Münsingen 1067 Personen lassen sich als Spender typisieren

Münsingen / Heike Feuchter 23.07.2018

Das Schicksal des jungen Gymnasiasten aus Münsingen berührte in den letzten Wochen unzählige Menschen. Der an Blutkrebs erkrankte Junge benötigt eine Stammzellspende, um die Krankheit zu besiegen (wir berichteten ausführlich).

Über soziale Medien, Presseorgane, Flugblätter und Radiosender wurde zur Typisierungsaktion aufgerufen. Initiatoren der Aktion vor Ort waren die Hungerberghexen, die die Kampagne in Kooperation mit der DKMS und  unter Schirmherrschaft von Bürgermeister Mike Münzing und Ex-Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug durchführten.

Und das Ergebnis überwältigte alle Beteiligten und zeigte die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung beeindruckend auf: 1067 Personen ließen sich am Sonntag als Spender typisieren. Hinzu kam die phantastische Spendensumme von 15 657 Euro in bar und über das EC-Portal: „Mit so einer enormen Hilfsbereitschaft hätte keiner von uns gerechnet.  Die Aktion war rundum gelungen und erfolgreich und wir  können  über alle Maßen zufrieden ins Bett gehen,“ sagte der erfreute Hexenmeister Winfried Leichtle am  Abend. Zusammen mit allen Spenden im Vorfeld befinden sich nun rund 24 000 Euro auf dem Spendenkonto für Lukas.

Um den Ansturm der potentiellen Spender zu bewältigen, waren die Hexen mit insgesamt 80 aktiven Mitarbeitern und einem Pool aus den Reihen des Hexennachwuchses vor Ort. Am Vormittag wurden Halle und Foyer vorbereitet, um das Procedere reibungslos über die Bühne gehen zu lassen, dann folgte die Einweisung durch die DKMS-Mitarbeiterin Maria Anasantidou, die am Nachmittag noch Verstärkung durch ihre Kollegin Miriam Hernandez-Blazquez erhielt. An 40 Arbeitsplätzen erwarteten die Hungerberghexen die Spender, nahmen deren Daten auf und leiteten zum Abstrich der Wangenschleimhaut an. Diesen durfte jeder Typisierungswillige selbst durchführen, damit ging es dann weiter zur Zwischen- und Endkontrolle.

Durch die gute Organisation war das ganze Procedere für die meisten ohne lange Wartezeiten  schon nach  wenigen Minuten vorbei- und sollten doch Fragen oder Zweifel aufkommen, konnten die Hexen die „rote Karte“ ziehen. Auf dieses Zeichen hin flitzten die DKMS-Profis heran und standen Rede und Antwort.  Neben einem vorläufigen Spendenausweis erhielten die Besucher im Foyer weitere Präsente. Die Junghexen hatten viele rote „Dankeschön“ Herzen gebastelt, die sie mit Feuereifer gemeinsam mit einer Packung Tress-Spätzle an alle Spender aushändigten.

Die Spätzle waren eine Sponsor-Leistung des Münsinger Teigwarenherstellers, der damit die Aktion ebenso unterstützte wie weitere Betriebe aus Stadt und Region. Die  Genkinger GmbH  sponserte für jeden ihrer Mitarbeiter die Typisierungskosten,  die im Verkauf angebotenen Getränke wurden von Berg- Bier, Romina und Quenzy-Getränkehandel gespendet und das Café Moritz stellte eine komplett  bestückte Eistruhe zur Verfügung.

Hoffnungsfrohe Stimmung

Und das Verköstigungsangebot wurde  gerne angenommen. Immer wieder füllten sich Bänke und Tische vor der Halle, ließen sich die Besucher zum schnabulieren und plaudern  nieder und transportierten so die gelöste und hoffnungsfrohe Stimmung aus der Halle nach außen. Der Erlös aller Verkäufe, inklusive derer aus dem Kaffee- und Kuchenverkauf aus Hexenreihen, fließen ebenfalls noch auf das Spendenkonto der Aktion.

Das Geld  wird für die Untersuchung der Proben benötigt, denn es fallen pro Typisierung 35 Euro an Kosten an und die DKMS ist als gemeinnütziger Verein auf Spenden angewiesen: „Die Proben gehen nun zur Auswertung ins Labor und werden nach Abschluss der Untersuchung in ein zentrales und weltweit zugängliches Datensystem eingespeist“, erklärte die DKMS-Mitarbeiterin. So kann  es also geschehen, dass ein Münsinger Typisierungskandidat eines Tages angeschrieben und um Hilfe gebeten wird.

Dass dabei ein Spender für Lukas  gefunden wird, wäre natürlich der Wunschtraum aller  Mitarbeiter der Initiativgruppe, unter denen sich auch Lukas´ Vater Igino befand. Stunde um Stunde tat er Dienst am Datenerfassungstisch.

Lukas selbst durfte aus Sicherheitsgründen nicht bei seiner  Aktion vorbeischauen. Er ist zwar seit wenigen Tagen vorläufig aus dem Krankenhaus entlassen worden, aber nach Chemotherapie und durchlaufener Infektion ist das Risiko einer Ansteckung in einer großen Menschenmenge zu hoch. Dafür war Tobias Franzke, dessen Schicksal  vor  neun Jahren die erste Typisierungswelle in Münsingen auslöste, und  der ein Jahr später erfolgreich eine Transplantation erhielt, vor Ort. Er half aus,  wo Not am Mann war und stand als Ansprechpartner für viele Fragen der potentiellen Spender zur Verfügung. Und seine Eltern Sabine und Manfred sorgten mit 200 belegten Brötchen für das leibliche Wohl der Helferschar.

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