Im Grunde ist es schon das zweite Konzert; die Feuerprobe bestand die neu gegründete SinfoNeA (Sinfonieorchester Neckar-Alb) kürzlich erfolgreich in Nürtingen. Nun ging es richtig los, und zwar programmatisch mit einem Auftritt an ungewohntem Ort: in der Fest- und Gemeindehalle Kusterdingen. Dort hatte offenbar noch nie ein sinfonisches Orchester gespielt, einige freuten sich, so etwas mal vor der Haustür zu erleben.

Dass sich die Bühne als fast zu klein erwies für den großen Klang, wurde durch den Blick ins Grüne aufgewogen, den sie freigibt - und durch die unbändige Lust am Spielen, die das Orchester nach der Begrüßung durch Vorstandssprecherin Fabienne Christen mit dem Auftaktstück vermittelte. Die "Lustspiel-Ouvertüre" von Ferrucio Busoni wurde mitreißend musiziert; die Mitspieler hatten hörbar Freude an der fantasievollen Tour durch die Stile und daran, die Strukturen herauszuarbeiten, inspiriert durch Rainer M. Schmids sicheres Dirigat.

Beethovens Violinkonzert ist ein so ausgedehntes wie anspruchsvolles Stück; umso mehr ist der Entschluss von SinfoNeA und Eva Schall zu bewundern, es gemeinsam auf die Bühne zu bringen. Die junge, von der Guthörle-Stiftung geförderte und in Weimar studierende Geigerin zeigte sich bestens präpariert: Sie spielte das Werk auswendig, mit seidig kutliviertem Ton bis in extreme Lagen, phänomenaler Sicherheit, klarer Gestaltung und einer Musikalität, die bei aller Virtuosität in die Tiefe ging. Faszinierend, wie sie im langsamen Satz die Figurationen zum Schweben und die Saiten zum Singen brachte!

Bemerkenswert auch, wie aufmerksam Solistin und Orchester durchweg aufeinander eingingen; hier war nicht ein "Star mit Begleitung" zu erleben, sondern ein Miteinander gleichberechtigter Partner - für einen frisch gegründeten Klangkörper eine vorzügliche Leistung.

Auch wenn Schumanns Sinfonie Nr. 3, die "Rheinische", mit ihrem hochgestimmten Schwung auch die Aufbruchsstimmung von SinfoNeA spiegelt, macht ihre Instrumentierung den Gesamtklang oft allzu kompakt. Wenn ihn dann noch der Enthusiasmus der Musizierenden verstärkt, erhält die Musik mehr Nachdruck als nötig; das war auch hier teilweise der Fall.

Doch es wurde präzise und inspiriert musiziert, die Begeisterung der Spieler teilte sich direkt mit. Im ersten Satz begann Schumann fast zu grooven, die farbig nachgezeichnete ländliche Romantik des zweiten Satzes samt Hörnerklang passte ins ländliche Umfeld. Ab dem feierlich-pompösen dritten Satz trugen die Blechbläser allzu dick auf - sie waren schlichtweg beeindruckend, sollten ihre Kraft aber dosieren.

Zum Finalsatz holte die SinfoNeA nochmal aus und kündete frisch von Schumanns rheinischen Freuden. Auch das Publikum war gebannt dabei bis zum Schluss - sogar die Kleinen mucksten nicht. Jubelnder Applaus.