Bempflingen Zuschlag für den kleineren Anbieter

Die Reutlinger Fair Energie wird von Januar 2013 an das Stromnetz in Bempflingen betreiben. Foto: Archiv
Die Reutlinger Fair Energie wird von Januar 2013 an das Stromnetz in Bempflingen betreiben. Foto: Archiv
Bempflingen / CHRISTINA HÖLZ 04.07.2012
Geheime Abstimmung, knappe Mehrheit. Die Überraschung ist perfekt: Als eine der ersten Gemeinden in der Region wird Bempflingen einen Stromkonzessionsvertrag mit der Reutlinger Fair Energie abschließen.

Obs ein Sonderweg ist, wird sich noch zeigen - spätestens, wenn Nachbargemeinden wie Riederich und Neckartenzlingen über die Zukunft ihrer Stromversorgung abgestimmt haben. Einen neuen Weg beschreitet die Gemeinde Bempflingen aber auf jeden Fall: Netzbetreiber im Ort wird von Januar 2013 an nicht mehr die EnBW Regional sein - sondern die Reutlinger Fair Energie, eine Tochter der Stadtwerke Reutlingen GmbH (Holding).

Die Neuregelung des Strommarktes machts möglich: Zum 31. Dezember diesen Jahres läuft der bestehende Stromkonzessionsvertrag mit der EnBW aus - der Gemeinderat konnte so in seiner jüngsten Sitzung dem regionalen Stromanbieter aus dem Nachbarlandkreis den Vorzug geben.

Mit der Reutlinger Fair Energie hatten sich die Stadtwerke Nürtingen und weiterhin die EnBW Regional um die Konzession in Bempflingen beworben - und sich auch bei einer Klausursitzung des Rates vorgestellt. Das Votum war denn auch eine äußert knappe Sache: Auf Antrag von Michael Kubel (SPD/UB) sollte geheim abgestimmt werden. Bei einem offenen Votum sehe er die Gefahr, dass Emotionen im Spiel seien. Für ein gerechtes Ergebnis sei aber Objektivität geboten.

Hans Reitermayer (FWV) indes plädierte für eine offene Abstimmung, um rechtliche Probleme von vornherein auszuschließen. Die Mehrheit sah dies anders - und auch mit ihrem Favoriten setzt sich die SPD/UB durch: Fraktionsprecherin Eva Voß war es auch, die sich eindeutig für das Reutlinger Unternehmen aussprach. Dieses habe von Anfang an ein "kommunalfreundliches Angebot" vorgelegt, während die EnBW ihr Angebot auf Drängen der Bempflinger ergänzen musste. Die Verantwortung für das Leitungsnetz sah sie nach entsprechenden Erfahrungen mit "Cross Border Leasing" in einem nicht ganz so großen Unternehmen besser aufgehoben. Wichtig sei zudem die Option, irgendwann in Zukunft gemeinsam mit einem leistungsfähigen Stadtwerk eine Netzgesellschaft zu gründen, die sämtliche Versorgungsnetze betreibt. Die Fair Energie sei als derzeitiger Betreiber des Gasnetzes eine interessante Alternative, so Voß.

Hans Reitermayer sprach sich derweil für die EnBW aus, die mit ihrer Netzstelle in Neckartenzlingen und Personal in der Nähe einen Vorteil bieten könne. "Ich sehe keinen Grund, die Zusammenarbeit zu beenden", so der FWV-Mann.

Mit einer knappen Mehrheit von acht Ja- und sieben Nein-Stimmen erhielten die Reutlinger schließlich den Zuschlag. Ein Gemeinderat hatte sich für befangen erklärt.

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