Kleidung, Schuhe, Geschirr, Kochtöpfe, Kinderspielzeug, Elektrogeräte und vieles mehr finden Bedürftige in der Kleiderkammer im ehemaligen Kindergarten „In der Steige“, die vom Freundeskreis „Wir“ in Neckartenzlingen betrieben wird. Der Freundeskreis wurde gegründet zur Unterstützung von Flüchtlingen, doch in der Kleiderkammer dürfen sich auch andere Menschen bedienen. Die Einrichtung ist auch beileibe nicht das einzige Angebot des Vereins. Sie stelle aber sowas wie das Basislager des Förderkreises dar, wie Pia Lang sagt, die maßgeblich am Aufbau der Kleiderkammer beteiligt war.

Und dies ist durchaus bemerkenswert, da die 50-Jährige erst seit zwei Jahren in Neckartenzlingen wohnt.  Es hatte sich freilich schnell herumgesprochen, dass Pia Lang bereits in Filderstadt schon eine Kleiderkammer aufgebaut hatte. Es war Bürgermeisterin Melanie Gollert, die sie darauf angesprochen hat, ob sie bereit wäre, so etwas auch in Neckartenzlingen zu machen. Und sie hat zugesagt. Neben der Kleiderkammer hat der Freundeskreis „Wir“ auch noch andere Angebote. Da sind beispielsweise die so genannten Paten. Sie unternehmen mit den Flüchtlingen Behördengänge, Arztbesuche und ähnliches.

Ein weiteres wichtiges Angebot ist die Abteilung Sprachen. Hier erteilen Ehrenamtliche Deutschunterricht. „Das Angebot“, sagt Pia Lang, „wird aber nicht nur von Flüchtlingen wahrgenommen. Auch viele Zugereiste aus Ländern der Europäischen Union nehmen den Sprachunterricht an.“ Dies entspricht denn auch ganz dem Motto des Freundeskreis, nach dem alle Menschen gleich wichtig sind. Das gilt natürlich auch für die Angebotsgruppe Spiele und Bewegung, die nun laut Pia Lang einen Stammtisch ins Leben gerufen hat, zu dem man sich zwanglos trifft.  Zudem gibt es noch die so genannte Fahrrad-Garage, in der gebrauchte Räder hergerichtet werden. Der Bedarf hat jedoch laut Pia Lang ziemlich nachgelassen.

In der Kleiderkammer engagieren sich rund 20 Ehrenamtliche. Darunter sind auch einige Flüchtlinge, was laut Pia Lang natürlich sehr hilfreich ist. Insgesamt sind im Freundeskreis rund 60 Menschen aktiv.

Die Kleiderkammer wird freilich nicht nur von Menschen genutzt, die in Neckartenzlingen wohnen. „Sogar aus Nürtingen kommen Flüchtlinge“, sagt Pia Lang. Wenn man das breite Angebot betrachtet, ist dies auch durchaus nachvollziehbar. Probleme gibt es allerdings oft genug mit angelieferter Ware. „Oft genug“, so die 50-Jährige weiter, „ist Müll und Schrott dabei, Sachen, die man niemandem mehr anbieten kann. Das ist sehr ärgerlich. Die Menschen, die zu uns kommen, haben durchaus die Demut, gebrauchte Kleidung zu tragen.“ Aber halt keinen Müll.

Wie dem auch sei, Pia Lang jedenfalls lobt den Zusammenhalt im Team der Ehrenamtlichen. Im Laufe der Zeit seien sogar richtige Freundschaften entstanden. Auch die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung sei beispielhaft. Man treffe sich regelmäßig, um sich auszutauschen. Bürgermeisterin Melanie Gollert ist froh um die Arbeit des Freundeskreises. Die ehrenamtlichen Helfer seien sehr aktiv und dementsprechend motiviert. Auch sie lobt die vorbildliche Zusammenarbeit. „Der Freundeskreis“, so die Bürgermeisterin, „trägt ja die Hauptlast in der Flüchtlingsarbeit.“ Die Gemeindeverwaltung könne nur die Rahmenbedingungen schaffen. „Das Drumherum“, so Gollert weiter, „können wir nicht leisten.“

Am morgigen Samstag, 14. April, ist von 14 bis 16 Uhr Tag der offenen Tür in der neuen Flüchtlingsunterkunft in der Metzinger Straße. Der Freundeskreis „Wir“ wird sich dort präsentieren.

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ehrenamtliche Helfer sind es mindestens, die sich im Freundeskreis Wir in Neckartenzlingen engagieren. Allein etwa 20 Ehrenamtliche arbeiten in der Kleiderkammer mit.