Ehrenfels 20 Kinder der Digelfeldschule übernachten im Schloss Ehrenfels

Feierlicher Eintrag ins Gästebuch als erste Schulklasse mit einer Übernachtung im Schloss Ehrenfels.
Feierlicher Eintrag ins Gästebuch als erste Schulklasse mit einer Übernachtung im Schloss Ehrenfels. © Foto: Heinz Thumm
Hayingen / Heinz Thumm 05.07.2018

Unter dem Motto: „Leben ohne Strom und Wasser – wie vor 150 Jahren“ haben 20 Kinder der vierten Klasse der Digelfeldschule Hayingen einen ganz besonderen Aufenthalt im Schloss Ehrenfels erlebt. Auf Einladung von Baronin Nicoletta von Saint-André konnten sie das Schloss besichtigen, viele Details erfragen und dann im Winterwohnzimmer übernachten.

Mit dem Satz „Schloss Ehrenfels öffnet die Türen“ startete eine neue Tradition in den historischen Gemäuern von Schloss Ehrenfels. Damit die Kinder eigene Erfahrungen sammeln und Geschichte hautnah erleben konnten, führte die Stiftungsvorsitzende durch das Schloss und stellte sich den vielen Fragern. Und das Ergebnis zeigen die gesammelten Aussagen der Kinder: „So groß habe ich mir das alles nicht vorgestellt – ich war der Meinung, dass da alles am Zusammenbrechen ist, jetzt habe ich gesehen, dass da große Räume sind – die Petroleumlampen verbreiteten einen eigenartigen Geruch – die Baronin war so nett und ließ uns in alle Zimmer schauen, das war ganz cool.“

Spannend waren auch viele Gegenstände, die Nicoletta von Saint-André den Kindern erklärte: Ein Waschbeutel mit Geheimfach, Ahlen zum Festziehen des Mieders und vieles mehr. Groß war die Freude, als die Kinder sich voller Stolz mit einem Federkielstift ins Gästebuch eintragen durften.

Ehrenfels wurde eigentlich als Speisekammer für das Kloster Zwiefalten erbaut, entsprechend groß wurde auch der Keller ausgelegt. Er weist eine Länge von 66 Metern und eine Breite von zwölf Metern auf. Bei der Besichtigung wurden die Unterschiede zu heutigen privaten Kellerräumen aufgearbeitet und auch die heutigen Einkaufsmöglichkeiten angesprochen. Der vorhandene Lehmboden und die Belüftungsmöglichkeiten des Kellers beeindruckten die Kinder sehr.

Auf einem Foto war Baron Roland von Saint-André abgebildet, wie er mit einem Moped den Gang im Erdgeschoss befuhr auf dem Weg zur Toilette. Von da an fuhren die Kinder abwechselnd pausenlos auf einem Fahrrad den Gang auf und ab und hatten daran die größte Freude. Das Abholen von Wasser aus dem Hasenbach unterhalb vom Schloss war dann schließlich doch nicht so ganz einfach. Mit Blecheimern waren die Kinder an den Bach gerannt, doch bereits die ersten Versuche führten zu einer starken Verschmutzung des Wassers. Ausnahmsweise konnte das Wasser dann vom Brunnen im Park geholt werden.

Auf Beratung von Daniel Tress von der Tress-Gastronomie wurden typische Gerichte aus der damaligen Zeit, und ebensolche  Getränke angeboten. Den Kindern schmeckten die Speisen fast ausnahmslos und sie langten kräftig zu.

Weihbischof kommt

Am Abend besuchte Weihbischof Thomas Maria Renz aus Rottenburg Ehrenfels. Er gab den Kindern Informationen aus der Geschichte der Klöster und Mönche, berichtete auch über die verschiedenen Kulturen und den Tagesablauf für die Mönche. Bei einer Fragerunde musste der Bischof viele Auskünfte über die Zeit vom Mittelalter bis heute geben.

Vor der Nachtruhe folgte dann noch eine Nachtwanderung ins Glastal. Ausgerüstet mit einigen Fackeln wanderten die Kinder unter dem Sternenhimmel und genossen die abgekühlten Temperaturen. Kurz vor Mitternacht erklang dann ein letztes Klimpern auf dem Flügel in Winterwohnzimmer, dann war endgültig Nachtruhe.

Gegen 6.30 Uhr kam dann wieder die erste Unruhe auf und als Morgengruß klimperten wieder einige Schüler auf dem Flügel. Es dauerte dann doch noch bis 8 Uhr zum Frühstück. Anfangs herrschte dabei doch einige Skepsis zum angebotenen „Schwarzen Brei“. Mit Früchtemarmelade gemischt, griffen aber die meisten Kinder wieder zu und ließen sich das ungewöhnliche Mus schmecken.

Dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen. Mit herzlichen Dankesworten verabschiedeten sich Schüler und Lehrer und machten sich voller Eindrücke direkt auf den Weg nach Zwiefalten-Baach zur Besichtigung des Bauernhofs der Familie Burgmayer.

Und so sah der Speiseplan aus

Abendessen: Wildschweinbraten vom offenen Feuer mit Kartoffeln und Gemüse, dazu Stockbrot aus Emmermehl, Apfel-Kratzer.
Frühstück: Schwarzer Brei aus Dinkelmusmehl mit Früchtemarmelade, Brot mit Butter und Marmelade.
Getränke: Wasser, Apfelsaft, Kräutertee, Kinderbier.

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