Hülben Weil er’s einfach verdient hat

Stehende Ovationen der Festgäste gab es bei der Ordensverleihung im Alten Schulhaus durch Minister Guido Wolf (rechts) an Gerhard Buck.  Foto:
Stehende Ovationen der Festgäste gab es bei der Ordensverleihung im Alten Schulhaus durch Minister Guido Wolf (rechts) an Gerhard Buck. Foto: © Foto: Thomas Kiehl
Hülben / Michael Koch 04.09.2018

Eigentlich bringt Gerhard Buck so leicht nichts aus der Ruhe. Am Montagabend war er dann aber doch ein bisschen nervös. Wenn der Abend nur schon rum wäre, hatte er zu seiner Frau gesagt, als sie sich zusammen in Richtung Altes Schulhaus aufgemacht hätten. Grund für die Aufregung war allerdings Gerhard Buck selbst beziehungsweise sein jahrzehntelanges Wirken zum Wohle seiner Mitmenschen und der Gemeinde Hülben. Dafür nämlich bekam er aus den Händen von Justizminister Guido Wolf das Bundesverdienstkreuz am Bande des Bundespräsidenten verliehen.

Rund 120 Weggefährten, Freunde, ehemalige Kollegen und Familienmitglieder hatten sich zu der Feierstunde eingefunden. Bürgermeister Siegmund Ganser, der den Antrag auf den Verdienstorden gestellt hatte, freute sich in seiner kurzen Begrüßung über die außergewöhnliche Ehrung, die in Hülben erst zum zweiten Mal vergeben werden konnte.

Die Laudatio freilich hielt Minister Wolf selbst, „mein Ressortminister“, wie Gerhard Buck als ehemaliger Bezirksnotar in Dettingen festhielt. „Tue Gutes und rede nicht darüber“ sei das Motto Bucks gewesen, so Wolf. Damit entspreche er so gar nicht dem Zeitgeist, bei dem doch leider häufig mehr der Schein als das Sein im Vordergrund stehe. Mit seiner Berufswahl als Notar habe er goldrichtig gelegen, denn „Sie haben dem Recht ein Gesicht gegeben und Vertrauen in den Rechtsstaat geschaffen“, sagte der Minister, „das ist heute wichtiger denn je.“

40 Jahre lang hat Buck als Bezirksnotar gewirkt, fast ebenso lange saß der 72-Jährige in seinem Geburtsort Hülben im Gemeinderat, 30 Jahre davon als stellvertretender Bürgermeister. 495 Sitzungen mit 5668 Tagesordnungspunkten hat Buck mit drei Bürgermeistern und stets kollegialen Räten abgearbeitet. „Sie haben sich stets dem Ausgleich verschrieben, niemals der Polarisierung“, lobte Wolf.

Da sich der Geehrte zudem auch im CVJM stark engagierte, im Vorstand der VHS Bad Urach war und bis heute im Förderverein Diakonie tätig ist, vermutete der Minister:  „Viel können sie nicht zu Hause gewesen sein.“ Damit verbunden war auch der Dank an die Familie Bucks für deren Rückhalt.

Birgit Reichert überbrachte in einem kurzen Grußwort die Glückwünsche aller 27 Hülbener Vereine, Buck habe sich stets für die Belange der Vereine im Ort eingesetzt, lobte sie.

Gerhard Buck selbst war dankbar angesichts der vielen salbungsvollen Worte und Glückwünsche. Zwei Tage zuvor sei das erste Enkelkind zur Welt gekommen, das sei eigentlich schon Freude genug, „und jetzt blickt auch noch der Bundespräsident wegen mir nach Hülben“, staunte Buck. Es sei nicht immer einfach gewesen, das Wohl der Gemeinde gegen das des Einzelnen abzuwägen. Er habe stets versucht, sachlich und verantwortungsvoll an die Fragestellungen heranzugehen und dann so zu entscheiden, dass er die Entscheidung vor Gott und den Mitmenschen vertreten konnte.

Durchaus unterhaltsam blickte Buck auf die Jahrzehnte seiner Tätigkeit zurück wie die Niederlage bei der ersten Kommunalwahl, „nur weil ich noch nicht verheiratet war“. Oder auf seine erste Gemeinderatssitzung, als die Ehefrau hochschwanger zu Hause saß, weswegen im Rathaus alle Türen offen bleiben mussten, damit man auch während der Sitzung das Telefon hören konnte. Sein letzter Dank ging allerdings nach oben: „Was wäre geworden, wenn ich vom Schöpfer nicht meine Gaben und Aufgaben bekommen hätte?“ Das Bundesverdienstkreuz hätte es dann vermutlich nicht gegeben.

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