Metzingen Weihnachtsmarkt bleibt Besuchermagnet

Metzingen / Regine Lotterer 09.12.2018

Alle Jahre wieder steht der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt in der Kritik. Trotzdem scheinen ihn viele Metzinger zu lieben, ein Besuch gehört für sie zum festen Ritual am zweiten Advent. Das war dieses Mal nicht anders als in all den Dekaden davor. In den Straßen der Altstadt ging es am Samstagabend jedenfalls so eng und kuschelig zu wie eh und je. Wer kommt, der will sich mit Freunden und Verwandten treffen, den einen oder anderen Becher Glühwein trinken und die Atmosphäre genießen. Weihnachtsgeschenke einzukaufen steht auf der Prioritätenliste der Besucher dagegen nicht besonders weit oben, wie Jochen Krohmer und Nicolay Dietrich von der Metzingen Marketing und Tourismus GmbH (MMT) betonen.

Die MMT als Organisator kennt natürlich die Kritik am samstäglichen Marktgeschehen, sieht ihr Konzept aber angesichts des enormen Besucherzuspruchs bestätigt. Wer beklage, dass an den Ständen zu wenig Weihnachtliches angeboten werde, der möge über sein eigenes Kaufverhalten nachdenken, sagt Jochen Krohmer. Schließlich gingen die wenigsten Weihnachtsmarktbesucher mit prall gefüllten Einkaufstüten voller Dekoartikel nach Hause. „Hier haben sich die Zeiten einfach geändert“, konstatiert Nicolay Dietrich.

Gleichwohl gibt es noch immer genug Enthusiasten, die während des Weihnachtsmarktes mit den typisch adventlichen Waren an ihren Ständen stehen, obwohl sie wissen, dass sie davon nicht reich werden. Manch einer zahlt am Ende sogar drauf.

Die meisten adventlichen Waren finden die Besucher während der drei Weihnachtsmarkttage auf dem Kelternplatz. Das dort aufgebaute Dorf war am Freitag und Samstag hervorragend besucht, wie Nicolay Dietrich berichtet. Besonders viel Lob gab es am Eröffnungsabend für die erstmals aufspielende Band „Thr3ee“. Die Nachwuchsmusiker erfreuten die Besucher eine Stunde lang mit modern interpretierten Weihnachtsliedern.

Zur Metzinger Tradition gehört es, dass am Eröffnungsabend der Nikolaus die Gaben für die Kinder bringt und nicht sein in rot und weiß gekleideter amerikanischer Vetter Santa Claus. Das Nikolauskostüm kommt dabei seit Jahr und Tag als Leihgabe von der katholischen Kirchengemeinde Bad Urach. Das Habit gefällt dabei nicht nur den Marktorganisatoren, sondern kommt auch bei der Besucherschaft bestens an, wie Jochen Krohmer weiß. Er durfte am Freitag selbst ausprobieren, wie es sich anfühlt mit weißem Rauschebart und Umhang vors erwartungsvolle Publikum zu treten. Seine Tarnung funktionierte dabei so perfekt, dass ihn sogar sein Vater nicht sofort erkannte, wie Krohmer lachend erzählt.

Obschon am Sonntag nicht die erhofften Besuchermassen ins Weihnachtsdorf strömten, waren die Marktbeschicker und die Vertreter der MMT insgesamt hochzufrieden mit dem Wochenende. Zumal sich trotz des eher mäßigen Wetters viele Stammgäste auf den Weg in die Sieben-Keltern-Stadt gemacht hatten, wie Jochen Krohmer berichtet. „Unser Markt hat Fans in der ganzen Region.“ Die Gäste lockt dabei nicht zuletzt das große Rahmenprogramm. An sieben verschiedenen Plätzen rund um den Kelternplatz war übers Wochenende etwas geboten. Besonders viele Blicke zog wieder die Modelleisenbahn auf sich, die sich in der Festkelter drehte und bei der es sich lohnte, auf die kleinen, feinen Details zu achten. Beachtung fanden selbstredend auch die selbst gebauten Krippen, die in der Vinothek und im Weinbaumuseum ausgestellt waren.

Den Weihnachtsmarkt zum ersten Mal bereichert hat Beatrice Lustin. Die Metzinger Künstlerin mit französischen Wurzeln hat in den vergangenen Monaten extra für ihre Ausstellung in der Vinothek Bilder mit Metzinger Motiven gemalt. Eines zeigte, wie könnte es anderes sein, den festlich erleuchteten Kelternplatz samt weihnachtlichem Dorf. Wer darauf spekuliert hat, das Werk fürs heimische Wohnzimmer zu erwerben, hat Pech gehabt. Es ist bereits verkauft.

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tausend Glühweinbecher waren am Samstagabend gleichzeitig im Umlauf. Das zehnköpfige Team, das die Becher zurücknimmt und spült, hatte also alle Hände voll zu tun.

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