Bad Urach Wieder freie Fahrt nach Wittlingen

Das rote Band wird durchschnitten von Vertretern aus Politik und der am Bau beteiligten Firmen, seit Dienstag ist die Wittlinger Steige wieder befahrbar.
Das rote Band wird durchschnitten von Vertretern aus Politik und der am Bau beteiligten Firmen, seit Dienstag ist die Wittlinger Steige wieder befahrbar. © Foto: Foto: Kirsten Oechsner
Wittlingen / Kirsten Oechsner 03.10.2018

Der Materialeinsatz war enorm: 80 Tonnen Baustahl, 650 Kubikmeter Beton und 130 Tonnen Natursteinquader wurden auf einer Länge von 500 Metern verarbeitet. Diese Masse an Material bringt für die Wittlinger eine große Erleichterung mit sich: Die Steige ist seit Dienstag wieder freigegeben. Von der Abfahrt Schanz bis zum Ortseingang wurde nicht nur der Hang vor einem weiteren Rutsch abgesichert, sondern das Fahren wird auch angenehmer: Die Straße wurde auf sechs Meter verbreitert, der Begegnungsverkehr ist nicht mehr so gefährlich.

Die Wittlinger hatten Bedenken, irgendwann mal abgehängt zu werden: „Es gab durchaus Stimmen, man könne uns über Hengen fahren lassen“, meinte Ortsvorsteher Horst Vöhringer bei der offiziellen Verkehrsfreigabe. Doch in Landrat Thomas Reumann habe der Bad Uracher Stadtteil einen Befürworter gefunden, der klar Position pro Steige bezogen und die Notwendigkeit von Sanierungsmaßnahmen betont habe. Diese Ansicht unterstrich Reumann denn auch noch einmal persönlich: „Steigen sind wichtige Lebensadern im ländlichen Raum und haben eine große Bedeutung für die Infrastruktur.“ Und gerade die Wittlinger Steige sei ihm unter den 25 Albsteigen im Landkreis lieb und teuer – letzteres im wahrsten Sinne des Wortes: In den Jahren 2008 bis 2016 wurden weit über zwei Millionen Euro in Sicherungsmaßnahmen investiert. Nun seien in die jüngsten Baumaßnahmen weitere 1,8 Millionen Euro – es gab 640 000 Euro Fördermittel vom Land – investiert worden. Bei der Mittelvergabe im Kreistag sei es im März durchaus zu Diskussionen wegen einer möglichen Überschneidung mit der Sperrung der Ulmer Steige gekommen, die für kommenden Montag terminiert ist. Doch dann ging es laut Reumann Schlag auf Schlag: Am 9. April war Baubeginn, seit Dienstag rollen nun auf der Wittlinger Steige wieder die Fahrzeuge, wobei die Bewohner des Albdorfes dieses Mal keine so weiten Umwege wie sonst fahren mussten: Eine Zufahrt über die Schanz war möglich, die mit einer Ampel geregelt war. „Deshalb war wohl auch die Akzeptanz unter den Wittlingern groß“, ist sich der Landrat sicher.

Bauleiter Arndt Schäfer hatte mit Blick auf die Ulmer Steige stets den Zeitplan im Visier und freut sich, ihn tatsächlich eingehalten zu haben: „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass es so gut läuft“, gibt er im Nachhinein zu. Ausschlaggebend für den reibungslosen Ablauf war zum einen das beständige Sommerwetter und der engagierte Einsatz der Baufirmen: „Sie haben sechs Tage in der Woche gearbeitet“, so Schäfer. Die Herausforderungen waren groß, auf einer Länge von 320 Metern wurde eine Bohrpfahlwand eingebaut, die der Fahrbahn neue Stabilität und weitere Geländeabgänge vermeiden soll. Der Landrat zeigte sich beeindruckt: Die Bohrpfahlwand wurde auf der Talseite mit 43 Großbohrpfählen mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern bis in eine Tiefe von neun Metern und am Berg mit 80 Mikropfählen mit einer Länge von je zehn bis zwölf Metern verankert. Auf einer Länge von 100 Metern wurde zudem eine Schwerlastmauer aus Naturstein errichtet.

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Millionen Euro haben der Landkreis und das Land in die Wittlinger Steige investiert. Schon zwischen 2008 und 2016 sind zwei Millionen Euro in die Straße geflossen.

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