Metzingen Wieder Friede bei Sauter

Sind allesamt zufrieden mit ihrem Verhandlungsergebnis: Manuela Dankesreiter (Betriebsratsvorsitzende), Michael Bidmon (IG Metall Reutlingen-Tübingen) und Sauter-Geschäftsführer Michael Rudloff (von links).
Sind allesamt zufrieden mit ihrem Verhandlungsergebnis: Manuela Dankesreiter (Betriebsratsvorsitzende), Michael Bidmon (IG Metall Reutlingen-Tübingen) und Sauter-Geschäftsführer Michael Rudloff (von links). © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Von Michael Koch 21.02.2018

Jetzt wird wieder mit Volldampf produziert beim Metzinger Spezialisten für Werkzeugträgersysteme. Am späten Montagabend setzten Sauter-Geschäftsführer Michael Rudloff, der zuvor das Einverständnis der Gesellschafterfamilien bekommen hatte, sowie Michael Bidmon als Verhandlungsführer der IG Metall ihre Unterschriften unter das Vertragswerk. Dieses war erst nach mehrtägigem Streik großer Teile der Belegschaft und insgesamt 36 Verhandlungsstunden zustande gekommen.

Auslöser der Auseinandersetzung war der Austritt der Firma aus dem Arbeitgeberverband Südwestmetall und damit dem Flächentarifvertrag. Auf die Sicherheit einer Tarifbindung legte die Belegschaft aber großen Wert. Dieses Ziel ist mit dem neuen Vertragswerk erreicht. Das sieht vor, den zum 31. Dezember 2017 ausgelaufenen Manteltarifvertrag im Hause Sauter wieder in Kraft zu setzen. Damit wird die Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden festgesetzt, Schichtzuschläge, Altersverdienstsicherung, Kündigungsschutz und - fristen bleiben unangetastet. Ebenso behalten alle anderen Tarifverträge, wie etwa das Urlaubsabkommen, ihre Gültigkeit. Der „Sauter Hausvertrag“ sieht zudem vor, dass alle künftigen Änderungen im Manteltarif übernommen werden, sofern keine der beiden Verhandlungsseiten innerhalb eines Monats der Übernahme dieser Neuerungen widerspricht. Sollte es doch zu einem Einspruch kommen, dann bekennen sich beide Seiten zu einer Verhandlungsverpflichtung, um eine für Sauter passende Lösung zu finden.

Ein zweiter Vertrag, der „Sauter Entgelttarifvertrag“, regelt das Einkommen der Belegschaft. Hier schneiden die Beschäftigten etwas schlechter ab, als es der neue Manteltarifvertrag vorsieht. Dort ist ein Plus von 4,3 Prozent vereinbart. Die Sauter-Belegschaft  erhält zunächst eine Einmalzahlung in Höhe von 250 Euro und dann jährliche Erhöhungen von 1,5 Prozent (Mai 2018) und je 1,2 Prozent (Januar 2019 und 2020). Dies sind Fixsummen. Eine weitere Erhöhung kann eintreten, wenn das Unternehmen festgelegte Kennzahlen etwa im Bereich Kundenzufriedenheit, Nacharbeitsstunden und Gewährleistungskosten erreicht. Maximal kann die Belegschaft so bis 2020 auf einen Zuwachs von 3,5 Prozent kommen.

„Das Geld, das wir hier im Vergleich zum Manteltarif einsparen, können wir für dringend notwendige Investitionen in Maschinen und Entwicklungen stecken“, sagte Geschäftsführer Michael Rudloff gestern . „So können wir Sauter fit für die Zukunft machen.“ Sollte sich die Umsatzrendite des Unternehmens wie erhofft entwickeln, ist im jeweiligen Folgejahr eine weitere Bonuszahlung von 500 Euro vorgesehen.

Beide Seiten zeigten sich gestern sehr zufrieden mit dem gefundenen Kompromiss. In einer neuerlichen Urabstimmung hätten sich 94 Prozent der IG Metall-Mitglieder innerhalb der Belegschaft für das Vertragswerk entschieden. Betriebsratsvorsitzende Manuela Dankesreiter sprach gar von „Tränen bei gestandenen Mannsbildern“, als das Verhandlungsergebnis verkündet worden sei.

„Beide Seiten haben ihre Ziele erreicht. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam das Richtige getan haben“, zeigte sich auch Michael Rudloff überzeugt.

Das Vertragswerk hat eine Gültigkeit für die Jahre 2018 und 2019 mit einer Option für das Folgejahr. In jedem Fall wolle man sich für die nächsten Verhandlungen rechtzeitig zusammensetzen. „Wir haben uns jetzt gegenseitig die Zähne gezeigt. Ich glaube, beide Seiten haben aus der Zuspitzung des Konflikts in der vergangenen Woche gelernt. Es hätte günstigere Möglichkeiten gegeben“, resümierte Michael Bidmon.

Alle Beteiligten offenbarten Spuren des Arbeitskampfes. „Das geht nicht spurlos an einem vorbei, wenn man morgens in den Hof fährt. Die Streikenden sind ja keine Gegner, sondern Mitarbeiter und Kollegen. Unterm Strich wollen doch alle nur das Beste für das Unternehmen“, so Michael Rudloff.

Das Beste fortan wieder zu geben, versprach Manuela Dankesreiter im Namen der Belegschaft. „Viele von uns arbeiten seit Jahrzehnten bei Sauter. Es hat die Mitarbeiter Überwindung gekostet, in Streik zu treten, weil sie eine solche Situation gar nicht kannten. Der Zusammenhalt war riesig, jetzt können wir alle wieder gut miteinander loslegen.“

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Mitarbeiter hat die Sauter Feinmechanik GmbH in Metzingen. Ein Großteil davon war in der vergangenen Woche fünf Tage lang im Streik, um einen Tarifvertrag durchzusetzen.

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