Metzingen Wenn das Alter am Ende doch seinen Tribut fordert

Heinz Scheffler hat seine Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg in einem Büchlein festgehalten.
Heinz Scheffler hat seine Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg in einem Büchlein festgehalten. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Peter Swoboda 09.01.2018

Heinz Scheffler kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Im März wird der langjährige Vorsitzende der Metzinger Landsmannschaft der Ostpreußen, Westpreußen und Pommern 90 Jahre alt. Dies und der Umstand, dass es ihm gesundheitlich nicht so gut geht, haben ihn dazu veranlasst, im April in der Hauptversammlung des Vereins nicht mehr für den Vorsitz zu kandidieren. Das hat er auch bereits bekanntgegeben.

Das Durchschnittsalter der Vereinsmitglieder von 80 Jahren ist auch der Grund dafür, dass sich die Landsmannschaft wohl auflösen wird.  Seit 18 Jahren ist Heinz Scheffler Erster Vorsitzender, davor war er schon jahrelang im Vorstand. Das kommende Frühjahr bringt also sowohl für die Landsmannschaft als auch für Heinz Scheffler selbst eine Zäsur mit sich.

Dazu passt es ganz gut, dass der 89-Jährige vor kurzem ein kleines Büchlein mit seinen Erinnerungen an seine Jugendzeit und den Zweiten Weltkrieg veröffentlicht hat. Darin ist freilich auch nachzulesen, wie es ihn ins Ermstal und nach Metzingen verschlagen hat. Die schmale Schrift heißt „Als Sechzehnjähriger in den Krieg! Erinnerung eines Königsbergers an die Jahre 1944 bis 1948.“

Geboren wurde Heinz Scheffler am 24. März 1928 im Städtchen Rhein in Ostpreußen. Ab dem Jahr 1935 wohnte er mit seinen Eltern in Königsberg. Wie fast jeder Junge war auch der kleine Heinz Scheffler Mitglied der Hitler-Jugend. Ende Januar 1945 musste er als 16-Jähriger auch noch in den Krieg ziehen.

Zuvor hatten Vertreter der Waffen-SS in den Königsberger Schulen  versucht, Jugendliche anzuwerben. „Mein Vater“, sagt Heinz Scheffler, „hatte mich aber davor gewarnt, in die SS zu gehen.“ SS-Verbände seien wie Partizanen. „In der Wehrmacht“, so Scheffler weiter, „hatte man doch einen gewissen Schutz. Mir blieb ja nichts anderes übrig, ich musste schließlich meine Heimat verteidigen. Ich konnte doch nicht warten, bis der Russe sie vernichtet.“ Er sei ja militärisch voll ausgebildet gewesen, nicht wie die Mitglieder des Volkssturms. Es sei ihm aber durchaus klar gewesen, dass der Krieg für die Deutschen nicht mehr zu gewinnen sei, „ich war ja nicht naiv“.

Kaum noch Panzer

Ursprünglich hatte sich Heinz Scheffler für die Panzertruppe gemeldet, da es jedoch in der Wehrmacht kaum noch Panzerfahrzeuge gab, kam der 16-Jährige zur Artillerie. Sein Einsatzort war Königsberg und Umgebung. Am Ende war die russische Übermacht aber doch zu groß. Am 17. April 1945 wurde Heinz Scheffler zusammen mit zwei Kameraden von einer russischen  Patrouille gefangen genommen. Zusammen mit rund 40 000 deutschen Soldaten wurde Heinz Scheffler auf einem ehemaligen Kasernengelände in Königsberg untergebracht.

Mitunter hatte der nun 17-Jährige an Flucht gedacht, diese Gedanken aber wieder verworfen. Mitte August wurde er zusammen mit anderen deutschen Kriegsgefangenen nach Wjasma, 250 Kilometer vor Moskau, verlegt. „Während meiner ganzen Gefangenschaft“, schreibt Heinz Scheffler, „hatte ich meine Tabakration immer in Brot beziehungsweise Zucker eingetauscht. So kam ich verpflegungsmäßig ganz gut über die Runden.“ Mitte Oktober 1948 wurde Heinz Scheffler aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Zusammen mit rund 300 anderen Gefangenen wurde er im Eisenbahnwaggon Richtung Deutschland gebracht. Frankfurt/Oder war die erste deutsche Station. Von dort  schrieb er auch eine Postkarte an seine Mutter, die mittlerweile in Urach gelandet war. Am 4. November kam Heinz Scheffler schließlich in Urach an.  Am 1. Januar begann Scheffler bei der Weberei Gross in Urach eine Ausbildung zum Textil-Techniker, die er erfolgreich abschloss.

Während dieser Zeit lernte er auch seine Frau Ilse kennen, eine Metzingerin. In einem Zug nach Urach saß sie ihm einst gegenüber. „Sie hat mir gleich gefallen“, sagt er. Er fragte sie, ob sie mit ihn tanzen gehen würde ins Hotel am Berg. Das war damals in Urach die erste Adresse. Doch Ilse Ernst, wie sie damals hieß, sagte nicht gleich Ja, sie ließ ihn zappeln.  Mittlerweile sind die beiden seit 63 Jahren verheiratet.

18

Jahre lang war Heinz Scheffler Erster Vorsitzender der Landsmannschaft der Ostpreußen, Westpreußen und Pommern. Mangels Nachwuchs wird sich der Verein wohl auflösen.

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