Im Prozess gegen einen 59-Jährigen wegen falsch deklarierten Abfalls wurden am dritten Verhandlungstag weitere ehemaligen Geschäftspartner als Zeugen gehört. Dass der Zeitraum, in dem die Taten, die dem Angeklagten vorgeworfenen werden, schon mehr als zehn Jahre zurückliegt, wurde gestern bei der Anhörung einer Zeugin deutlich. Sie konnte sich an kaum etwas erinnern, nicht mal daran, dass sie in der Sache mal von einem Kripobeamten vernommen wurde.

Sie war damals Geschäftsführerin einer Firma für Müllentsorgung und Rohstoffhandes. Das Unternehmen des Angeklagten hat bei ihr in Hilchenbach bei Siegen Müll abgeholt, um ihn der Entsorgung zuzuführen. Zu Umdeklarierungen von Abfall konnte sie nichts sagen.

Der zweite Zeuge war zum fraglichen Zeitpunkt Betriebsleiter einer Müllsortieranlage und eine Anlage zur Müllaufbereitung in Ahlfeld. Durch seine Angaben wurde deutlich, wie die Müll-Branche damals funktionierte. Demnach wurde der Müll mit  Schlüsselnummern  deklariert, dass die jeweilige Müllverbrennungsanlage oder Mülldeponie ihn auch annehmen kann, beziehungsweise annehmen darf. Nicht jede Anlage hat eine Lizenz für alle Müllarten. Daraufhin zeigte sich Staatsanwalt Michael Pfohl einigermaßen fassungslos. „Darf ich“, so Pfohl, „als einfach strukturierter Staatsanwalt fragen: Die Abfallschlüsselnummern waren Ihnen also egal.“ „Richtig“, antwortete der Zeuge, „wichtig war der Inhalt.“ Heutzutage sei das anders, da sei man einen Schritt weiter. Dabei ging es im Wesentlichen um die Schlüsselnummern 191209 und 191212. Erstere ist für Abfall mit Mehrheitlich mineralischem Inhalt, die andere mit mehrheitlich organischem Inhalt. „Das ist schon eine verzwickte Sache“, so der Zeuge abschließend.

Am heutigen vierten Verhandlungstag vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Tübingen unter dem Vorsitzenden Richter Ulrich Polachowski kommt der Gutachter Prof. Hans-Günter Ramke aus Braunschweig zu Wort.