Erkenbrechtsweiler / Michael Koch

Bei künftigen Besuchen wird sie wohl symbolisch den Stand einer Kelternfürstin innehaben. Petra Olschowski, in ihrer Funktion als Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg Projektleiterin für das landesweite Keltenkonzept, hatte bei ihrem gestrigen Besuch in Erkenbrechtsweiler frohe Kunde im Gepäck. „Das Land wird die Gemeinde bei der Umsetzung ihres Konzeptes für den Heidengraben unterstützen“, fasste sie in aller Kürze zusammen. Unterm Strich bedeutet dies eine millionenschwere Zusage, für die sich die Gemeinden Hülben, Grabenstetten und Erkenbrechtsweiler über Jahre ins Zeug gelegt hatten.

Das Land sagt Förderung des Erlebnisfeldes Heidengraben zu, über die Höhe wird noch zu sprechen sein.

Genau dieses Engagement könnte den Ausschlag gegeben haben. Die Landesregierung hatte am 8. Januar ein Keltenkonzept beschlossen (wir haben berichtet), in dem 16 historisch wichtige Kelten-Standorte im Land miteinander gefördert und vernetzt werden sollen. Zentrum dieses Netzwerkes soll die Heuneburg im Landkreis Sigmaringen werden. Aber schon auf Rang zwei dieser Hierarchie folgt der Heidengraben, denn „nirgends sonst ist man mit den Plänen so weit wie hier“, sagte Olschowski. „Der Heidengraben wird ein Pilotprojekt innerhalb des Gesamtkonzeptes und wird als erstes weiterentwickelt werden.“

Zukunftsorientierte Pläne

Die Staatssekretärin kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Als „absolut beispielhaft“ bezeichnete sie die interkommunale Zusammenarbeit, sprach von „begeisternden Plänen, die sehr sehr gut durchdacht und zukunftsorientiert“ seien. Dieses Projekt werde die Menschen, Besucher wie Einheimische gleichermaßen, ansprechen. Ganz besonders lobte sie aber die Handelnden vor Ort. Bürgermeister, Gemeinderäte, Landkreise und sogar Regierungspräsidien hätten grenzübergreifend zusammengearbeitet, „durch solch wegweisende Kooperationen steigen bei uns natürlich die Chancen auf eine entsprechende Förderung“, gab Olschowski einen Tipp an andere Projektplaner weiter. Und letztlich, so schloss die Staatssekretärin, sei der Heidengraben auch deshalb zum Zuge gekommen, weil er eine Herzensangelegenheit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann sei, seit dieser sich im Rahmen seiner Sommertour persönlich ein Bild des Flächendenkmals gemacht hatte.

Was freilich noch immer fehlt, ist eine Zahl zur tatsächlichen Fördersumme. Die ist zum einen abhängig vom finanziellen Engagement der beteiligten Kommunen vor Ort, zum anderen von den Möglichkeiten, noch weitere Fördertöpfe oder Sponsoren anzuzapfen. Im Rahmen der nächsten Haushaltsberatungen müsse über eine konkrete Summe gesprochen werden, sagte Olschowski, Zweifel an einer Realisierung möchte sie aber nicht mehr aufkommen lassen.

Konzeption mit großen Realitätssinn

Großes Lob ging von allen Seiten an die Verantwortlichen vor Ort. Zum Beispiel dankte Regierungspräsident Klaus Tappeser dafür, „dass drei kleine Gemeinden sich zusammen getan haben und sagen: dieses Projekt ist unsere Zukunft“. Er ist sich sicher, dass auf der Schwäbischen Alb am Heidengraben „eine tolle Sache“ entstehen wird.

Die gute Konzeption und den großen Realitätssinn stellte auch Landrat Heinz Eininger in den Vordergrund. Er mahnte freilich auch an, dass „eine Idee nicht die Arbeit ersetzt“. Sprich: Jetzt geht es mit den Vorbereitungen richtig straff weiter. Ein Aufstellungsbeschluss für den Flächennutzungsplan am geplanten Gelände am Burrenhof ist gefasst, naturschutzrechtliche Belange sind bereits geklärt und genehmigt, dennoch gelte es Fragen wie die Verkehrsanbindung (am Burrenhof soll ein Kreisverkehr gebaut werden) und den Anschluss ans Abwassernetz noch zu klären. Zudem brauche es Überlegungen, wie die touristischen Ziele in der Region (Hohenneuffen, Freilichtmuseum, Bäderlandschaft) mit dem neuen Erlebnisfeld verbunden werden könnten.

„So viel Lob in geballter Form haben wir noch nie gehört“, sagte Bürgermeister Siegmund Ganser auch stellvertretend für seine Amtskollegen Roland Deh und Roman Weiß. „Es freut uns natürlich sehr, dass unsere Bemühungen und Investitionen zum Erfolg führen.“

Initiiert hatte die gestrige Gesprächsrunde Andreas Schwarz, seines Zeichens Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag und Abgeordneter des Wahlkreises Nürtingen. „Das kulturelle Angebot ist heutzutage ein harter Standortfaktor, auch auf der Suche nach Fachkräften. Wenn hier gezeigt wird, wie Kulturgeschichte in Zeiten der Digitalisierung präsentiert werden kann, dann ist das nicht nur ein ‚Nice to have’, sondern auch eine Strukturförderung für den ländlichen Raum.“

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Was ist das Erlebnisfeld Heidengraben?

Neben den keltischen Grabhügeln am Burrenhof, der Verkehrskreuzung zwischen Hülben, Grabenstetten und Erkenbrechtsweiler, soll als Touristenattraktion eine Destination geschaffen werden, in der die einzigartige Historie des Ortes mit dem größten Oppidum Europas einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich gemacht wird.

Architektonisch in die Landschaft eingebettet soll ein großes Rundpanorama mit Bistro, Bar und Außenterrasse entstehen. Die kulturhistorische Einmaligkeit wird mit modernster Technik in zeitgemäßer Art und Weise dargestellt.

Einen Überblick über das 17 Quadratkilometer große Flächendenkmal soll man von einem Aussichtsturm erhalten. Das Erlebnisfeld wird zudem über einen interaktiven Erlebnispfad mit den drei umliegenden Gemeinden verbunden.

Die Kosten für den Erlebnisfeld werden mit 5 Millionen Euro veranschlagt, kalkuliert wird mit 35 000 Besuchern pro Jahr.