Pliezhausen Wenn Kinder wieder lachen können

Dr. Guido Köhler in seiner Tübinger Praxis in der Loretto Klinik.
Dr. Guido Köhler in seiner Tübinger Praxis in der Loretto Klinik. © Foto: PETER SWOBODA
Pliezhausen / PETER SWOBODA 23.06.2016
Seit 14 Jahren arbeitet Dr. Guido Köhler aus Pliezhausen drei Wochen pro Jahr ehrenamtlich auf der Africa Mercy, einem Hospitalschiff.

Lidstraffung, Facelifting, Doppelkinnkorrektur, Faltenunterspritzung, Ohrenanlegeplastik, Volumenaufbau, Narbenkorrekturen – das alles und noch viel mehr ist das Arbeitsfeld von Dr. Guido Köhler aus Pliezhausen. Er ist plastischer Chirurg. Seine Praxis hat er in der Loretto-Klinik in Tübingen, wo er operiert.

Darüber hinaus engagiert sich der 42-Jährige zwei bis drei Wochen auf der Africa Mercy, dem größten privaten Hospitalschiff der Organisation Mercy Ships. Das Schiff legt immer für zehn Monate in einem Hafen der Dritten Welt an, um die Menschen dort medizinisch zu versorgen, allerdings nur chirurgisch. An Bord sind 450 Mitarbeiter , darunter Ärzte, Pflegepersonal, Lehrer, Köche, Frisöre, Bäcker, Reinigungskräfte und vieles mehr. Es gibt fünf Operationssäle, in denen bisher mehr als 67 000 Operationen und rund 305 000 zahnmedizinische Behandlungen gemacht wurden. Guido Köhler operiert überwiegend Weichteiltumoren und Verbrennungen. In der Regel werden Menschen, die durch Tumoren und Brandnarben verunstaltet sind aus der Dorfgemeinschaft verstoßen, weil die Leute glauben, diese Menschen seien von einem Dämon befallen.

Die Fälle, mit denen Guido Köhler konfrontiert wird, sind durchaus krass. So hat er auf Madagaskar beispielsweise ein sechsjähriges Mädchen operiert, die im Alter von einem Jahr von ihrer Tante ins offene Feuer gehalten wurde. Behandelt wurde die schwere Verletzung laut Köhler nicht, weshalb in der Folge Gesicht und Schulter des Mädchens zusammengewachsen sind.

Das war auf Madagaskar. „Für 22 Millionen Einwohner, „so Guido Köhler, „gibt es keinen einzigen plastischen Chirurgen.“ Der Mediziner aus Pliezhausen konnte dem Mädchen helfen. Doch wie hält er all das Leid aus? „Ich habe mich daran gewöhnt“, sagt er lapidar.“ Anders gehe es auch gar nicht. Das schönste für ihn ist die Dankbarkeit der Menschen nach einer gelungenen Operation. „Wenn die Kinder wieder lachen können“, sagt er, „das freut mich sehr.“ Der 42-Jährige möchte dazu beitragen, dass das Leben schön ist.

Im Grunde verhält es sich mit den Fällen in seiner Tübinger Praxis in der Loretto-Klinik nicht viel anders. Viele Patienten wenden sich an ihn, weil sie unter einen bestimmten Leidensdruck stehen. Wie beispielsweise ein junger Mann, der unter seinen Segelohren sehr zu leiden hatte. Köhler hat ihn operiert und in die Normalität gebracht. Schon als Kind hat Guido Köhler davon geträumt Chirurg zu werden. Im Lauf der Jahre ist dieser Wunsch dann verblasst, doch schließlich hat er Medizin studiert und die Ausbildung zum plastischen Chirurgen gemacht. Studium und Facharztausbildung empfindet Guido Köhler als Privileg, weshalb es für ihn früh feststand, dass er der Gesellschaft etwas zurückgeben wollte. „Viele Menschen“, so Köhler“, nehmen Schule, Studium und Ausbildung als etwas Selbstverständliches hin. Das ist es aber nicht.“ So hat er nach dem Studium nach einem Mentor für sich umgeschaut, nach einem plastischen Chirurgen, der ein ähnliches christliches Welt hat wie er. Gefunden hat er ihn in Person eines südafrikanischen Kollegen. Dies passt auch zu seiner Grundphilosophie. Egal, mit welchem anliegen ein Patient zu ihm kommt, seine Beratung und Vorgehensweise bleibt die gleiche. Das Vertrauen, das ihm die Menschen entgegenbringen, möchte er mit Ehrlichkeit, Offenheit und Professionalität beantworten. „Eine gute Kommunikation“, sagt er, „ist ein wichtiger Schlüssel für ein exzellentes Ergebnis.“ Ziel sei es, ein natürliches Ergebnis zu erzielen, ohne das ästhetische Gleichgewicht zu verlieren.

Der Werdegang

Dr. Guido Köhler ist im Rheinland geboren und aufgewachsen. Sein Medizinstudium absolvierte er in Marburg, München und San Diego.

 

Die Ausbildung zum plastischen und ästhetischen Chirurgen erfolgte in München, Köln und Würzburg. Nach der Facharztprüfung wurde Guido Köhler Oberarzt an der Universitätsklinik in Würzburg und wurde dort stellvertretender Leiter der Plastischen Chirurgie.

 

Es folgte der Ruf als Consultant Plastic Surgeon an die Norfolk ans Norwich University in England.

 

Zurück in Deutschland leitete er die Schlosspark-Klinik in Ludwigsburg, bevor er seine eigenen Praxisräume in der Loretto-Klinik in Tübingen eröffnete.

 

Guido Köhler ist verheiratet und hat vier Kinder.

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