Für Kohlberger Verhältnisse beinhaltet der Haushaltsplan 2019 erhebliche Mittel für Investitionen. So ist der Vermögenshaushalt mit 872 000 Euro beinahe doppelt so hoch als im Vorjahr. Und trotzdem konnte er ausgeglichen werden, betont Bürgermeister Rainer Taigel nicht ohne Stolz.

„Wir können damit“, so der Bürgermeister weiter, „Projekte wie den Kunstrasen stemmen, können die Planungen zu einem barrierefreien Bürgerbüro weiter vorantreiben und bleiben an den notwendigen Kanalsanierungen dran.“ Freilich mussten wegen des größten Brockens Kunstrasen andere dringende Investitionen auf die Folgejahre geschoben werden.

Die finanzielle Entwicklung ist laut Taigel insgesamt sehr erfreulich. So beträgt die Zuführungsrate vom Verwaltungshaushalt an den Vermögenshaushalt 400 000 Euro (Vorjahr 330 000 Euro). Auch die zu erwartende Gewerbesteuer liegt mit 600 000 Euro um 130 000 Euro höher als im vergangenen Jahr. Taigel: „Unseren Betrieben geht es offensichtlich gut.“

Dennoch müssen 312 000 Euro aus den Rücklagen entnommen werden. Zum Ende des Jahres werden freilich immer noch rund 800 000 Euro auf dem Rücklagenkonto sein. Trotz allem bleibt eine Finanzierungslücke in Höhe von 130 000 Euro, die durch eine Kreditaufnahme geschlossen werden soll.  „Wir werden diese“, so der Bürgermeister, „aber nur dann tätigen, wenn sie tatsächlich notwendig wird.“ Bei all diesen erfreulichen Zahlen verliert Rainer Taigel aber nicht den Blick für die Realität. Die Gemeinde Kohlberg sei  mit den Pflichtaufgaben und der Unterhaltung der Infrastruktur finanziell so belastet, dass wenig Spielraum für Wünschenswertes bleibt. Es bleibe schwierig, dennoch sei Gestalten nicht unmöglich. Dass man in der Gemeinde unterm Jusi auch an die Zukunft denkt, zeigt die Zukunftswerkstatt, die am 6. Februar zusammengekommen war.

Wie in anderen Gemeinden auch, machen der Verwaltung und dem Gemeinderat  die hohen Personalkosten zu schaffen. Sie liegen im neuen Verwaltungshaushalt bei knapp 1,7 Millionen Euro. „Ursächlich hierfür“, sagt Kämmerin Sylvia Zagst, „sind vor allem der Mehrbedarf an Personal für die Kinderbetreuung und die Pensionslasten“. Gestiegen ist auch die Summe der Umlagen, die die Gemeinde zahlen muss. Durch die höhere Steuerkraftsumme steigen sie um 36 500 Euro.

„Wir müssen schauen“, so Gemeinderat Dr. Joachim Bloehs, „dass wir künftig Schwerpunkte setzen.“ Es gelte zu überlegen, welche Aufgaben die Gemeinde noch selbst erledigen muss und welche man abgeben könnte. Es gehe darum, den Haushalt zu entlasten.

Dem stimmte Bürgermeister Rainer Taigel zu. Dies sei jedoch kein einfaches Unterfangen. So sei beispielsweise die Kohlberger Standesbeamtin derzeit krank, weshalb die Gemeinde mit der Stadt Neuffen eine Vereinbarung getroffen hat, dass Kohlberger Heiratswillige  vorübergehend in Neuffen den Bund der Ehe eingehen könne. Auf Dauer sei das jedoch schwierig, weil Neuffen dann sein Personal aufstocken müsse.

Der Schuldenstand beträgt zum Jahresende 2019 1,379 Millionen Euro. Damit liegt die Pro-Kopf-Verschuldung bei 596 Euro. Zur Tilgung von Krediten sind im Haushalt 2019, 90 000 Euro eingestellt.

Der Gemeinderat hat den Haushaltsplan 2019 samt Satzung letztlich einstimmig verabschiedet.

1,1


Millionen Euro betrugen die Rücklagen der Gemeinde Kohlberg. Für den aktuellen Haushalt müssen jedoch 312 000 Euro entnommen werden, verbleiben noch rund 800 000 Euro.