Die ersten Weine des Jahrgangs 2018 sind bereits in der Vinothek am Kelternplatz zu haben: Ein Muskateller etwa und ein Rosé. Ein trockener Schwarzriesling gesellt sich in den kommenden Tagen noch dazu. Damit kann die Genossenschaft auch einen Teil ihrer Bestände wieder auffüllen, in denen nach der eher schlechten Ernte 2017 die eine oder andere Lücke entstanden ist. Dass die Lücken nicht größer werden, ist nicht zuletzt dem überdurchschnittlichen Ertrag zu verdanken, den die Wengerter im vergangenen Herbst erzielten. Zudem passt die Qualität: Die sommerliche Hitze war insbesondere den Rotweinsorten zuträglich, hier freuen sich die Weingärtner auf einen Spitzenjahrgang.

Zeit, um auf das Geschäftsjahr 2017/18 zurückzublicken und Bilanz zu ziehen, bot sich am vergangenen Freitag, als die Weingärtnergenossenschaft Metzingen-Neuhausen ihre Hauptversammlung abgehalten hat. Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender Jörg Waldner konnte den Wengertern von einer moderaten Umsatzsteigerung von 1,2 Prozent auf 1,15 Millionen Euro berichten. In den Vorjahren lag die Steigerung zwar im Schnitt bei sechs Prozent, wie Jörg Waldner sagt, aber es sei immerhin gelungen, diesen hohen Umsatz zu stabilisieren. „Es handelt sich immer noch um ein Ergebnis über dem Branchendurchschnitt.“

Zumal sich parallel dazu der Erlös pro Liter Wein noch einmal gesteigert hat, erklärt Waldner. Er lag im Geschäftsjahr, das am 31. August 2018 abgelaufen ist, bei 5,69 Euro. Diese Zahl belege, so Waldner, dass die Kunden bereit seien, für qualitativ gute Produkte auch Geld auszugeben. In die Qualität ihrer Weine investiert die Genossenschaft freilich  seit Jahren kontinuierlich: Die Arbeit in der Kellerei wird ebenso aufwendiger wie jene in den Weinbergen. „Ich bin froh, dass wir das über den Preis wieder hereinholen können“, betont Waldner. Und das gelingt den Metzingern trotz eines stetig schwieriger werdenden Umfelds.

Trollinger und Cuvée

Gerade in diesem Jahr könnte es für die Wengerter allerdings nicht ganz einfach werden, ihre Produkte wie gewohnt abzusetzen, weil die Ernte 2018 so üppig ausfiel. Erst am Samstag, sagt Waldner, habe ein Discounter damit geworben, eine Dreiviertelliterflasche Dornfelder für einen Euro zu verkaufen. „Solche Aktionen könnte es in diesem Jahr noch öfter geben.“ Aus diesem Grund hat Waldner für das neue Geschäftsjahr nur ein moderates Umsatzziel ausgegeben.

Um die Gunst der Kunden werben die Wengerter indessen nicht allein mit Qualität, sondern auch mit einigen neuen Geschmackserlebnissen. Ab Ostern gibt es erstmals einen Trollinger, einen Weißburgunder und einen roten Bio-Cuvée. Passend zum anlaufenden Weihnachtsgeschäft gesellen sich dann noch zwei hochwertige Weine zum Sortiment, verspricht Jörg Waldner. Ebenfalls im Blick haben die Metzinger und Neuhäuser Wengerter den Trend hin zu alkoholfreien beziehungsweise alkoholreduzierten Getränken. Mit ihrem Traubensecco „Me Perl“ haben sie für dieses Segment bereits ein gut nachgefragtes Produkt kreiert. Weitere sollen folgen, die Wengerter denken dabei durchaus an alkoholfreien Wein und Sekt. Im Hinterkopf haben sie dabei ebenfalls die Diskussion um ein mögliches EU-weites Werbeverbot für alkoholische Getränke.

Gleichzeitig bemühen sich die Wengerter darum, neue  Kundenkreise für sich zu gewinnen: Die Genossenschaft gehört deshalb zu den Gründungsmitgliedern des Vereins „Albgemacht“.  Zusammengeschlossen haben sich hier Landwirte, verarbeitende Betriebe und Vermarkter aus dem Biosphärengebiet. Wer die Produkte mit diesem Label kauft, der kann sicher sein, dass die Beteiligten nicht nur regionale Produkte verkaufen, sondern auch ihren Teil zum Erhalt der Natur beitragen. In den Metzinger Weinbergen beispielsweise sind in Kooperation mit dem Förderkreis Metzinger Keltern Steinriegel entstanden, in denen sich Eidechsen ansiedeln können. In diesem Jahr sollen außerdem Nistkästen für Vögel aufgestellt werden. Andere Vereinsmitglieder bemühen sich darum, Lebensräume für Insekten zu erhalten.

Um die breite Öffentlichkeit über den Verein, die Waren aus dem Biosphärengebiet sowie über den Naturschutz zu informieren, wird es Ende Juli zudem einen Regionalmarkt in Metzingen geben.