Die junge Frau am Stand der Metzinger Hundefreunde beugt sich weit über die Verkaufstheke. „Glühwein, hier gibt’s leckeren Glühwein“, ruft sie den Passanten in der Hindenburgstraße zu. Gegen 16 Uhr am Samstagnachmittag ist die Werbung für das Angebot des Vereins vielleicht noch nötig – zwei Stunden später sollten die Getränkebuden zwischen Innenstadt und Kelternplatz ihre eigenen Staus haben: Nach verhaltenem Auftakt (mit Sturm und Nieselregen) am Samstag ist der Metzinger Weihnachtsmarkt seinem Ruf als späte Festadresse wieder einmal gerecht geworden: Zur Blauen Stunde strömten die Gäste in die Stadt. Vor allem die „Vereinsmeile“, rund um Rathaus und Reutlinger Straße, seit jeher ein Treff für Einheimische, war gut besucht.

Ein Run auf den Glühwein

Den Run auf Heißgetränke konnte Nicolay Dietrich, Chef-Organisator des Marktes bei der Stadt Metzingen, an der Zahl der vollen Glühweintassen ablesen. „Gegen 18.30 Uhr waren alle 4000 Becher im Einsatz“, erzählt der 24-Jährige. „Da hatte ich kurz Angst, dass die Tassen ausgehen.“ Es hat jedoch gereicht, und am Ende zeigte sich Nicolay Dietrich auch zufrieden mit der Besucherresonanz.

Richtig eng ist es zwar vor allem auf dem stimmungsvollen Weihnachtsdorf am Kelternplatz selten geworden. „Aber welcher Markt bietet schon so eine große Fläche, wie wir das samstags tun“, verweist der Verantwortliche auf die beiden Hotspots zwischen Keltern und Stuttgarter Straße.

Mehr als 100 Stände gibt es insgesamt in Metzingen

Mehr als 110 Stände haben sich auf den Weihnachtsmarkt in der Innenstadt und im Weihnachtsdorf (dort sind es 50 Buden) verteilt. Das kleine Dekoparadies besteht seit 1998 und kokettiert mit hochwertigen und fantasievollen weihnachtlichen Accessoires. Edler Schmuck, Hübsches aus Holz und Glas, Krippen und Kerzenhalter, selbst genähte Täschchen und Lavendelkissen. Die Auswahl ist groß, das Angebot mitsamt Extras wie Kerzenziehen, Krippenausstellung, Modelleisenbahn und Linsenessen im heimeligen Wengerterhäusle rund und ausgeklügelt.

Kurz, wer Atmosphäre sucht, der findet sie am zweiten Adventswochenende in Metzingen. Nicht jeder Händler dürfte allerdings rundum zufrieden nachhause gefahren sein. Denn auch in der Stadt hat sich ein Trend fortgesetzt, der auf vielen Märkten zu beobachten ist: Immer mehr Besucher goutieren zwar gerne Glühwein und Bratwurst im Freundeskreis – doch die weihnachtlichen Artikel an den Dekoständen lassen sie links liegen.

Einige Händler vermissen die Kauflust

„Wir verkaufen fast nur Kleinigkeiten“, sagt etwa die Händlerin aus Holzgerlingen, die in der Festkelter glitzernde Kränze und Krippen feil bietet. Auch Marktbeschicker Wolfgang Klingler aus Grabenstetten hat diese Entwicklung am Samstag etwas enttäuscht registriert: „Das Publikum verändert sich. Manche Leute gehen geradezu desinteressiert an den Weihnachtsartikeln vorbei“, urteilt der Bastler von der Alb. Mit seiner Frau bietet er in der Hindenburgstraße liebevoll verzierte Holzlatten, Windlichter und Laternen an.

Seit Jahren kommen die beiden nach Metzingen, bauen schon um sieben in der Frühe ihre Waren auf. Bislang seien die Geschäfte meist gut gelaufen – „auch die Standmiete der Stadt für private Anbieter ist fair.“

Das Ehepaar hofft nun, dass Vereine und kleine Anbieter mangels Resonanz langfristig nicht ganz aus dem Portfolio verschwinden. „So etwas gehört doch zu Weihnachten dazu.“

Markt-Manager Nicolay Dietrich kennt das Anliegen der Händler gut: „Dass auf den Weihnachtsmärkten mehr gegessen und getrunken und weniger Adventliches gekauft wird, ist ein weit verbreitetes Problem. Es allen recht zu machen, ist für die Veranstalter schwer.“

Manche Besucher geben kein Geld aus und beschweren sich über das fehlende Angebot

Kaum Verständnis hat der Mann von der Stadtverwaltung jedoch für Marktbesucher, die selbst kein Geld ausgeben und sich dann über das fehlende weihnachtliche Warenangebot beschweren, wie er in anderen Städten beobachtet hat. „Da steht die Kritik ganz klar im Widerspruch zum eigenen Verhalten.“

Was die Vielfalt angeht, ist Metzingen noch gut aufgestellt, obwohl sich auch hier weniger Ehrenamtliche als früher melden, bestätigt Nicolay Dietrich.

Doch etliche Vereine und Gruppen ziehen zuverlässig mit am Strang. Ob die Narrenzunft Goischter Weisau, der Förderverein der Seyboldschule, Jugendgemeinderat, SMV des Gymnasiums, Posaunenchöre und Kapellen, Jugendfeuerwehr und nicht zuletzt die Skizunft, die wieder die große After-Weihnachtsmarkt-Party im Adlergarten (rappelvoll war’s) stemmte: Sie sorgen dafür, dass der Weihnachtsmarkt ein Patchwork aus Kunsthandwerk, Stadtfest und Metzinger Initiativen bleibt.

Weihnachtsdorf: Elektrokerzen oder Torbogen?


Mit neuen Ideen haben dieses Jahr die Macher des Metzinger Weihnachtsmarktes aufgewartet. Gut angekommen ist dabei die Illumination des Rathauses, das zur Dämmerung in Rosatönen strahlte. Was die beiden riesigen Kerzen am Eingang zum Weihnachtsdorf betrifft, sind die Meinungen eher auseinander gegangen.

Einige Metzinger wünschen sich den großen Torbogen zurück, unter dem die Gäste bislang auf den geschmückten Platz traten. Laut Nicolay Dietrich von der Stadt sei der finanzielle, handwerkliche und zeitliche Aufwand beim Aufbau des metallenen Torbogens (da muss der Bauhof ran) allerdings nicht zu verachten.