Wie ein bestätigendes Zeichen vom Himmel für die richtige Entscheidung der Organisatoren zur Verlegung des traditionellen Treffens der „Apis“ vom Jusi in die Neuffener Martinskirche wirkten starker Platzregen, kurzer Donnerschlag und heller Blitz unmittelbar am Ende des Gottesdienstes.

 Zumindest konnte niemand die Kirche verlassen ohne gründlich nass zu werden. Barfuß liefen manche zum Auto während andere die Wartezeit in der Kirche für Gespräche nutzten, bevor sie ins Gemeindehaus gingen um dort gemeinsam zu essen.

 Zwar waren die Gottesdienstteilnehmer teilweise andere als bei einem Treffen unter freiem Himmel auf dem Jusi, aber für viele von ihnen war das Wetter Anlass zur Freude. „Schön, dass es in der Kirche ist, auf den Berg hätte ich es nicht mehr wie früher geschafft“, sagten manche, die nicht mehr so gut zu Fuß sind wie in jungen Jahren, aber die Gemeinschaft nicht missen wollten.

Zudem kamen natürlich Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Neuffen zu ihrem Sonntagsgottesdienst und mancher Familienausflug auf den Jusi fiel buchstäblich ins Wasser. „Mit kleinen Kindern in der Kirche ist es schwieriger als beim Gottesdienst in der Natur“, erklärte eine Mutter, die allein kam während ihr Mann daheim auf die Kleinen aufpasste, die sich schon auf den Ausflug gefreut hatten.

 Auffallend war, dass ungewöhnlich viele junge Menschen am Gottesdienst in der Kirche teilnahmen. Auf dem Jusi ist das nicht ungewöhnlich, aber in der Kirche nicht unbedingt alltäglich. Ein Grund dafür war, dass „Apis“ und das evangelische Jugendwerk Bezirk Nürtingen (EJBN) das Jusitreffen gemeinsam organisierten und die Aussendung der ehrenamtlichen Betreuer für die Sommerfreizeiten vom EJBN damit verbunden hatten.

 Das Wetter war aber nicht der Grund, warum Michael Karwounopoulos, Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Bad Urach-Münsingen, der in seiner Zeit als Pfarrer in Wolfschlugen auch Jugendpfarrer des Dekanats Nürtingen war, zum Thema „trotz allem leben wir“ predigte und nachmittags unter dem Motto „trotz allem hoffen wir“ über das Beispiel des Propheten Elia sprach, dem sich in hoffnungsloser Lage neue Wege eröffneten. Beides gehörte zum Thema des 97. Jusitreffens „ganz bei Trost“ und sollte bewusst machen, dass auch in schwierigsten Situationen niemand tiefer als in Gottes Hand fallen kann.

 Mitglieder des EJBN hatten sich zu „trotz allem leben wir“ einprägsame gespielte Szenen einfallen lassen, die zeigten, dass vieles, was Menschen priorisieren, gar nicht wichtig beziehungsweise reichlich trostlos ist – wie Zeitmangel oder „Shoppingtouren“, die viel Geld kosten, mit denen aber nicht die „Fülle des Lebens“, von der Jesus spricht, gemeint ist. Der Theologe Karwounopoulos gab ein Beispiel für einen bildlichen Vergleich von Sensationslust und Glauben. Die einen  brauchen einen teuren Bungeesprung als Erlebniskick und lassen sich dabei tief fallen um am Seil wieder nach oben gezogen werden, die anderen vertrauen auf Gott, der sie in der Not hält und suchen nicht die irdische Herausforderung dafür.

„Leben in Fülle ist nicht das vollkommene Glück, heißt nicht, dass alle Wünsche erfüllt werden“, so Karwounopoulos. Vielmehr bedeute es Ja zu sagen, „was Gott mit mir vorhat.“

Dazu gehört auch die Hoffnung auf neue Wege, die Gott weist, wie er im am Nachmittag erklärte. Das könne wie bei Elia vom Berg Horeb genauso sein wie bei Menschen vom Jusi und in den Gemeinden. Und dem kann niemand widersprechen, denn niemand musste traurig sein, dass das Jusitreffen auf dem Berg ins Wasser fiel – denn der Weg führte in die Kirche, sozusagen zurück zu den Wurzeln.