Mit nur einer Zugabe kamen die zehn Musiker der Salonkapelle nicht davon. Radetzky-­Marsch von Johann Strauß (Vater) und Champagnergalopp von Hans Christian Lumbye ließen dabei schon einmal erahnen, dass es nicht mehr lang hin ist bis zum neuen Jahr. Der Musikzirkus wurde bei den Salonmusikern diesmal mit Julius Fucíks heute auch gern als Clownsmusik verwendeten Marsch „Einzug der Gladiatoren“ eröffnet. Dem schloss sich mit Charles Gounods „Faust-Walzer“ ein schwelgerisch beschwingter Tanz an. Der großen Melodiegeste wurde klangliche Weite eingeräumt.

Johannes Brahms’ sechster „Ungarischer Tanz“ wurde zu einem Wechsel zwischen tänzelndem Tönefluss und sehnsüchtigem Innehalten. Kurt Weills „Ballade vom angenehmen Leben“ aus der „Dreigroschenoper“ erwies sich darauf nicht einmal so spröde wie erwartet. Eckart Baier und Csilla Haag verliehen ihr mit ihrem Violinspiel klanglichen Schmelz. Weich getönt und mit viel Eleganz gespielt war später auch Leroy Andersons Walzer „Bell of the Ball“ zu hören. Flötistin Leona Rötzsch und Schlagzeuger Florian Friederich auf dem Glockenspiel brachten auch silbrige Klänge mit ein. Zuvor hatte Friederich sein großes Solo zu Andersons „Syncopated Clock“.

Ebenfalls mit Witz und weitaus schwungvoller wurden Eric Plessows „Roter Teufel“ und Mihály Erdélyis Puszta-Foxtrott „A dorzsmai szélmalom“ vorgetragen, Letzterer mit schönen Wechseln zwischen den drei Streichern und den von Martina Ebert und Bernhard Hubner gespielten Saxofonen. Ein wenig selbstvergessen heiter und klang­lich sehr harmonisch abgestimmt klang Gerhard Winklers „Der kleine Postillon“ herüber.

Der von Stehgeiger Eckart Baier als „Zirkusdirektor der Salonkapelle“ bezeichnete Jörg Baier stellte vor allem im zweiten Konzertteil sein Violoncello des Öfteren zur Seite und griff zum Gesangsmikrofon. Erwin Lehns herrlich unsinnigen Schlager „Gib mir einen Kuss durchs Telefon“ wie Peter Igelhoffs pointiertes „Ich bring dich um die Ecke“ (zum Autobus) wusste Baier ebenso verschmitzt zu singen wie Fred Raymonds „Ich hab das Fräulein Helen baden sehn“.

Schön kitschig klang Gerhard Winklers „So wird’s nie wieder sein“, das Motto des Konzerts, zum Glück weniger sentimental und im Refrain von allen Salonkapellenmitgliedern mitgesungen Peter Kreuders „Goodbye Johnny“. Der Salonkapellenchor bereicherte vorher schon Rudi Schurickes „Das blonde Käthchen“.

Sehr entschieden ging Baier Peter Kreuders „Was du mir erzählt hast von Liebe und Treu: alles Lüge“ an. Sinisa Ljubojevic bot es Gelegenheit für ein Akkordeonsolo – wie später zu Jack Morrows „Percolator“. Da duettierte Pianist Tilman Hartig dann auf der E-Gitarre mit Bernhard Hubner auf dem Tenorsaxofon, was Jörg Baier zur Feststellung führte: „Die Salonkapelle ‚Sternen­glanz‘ kann auch Rock ‘n‘ Roll!“