Fast 200 Besucher waren zu diesem Benefizkonzert zugunsten der Stephanuskirche Gruorn in die Alenberghalle gekommen, und sie bekamen konzertante Blasmusik vom Feinsten präsentiert.

Rund 50 junge Musiker im Alter zwischen 16 und 27 Jahren sowie einige erfahrene Musiker als Aushilfe begeisterten unter der souveränen Leitung von Arno Hermann mit einem abwechslungsreichen Programm, das das umfangreiche Können und das hohe Niveau dieses Orchesters eindrucksvoll vor Augen und zu Ohren führte.

Die Akteure gehören den insgesamt 89 Musikvereinen aus den Landkreisen Reutlingen und Tübingen an, die mit 6.200 aktiven Mitgliedern – davon rund 2.500 unter 18 Jahren – zum Blasmusikverband Neckar-Alb zusammengeschlossen sind.  Verbandvorsitzender Helmut Vöhringer zeigte sich stolz angesichts der Leistung, die in Münsingen höchst überzeugend abgeliefert wurde.

Trotz stressigem Alltag sind die Jungen aktiv

„Alle sind in Schule und Beruf eingespannt und in ihren Musikvereinen aktiv. Sie haben mindestens den D2-Lehrgang absolviert, treffen sich in der Regel einmal im Monat zur Probe und haben ungefähr vier Auftritte im Jahr“, erklärte er im Gespräch.

1987 wurde die Bläserjugend im Verband gegründet, mittlerweile hat sie schon mehrfach bei hochwertigen Wettstreiten ihre Klasse unter Beweis gestellt.

Seit 2007 leitet Arno Hermann dieses Auswahlorchester und etablierte es in der Höchststufe. Davon konnte sich das Publikum am Samstag überzeugen.

Den Konzertauftakt meisterten die jungen Akteure bravourös mit dem strahlenden Werk „Flashing Winds“ von Jan van der Roost, das farbenreich und effektvoll instrumentiert in flottem Tempo dargeboten wurde.

Mit „The Ghost Ship“ von José Alberto Pina setzte das Jugendorchester frühzeitig einen ersten Konzerthöhepunkt. Es intonierte diese Komposition voller Energie, Mysterium, Dramatik und Intensität und führte das Publikum musikalisch durch die Kabinen des berühmten Geisterschiffs.

Auch die erweiterte symphonische Rhapsodie „Armenian Dances Part 1“ von Alfred Reed wurde in exzellenter Technik und mit viel Gefühl dargeboten. Diese vierteilige Suite baut auf fünf verschiedene armenische Volkslieder auf und wurde vom Verbandsjugendblasorchester ausdrucksstark zu Gehör gebracht.

Nach dem malerischen Beginn gingen die lebendigen Rhythmen mit vielen Verzierungen in eine einfache, filigrane Melodie über und endeten schließlich tänzerisch, lustig und unbeschwert. Wie groß das Repertoire der musikalischen Jugend ist, zeigte sich im zweiten Teil des Konzertes, das mit Soul, Blues, Rock und Jazz das Publikum mitriss und begeisterte.

So wurde das bekannte „Soul Bossanova“ von Quincy Jones als hörenswertes Arrangement von Toshihiko Sahashi höchst originell und schwungvoll inszeniert, während „The Blues Factory“ von Jacob de Haan mit unwiderstehlich langsamem und authentischem Blues begann und schließlich im jazzigen Rockstil zum grandiosen Gipfel geführt wurde.

Bekannte Klassiker wie „Childs Anthem“, „Africa“, „I Will Remember“ und „Rosanna“ von der Band „Toto“ rissen das Publikum mit und auch das Medley „Jackson 5“ sorgte für Begeisterung.

Untypische Stilrichtungen toll inszeniert

Funkstil ist in der traditionellen Blasmusikszene zwar eher untypisch und wird nur äußerst
selten eingespielt, dennoch konnten die jungen Musiker mit „Funk Attack“ von Otto M. Schwarz ihrem Konzert einen innovativen und modernen Schlusspunkt
geben, wobei insbesondere die Akteure an den Drums dieser
tollen Komposition die Krone aufsetzten.

„Das ist Blasmusik wie ich sie liebe“, freute sich Alfred Weber, Vorsitzender des Komitees zur Erhaltung der Stephanuskirche
in Gruorn. Er dankte dem Verbandsjugendorchester für dieses grandiose Benefizkonzert und Helmut Hofmann von der Stadtkapelle Münsingen, dass sie
dieses überhaupt erst möglich gemacht hatte.

Das könnte dich auch interessieren:

Bläserseniorentreffen Neckar-Alb Märsche, Polkas und Walzer mit viel Temperament

Steinhilben