Metzingen Zarter als der Stich des Schmetterlings

Karin Haußmann spendet zunächst und verstärkt danach das Helferteam.
Karin Haußmann spendet zunächst und verstärkt danach das Helferteam. © Foto: Nicole Wieden
Metzingen / Nicole Wieden 14.08.2018
Das DRK hat im neuapostolischen Gemeindehaus eine Blutspendeaktion veranstaltet. Die Zahl der Spender ist zurückgegangen.

Der Anblick einer Nadel löst in Alina Merz höchstes Unbehagen aus. Wenn die junge Frau beim Hausarzt eine Impfung bekommen soll, wird bei ihr aus diesem Grund die besonders kleine Schmetterlingsnadel angesetzt. Doch trotz ihrer Nervosität sitzt Merz nun freiwillig in der umgestalteten neuapostolischen Kirche und wartet auf das Vorgespräch mit dem Arzt, um anschließend ihr Blut zu spenden. Etwas fahrig streicht sie ihre Haare hinter die Ohren und gibt dabei dennoch mit fester Stimme zu verstehen: „Es ist hier wesentlich angenehmer als beim Arzt. Obwohl die Nadel so groß aussieht.“ Dass der Einstich während der Blutspende als weniger unangenehm empfunden wird, ist auf den bikonkaven Schliff der Nadel zurückzuführen. Sie gleitet im richtigen Winkel sanft unter die Haut. Außerdem hat die Schwester nur einen Versuch – und jede Spende ist kostbar. Sie wird den Stich also äußerst Präzise ausführen.

Alina Merz gehört zu den rund hundert Spendern, die am Freitag das Gemeindehaus aufgesucht haben: „Wir orientieren uns an Erfahrungswerten und haben etwa 180 Konserven mitgebracht“, erklärt der Außendienstler des DRK-Blutspendedienst Daniel Schnell. Schon am Nachmittag zeichnet sich allerdings ab, dass die Spendebereitschaft bei weitem nicht so groß ist wie im vergangenen Jahr; mit etwa hundert wird nun gerechnet.

Darüber, welche Faktoren zu einer erhöhten oder eben niedrigeren Spendebereitschaft führen, lässt sich nur mutmaßen. Unweigerlich zu kämpfen hat das DRK allerdings jedes Jahr an Pfingsten und im August: „Dann sind die Leute im Urlaub oder stehen kurz davor. Außerdem sind im August die kommunalen Hallen geschlossen“, sagt Schnell.

2005 war eben dieser Umstand für die neuapostolische Gemeinde ausschlaggebend, dem Blutspendedienst des DRK ihr Kirchenlokal zur Verfügung zu stellen. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern aus den Nachbargemeinden unterstützen sie die Blutspendeaktion zum mittlerweile 13. Mal in Folge.

Engpässe im Sommer

Ungefähr 1600 Spenden werden in Baden Württemberg täglich benötigt. Dementsprechend beunruhigend ist für Daniel Schnell, dass die Spendebereitschaft im ganzen Bundesland einen negativen Trend erlebt. Gerade der Engpass im Sommer kann für einen Patienten im schlimmsten Fall die Absage seiner Operation bedeuten.

Die Mehrheit der Spender liegt auch in Metzingen bei den über Vierzig- und Fünfzigjährigen. Fasst man die Spender unter dreißig Jahren ins Auge, so fällt ihr Anteil auf weniger als 25 Prozent. Der jungen Generation – sofern sie nicht schon in der Familie an das Thema herangeführt werde – fehle das Verständnis für die Bedeutung der Blutspende, vermutet Schnell. Nach Schulterminen etwa, wenn ganze Klassen mit Schülern über 18 Jahren gemeinsam zur Spende antreten, ist zu beobachten, dass im Folgejahr nur etwa sechs Prozent zurückkehren. Auf Dauer ist das zu wenig.

Um potenzielle Erstspender zu erreichen, haben die kirchlichen Helfer versucht, ordentlich die Werbetrommel zu rühren, zum Beispiel in der Straßenbahn oder mit Werbung am eigenen Auto. Gerade bei den jungen Menschen sind es allerdings häufig Schicksalsschläge aus dem persönlichen Umfeld, die das Bewusstsein wecken. Im Fall von Alina Merz etwa war es die Leukämieerkrankung einer Freundin; ohne sie wäre Merz trotz ihrer Angst nicht schon zum fünften Mal zur Blutspende angetreten.

Das Spenden ist gut verträglich

Allein von Seiten der Kirche sind mehr als dreißig Helfer an diesem Tag auf den Beinen, außerdem ist das DRK-Team in zwei Schichten eingeteilt, weil das Gemeindehaus schon ab 10 Uhr offen steht. Mit dabei sind drei Ärzte, um vor der Blutabnahme noch einmal die Gesundheitswerte der potenziellen Spender zu prüfen. „Das Spenden führt zu keiner Beeinträchtigung und ist gut verträglich. Ich bin ein gutes Beispiel“, sagt Karin Haußmann, die nach erfolgreicher Spende direkt in das Helferteam wechselt. Die Hauptsache sei, dass man etwas gegessen und viel getrunken habe, damit das Blut gut fließen kann.

Noch am selben Abend wird ihr Blut und auch das von Alina Merz auf seine Qualität überprüft. Wenn alles in Ordnung ist, rollen ihre Konserven am folgenden Morgen über die Autobahn nach Ulm zum Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik. Von dort aus werden Patienten in über 130 medizinische Einrichtungen versorgt.

Nächster Blutspendetermin

Das DRK führt am morgigen Mittwoch, 15. August, zwischen 15.30 und 19.30 Uhr eine Blutspendeaktion in der Glemser Otto-Single-Halle durch. Spender müssen älter als 18 Jahre sein und mehr als 50 Kilogramm wiegen. Nach der Registrierung wird ein Fragebogen bezüglich der gesundheitlichen Vorgeschichte ausgefüllt. Ein Arzt entscheidet im anschließenden Gespräch, ob eine Blutspende in Frage kommt. Entnommen werden etwa 500 Milliliter.

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