Zainingen / Alexander Thomys  Uhr

Seine Familie wollte Daniel Mangel gerne mit auf dem Pressefoto haben. Allein: Die eineinhalb Jahre alte Tochter Felicitas verschlief das Gespräch mit der Zeitung. Und so organisierte der neue Zaininger Pfarrer kurzerhand selbst ein passendes Familienfoto vor der Martinskirche.

Diese ist für den 30-Jährigen in vielfacher Hinsicht etwas Besonderes. „Man wird schon ein Stück weit ehrfürchtig, wenn man die Schutzmauer schon von der B 28 aus aufragen sieht“, schildert Mangel seine ersten Eindrücke. „Die Kirche ist aber auch eine echte Zufluchtsstätte, sehr warm und heimelig mit viel Holz im Inneren.“ Und: Für den jungen Pfarrer bedeutet die Martinskirche zugleich seine erste Station in Amt und Würden. Im September wurde Mangel in der Zaininger Martinskirche ordiniert.

„Die Zaininger haben uns sehr freundlich willkommen geheißen“, schildert Pfarrer Mangel seine ersten Eindrücke. „Viele waren froh, dass im Pfarrhaus nun wieder Leben herrscht.“ Es gebe alle Einkaufsmöglichkeiten im Ort, „und meine Tochter freut sich an den Enten an der Hüle“. Die Eltern und Schwiegereltern sind zudem nicht allzu weit weg, ebenso wie die Arbeitsstelle von Mangels Ehefrau, die als Lehrerin in Kirchheim arbeitet.

Einen Lehrauftrag hat Mangel indes auch – an der Gemeinschaftsschule Vordere Alb in Hülben. Und mit einer Viertelstelle ist der Zaininger Pfarrer zudem als Seelsorger für die Ermstalklinik in Bad Urach zuständig. Eine herausfordernde Aufgabe also für den frisch gebackenen Pfarrer, der sich selbst noch als „Berufsanfänger“ bezeichnet. Und der in Zainingen deshalb erst einmal ganz genau hinschauen will. „Ich bin immer noch in der Beobachtungsphase, auch wenn ich inzwischen fast alle Gruppen und Kreise im Ort kennengelernt habe“, sagt Mangel. „Ich habe mir vorgenommen, noch eine ganze Weile zu beobachten und wahrzunehmen: Wie ticken die Zaininger?“ Zugleich kommt das Ideen-Sammeln, schließlich will sich der Pfarrer auch einbringen und eigene Impulse geben. Eine Idee hat Mangel bereits: Mit seiner Band „Beta Grooves“ will der 30-Jährige ein Konzert in Zainingen geben. Der christliche Hintergrund ist da nicht fern: Mangel spielt Gitarre und Schlagzeug, seine Bandkollegen sind zum größten Teil ebenfalls Pfarrer. „Wir versuchen, alte und schwere Texte aus Kirchenliedern aufzugreifen und modern zu vertonen“, schildert Mangel den Ansatz der Band. „Die Texte gehen richtig in die Tiefe – da sind oft wahre Glaubensschätze verborgen.“ Das Musikmachen ist Mangel wichtig, das zeigt schon die Begeisterung, mit welcher der junge Pfarrer von seiner Band erzählt. Ein weiteres Hobby ist das Rennradfahren. „Da hat es auf der Alb viele spannende Strecken und Steigungen“, freut sich der sportliche 30-Jährige. „Das ist ein prima Ausgleich zum Beruf. Da bekomme ich den Kopf frei.“

Ein Beruf übrigens, dem eine „bewusste Entscheidung“ für das Theologiestudium vorausgegangen war. Zwar stammt Mangel nicht aus einer Pfarrersfamilie, doch der Vater eines seiner besten Freunde, Friedrich Zimmermann, beeinflusste Mangel schon früh. „Durch ihn hatte ich einen Einblick in das Leben als Pfarrer“, erzählt Mangel. „Meine innere Berufung kam durch ihn.“ Auf das Abitur ließ Mangel dennoch erst einmal ein Freiwilliges Soziales Jahr folgen, das ihn nach Italien brachte. In einer Altenhilfeeinrichtung kümmerte sich Mangel um die Bewohner und durfte auch mal als Hausmeister ran. Es folgten das Studium in Tübingen und das Vikariat in Aichtal.

Nun ist Mangel in Zainingen angekommen. Daran lässt der Pfarrer keinen Zweifel. Und doch kann der Seelsorger auch schnell wieder weg sein – wenn ein Notfall in der Ermstalklinik ruft. „Der Tag kann normal laufen, bis ich plötzlich bei einem Menschen bin, der dabei ist sein gelebtes Leben zu verlieren“, schildert Mangel die Herausforderung der Klinikseelsorge: „An den Rändern des Lebens tauchen die großen Fragen auf.“ Mangel, der mit zwei jüngeren Schwestern aufwuchs, ist sich dieser Verantwortung bewusst. „Es gibt Sicherheit und Hoffnung, zu wissen, das Jesus Christus uns durch Höhen und Tiefen des Lebens trägt“, sagt Mangel, der an dieser Stelle das Leitbild der Kirchengemeinde zitiert: „Auch wir als Gemeinde tragen Jesus Christus.“