenen Jahr 211 Einsätze, die sich in 22 Brandeinsätze, 152 Rettungs- und Rüsteinsätze sowie 22 Fehlalarme und 15 sonstige Einsätze aufgliedern.

Viele Verkehrsunfälle im Jahr 2019

Mittels einer Bilderschau blickte Stadtbrandmeister Hofmann auf das vergangene Jahr zurück, wobei auffallend viele Verkehrsunfälle die Münsinger Wehr forderten. „Aufgrund der immer besseren Bauweise der Fahrzeuge müssen wir immer seltener Personen aus den Unfallwagen herausschneiden“, berichtete Hofmann. Viel zu tun gibt es für die Wehr aber dennoch: So muss bei Verkehrsunfällen der Brandschutz sichergestellt werden, außerdem sind die Wehrleute bei der Bergung der Fahrzeuge unterstützend tätig. Immer häufiger unterstützen die Floriansjünger auch den Rettungsdienst. So rückt nach einer Änderung der Alarm- und Ausrückeordnung im Landkreis Reutlingen bei einem gemeldeten schweren Verkehrsunfall die Feuerwehr grundsätzlich mit einem Einsatzleitwagen und einem Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug aus, auch wenn keine Personen eingeklemmt sind. „Es hat sich immer wieder gezeigt, dass wir dabei nicht umsonst rausfahren“, schilderte Hofmann. So unterstützte die Wehr mehrfach die Erstversorgung der Verletzten, auch bei einer – schlussendlich vergeblichen – Reanimation war die Hilfe der Feuerwehr gefragt. Und auch die Polizeibeamten nahmen die Unterstützung durch die Wehr bei der Unfallaufnahme stets gerne an.

Während die Brandeinsätze im vergangenen Jahr oftmals im kleinen Rahmen blieben, kam es am 10. Juni in Magolsheim zu einem Großbrand eines Werkstattgebäudes und einer Scheune. Zusammen mit Kräften der Abteilungen Magolsheim und Böttingen gelang es der Münsinger Feuerwehr, zwei benachbarte Häuser und eine Scheune vor den Flammen zu bewahren, während das brennende Gebäude nicht mehr zu retten war. Weil dort auch mehrere Fahrzeuge und eine Photovoltaikanlage in Flammen aufgingen, summierte sich der Sachschaden auf mehr als 200 000 Euro.

Im August kam es dann innerhalb von drei Tagen zu zwei schweren Verkehrsunfällen: Zunächst war ein 66-Jähriger auf der Flucht vor der Polizei auf einen Waldweg gefahren. Dort verlor der Mann die Kontrolle über sein Fahrzeug, prallte gegen einen Baum und blieb mit seinem Auto in Schräglage zwischen den Bäumen hängen. Der 66-Jährige, der mehr als drei Promille Alkohol im Blut hatte, verletzte sich bei den Unfall nur leicht. Zwei Tage später kam es auf der Bundesstraße 465 zu einem Frontalzusammenstoß zweier Autos, wobei vier Verletzte anschließend in Krankenhäuser transportiert werden mussten.

Schneemassen auf den Dächern

Zu Beginn des Jahres 2019 hatte die Wehr indes mit den winterlichen Verhältnissen zu kämpfen: Erst war durch den Bodenfrost eine Wasserleitung in Römerstein gebrochen, weshalb die Münsinger Wehr mit ihrem Schlauchwagen zur Überlandhilfe eilte, um eine provisorische Trinkwasserversorgung nach Strohweiler aufzubauen. Der Einsatz machte bundesweit Schlagzeilen. Anschließend drohten mehrere Dächer in Münsingen unter der Schneelast nachzugeben, weshalb die Feuerwehrleute unter anderem eine Tankstelle von der weißen Pracht befreiten. Im Februar gab es ebenfalls einen spektakulären Verkehrsunfall, als eine 74-Jährige mit ihrem Mercedes nahezu ungebremst in die Lauter fuhr, wobei das Fahrzeug auf dem Dach im Flussbett liegen blieb. Ein Ersthelfer rettete die Fahrerin und ihren 77-jährigen Beifahrer aus der lebensbedrohlichen Situation, ehe der Rüstzug der Münsinger Wehr eintraf.

