Bempflingen / Gabriele Böhm

Gleich doppelten hohen Besuch hatte die Gärtnerei „Blumen + Pflanzen Vatter“ bei ihrem „Tag der offenen Tür“ am gestrigen Sonntag. Zu Gast waren die amtierende Deutsche Blumenfee des Zentralverbands Gartenbau Corina Krause und dessen Vizepräsident Hartmut Weimann.

Viele nutzten die Gelegenheit, neben dem Genießen von frischen Frühlingsfarben, Blüten und Düften auch mit Corina Krause ins Gespräch zu kommen. Die 34-Jährige ist als Floristmeisterin absolute Expertin für Blumen und Gärten und hat in Berlin ein eigenes großes Geschäft. „Schon mein Urgroßvater war Gärtner und Mitbegründer des ostdeutschen Rosengartens in Forst“, verrät die zweifache Mutter. Dass das Amt der Blumenfee viele Termine mit sich bringt, war ihr von Anfang an klar. Ehemann und Mitarbeiter mussten einverstanden sein und einen Teil der Arbeit übernehmen. „Aber die Aufgabe als Blumenfee ist noch besser, als ich es mir vorgestellt habe“, sagt Corina Krause. „Ich habe schon so viele spannende Betriebe kennengelernt.“

Trend Urban Gardening

Besondere Highlights waren etwa die Eröffnung der Internationalen Gartenausstellung (IGA) mit den „Gärten der Welt“ sowie die Internationale Grüne Woche.  „Da schlägt das Gärtnerherz höher“, gesteht die Botschafterin für den Gartenbau, die ihren Beruf mit viel Leidenschaft ausübt und bei Gartenschauen auch selbst mit gestalten darf.

„In den letzten Jahren ist auch bei jüngeren Leuten das Bewusstsein für die heimischen Pflanzen und überhaupt für das Gärtnern größer geworden.“ In der Bundeshauptstadt habe man oft nicht so viel Platz auf dem Balkon und keinen eigenen Garten. „Deshalb geht man heute oft mit den Pflanzen in die Höhe oder haben Gewächshäuser für den Balkon.“ „Urban Gardening“, also das Gärtnern in der Stadt, liege im Trend. Es gebe neue Gemüsezüchtungen, die auch auf engstem Raum großen Ertrag versprächen. Ganz bewusst, so Corina Krause, lenkten die Gärtner den Fokus auf Blüten, die den Insekten und Bienen zugutekämen. „Immer mehr Leute betreiben Imkerei mitten in der Stadt.“

Wiesen oft zu früh gemäht

„Auf dem Land sind oft nicht mehr die Blüten da, die man für die Bienen braucht“, sagt Jörg Vatter, der den Betrieb in Bempflingen zusammen mit seiner Frau Katrin leitet. „Oft werden die Wiesen gemäht, bevor sie Blüten ausbilden können, die dann von den Insekten genutzt werden.“ Deshalb seien heimische Gärten und auch Blumen auf dem Balkon von besonderem Wert und eine große Hilfe für die Insekten.

Die Deutsche Blumenfee im eigenen Geschäft zu Gast zu haben, findet Vatter „sensationell“. Vermittelt habe den Kontakt eine Angestellte, die mit Corina Krause zusammen die Berufsschule besucht habe. „Frau Krause hat dieselbe Begeisterung für den Beruf wie wir. Und auch ihr Familienbetrieb ist in demselben Jahr wie unserer gegründet worden – nämlich im Jahr 1901.“

Auch für den studierten Gärtner Hartmut Weimann aus Flein bei Heilbronn ist der Garten in der Stadt ein wichtiges Thema. „Es wird viel über Urban Gardening gesprochen. Es tut einfach gut, wenn Grün in die Städte kommt. Und man kann selbst etwas dafür tun.“ Dachterrassen, Fassadenbegrünungen oder Vertikalbegrünungen böten ein riesiges Potential, auch als Kompensation für die Kohlenstoffdioxid-Belastung. Die Mooswände, die zurzeit in Stuttgart gegen die Feinstaubbelastung eingesetzt werden, hält Weimann für sinnvoll. „Man weiß noch nicht, wie viel sie konkret bringen, aber auf jeden Fall saugen sie Schadstoffe auf und binden sie.“

Natürlichkeit ist auch Trumpf bei den Brautsträußen, die naturbelassen sein sollen. „Ein bisschen wild, wie auf der Wiese gepflückt“, sagt Corina Krause. Für Gärten und Balkone kämen Neuzüchtungen wie die „Lila Luzi“, eine violette Verbene, oder „Pink Kisses“, eine Nelke in Rosatönen, sehr gut an.

Viele Besucher interessierten sich am Sonntag für die 23 Tomatensorten in allen Farben und Formen, nahmen an der Verlosung oder der Kinderpflanzaktion teil, genossen Braten, Currywurst und vegetarische Gerichte, für die der Radwanderverein Kleinbettlingen gesorgt hatte.

23

Tomatensorten konnten die Besucher beim „Tag der offenen Tür“ bestaunen. Nahezu alle Farben und Formen der Tomatenzüchtungen schienen dabei vertreten zu sein.