Neben den Einsätzen führte die Münsinger Wehr aber auch ein umfangreiches Ausbildungsprogramm durch. So erarbeiteten sich Marcel Fischer und Nico Wiedwald das Leistungsabzeichen in Bronze und absolvierten den Lehrgang zum Atemschutzgeräteträger. Linus Kugel absolvierte die Grundausbildung und den Sprechfunk-Lehrgang. Zu Drehleitermaschinisten ließen sich Marcel Dornbusch, Daniel Hofmann und Thomas Müller ausbilden, weitere Lehrgänge zur technischen Hilfeleistung und Türöffnungen wurden ebenfalls besucht. Des weiteren stellte die Münsinger Feuerwehr Ausbilder für die Grundausbildung und den Truppführer-Lehrgang auf Kreisebene. Für die Maschinisten der Löschfahrzeuge aus dem Landkreis wurde zudem eine Trainingsveranstaltung auf der Panzerringstraße in Zusammenarbeit mit Kreisbrandmeister Wolfram Auch organisiert.

Fast jeden Tag im Dienst

Auch Brandschutzerziehungen für die Münsinger Schulen, die Ausbildung von Brandschutzhelfern in Betrieben und die Unterstützung einer Ausbildung von Brandschutzbeauftragten standen auf dem Programm der aktiven Wehr. „Einsätze, Ausbildungen und Veranstaltungen ergaben ein Gesamtaufkommen von 340 Tagen für den Feuerwehrdienst“, zeigte Stadtbrandmeister Hofmann den großen Aufwand auf, den die ehrenamtlichen Retter im vergangenen Jahr an den Tag legten. Interkommunal war die Münsinger Wehr ebenfalls gefordert: Gemeinsame Einsatzübungen gab es mit den Freiwilligen Feuerwehren aus Mehrstetten und Feldstetten, außerdem gab es zwei Übungen mit den Feuerwehren aus Hohenstein und Trochtelfingen, mit welchen die Münsinger Wehr den interkommunalen Gefahrstoffzug II Alb bildet. Bei einem Industriebetrieb in Eglingen und in der Münsinger Straßenmeisterei wurden Einsätze mit gefährlichen Stoffen erprobt.

Großer Zulauf bei Kinderfeuerwehr

Zugleich wurden im vergangenen Jahr auch die Weichen für die Zukunft gestellt: So erhielt die Jugendfeuerwehr neue Dienstkleidung – die alte von 1999 war weder wetterfest noch zeitgemäß. Die Abteilung Böttingen erhielt im vergangenen Jahr ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug mit Löschwassertank. Auch die Beschaffung von modernen Digitalfunkgeräten und einer neuen Einsatzkleidung für die aktive Wehr wurde in Auftrag gegeben. Die Einsatzkleidung wird in Kürze an die Abteilung Stadtmitte ausgegeben. „Das sind keine Geschenke für die Feuerwehr, sondern notwendige Mittel, damit wir unsere Aufgaben auch in Zukunft erfüllen können“, betonte Hofmann.

Zukunftsweisend war auch die Gründung einer Kinderfeuerwehr-Gruppe, die am 23. Oktober – auf den Tag genau 20 Jahre nach der Münsinger Jugendfeuerwehr – aus der Taufe gehoben wurde. Nadja Schepper und Sabrina Metzger leiten die Kinderfeuerwehr, die prompt auf großes Interesse bei der Bevölkerung gestoßen war. „Den Kindern macht es Spaß, sie sind mit Begeisterung dabei“, freut sich Stadtbrandmeister Hofmann.

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