Endlich hat Monika M. (Name von der Redaktion geändert) Glück. Wurde auch Zeit, denn nachdem ihr Mann sie mit dem Kind im Stich gelassen hatte, stand sie ziemlich allein in dieser Welt. Der Vermieter hat ihr schnell deutlich gemacht, wie wenig ihn ihr Schicksal interessiert. Seine Miete möchte er pünktlich, ob sie nun einen Mann hat oder nicht, ob sie einen Job hat oder ihr Erspartes angreift. Ansonsten würde er ihr kündigen. Ihr und der vierjährigen Tochter, die keine Ahnung hat, warum ihre Mama oft traurig ist.

Das Glück mit dem Job hielt nicht lang. Ihr neuer Arbeitgeber, der Betreiber eines Einzelhandelsgeschäfts, blieb ihr fast zwei Monate den Lohn schuldig. Erspartes hat sie nicht, und damit sie überhaupt arbeiten kann, meldete sie die kleine Tochter in einer Krabbelgruppe an.

Durchweinte Nächte

Das ging vier Wochen gut, dann fiel auf, dass sie die Gebühren dafür nicht bezahlt hat. Wovon auch, fragt sie. Vom Jobcenter kam kein Geld. Durchweinte Nächte, sorgenvolle Tage, schließlich wurde sie krank. Die Psyche. Sie schloss sich ein, da war kein Leben mehr. Sie verlor ihre Wohnung und lebt heute in einem Haus „voller Säufer“, wie sie sagt. Wenn es nachts laut wird, ängstigt sich ihr Kind.

Die Diakonische Bezirksstelle hilft ihr. Zwar kann sie sich trotzdem keinen Joghurt für das Mädchen leisten, aber sie geht wieder raus. Sie kämpft. Mit sich, gegen die Umstände, gegen die Behörden und für ihre kleine Tochter. Das Gespräch mit der Zeitung kostet sie viel Kraft. Oft weint sie und greift zum Taschentuch. Doch in manchen Situationen vergisst sie Scham und Schwermut. Dann wird sie wütend und klagt ein System an, das sie mitsamt ihrem Kind fallen lässt.

Frau M., wie hat denn der ganze Schlamassel angefangen?

M Mein Mann hat sich von mir getrennt. Weil wir beide keine Wohnung fanden, lebten wir trotz Trennung in einer gemeinsamen Wohnung. Mir und meiner Tochter blieb ein einziges Zimmer.

Sie hatten keine Arbeit?

Nein, zunächst nicht, dann fand ich aber einen Job in einem Textilgeschäft. Nach drei Monaten konnte ich aber nicht mehr.

Warum nicht?

Die haben mich nicht bezahlt. Das Geld kam immer Wochen später und auch nicht in vollständiger Höhe. Und dann war da die Sorge um meine Tochter. Vier Wochen lang hat das ja funktioniert, aber ich konnte die Gebühren für die Krabbelgruppe nicht bezahlen.

Hat Ihnen das Jobcenter nicht ausgeholfen?

Nein, die wollen ständig neue Formulare. Zudem bezahlen die nie im Voraus, sondern erst nach der Prüfung des Falls. Das kann Wochen dauern.

Wochen, in denen Sie ohne Geld auskommen müssen. Wie schaffen Sie das?

Indem ich Schulden mache. Dann kommt jeden Tag das Gefühl, in der Falle zu sitzen, die jederzeit zuschnappen kann. Ich konnte nachts nicht schlafen, aber es ist auch nicht schön, vor dem eigenen Kind ständig zu weinen.

Hatte Ihr Vermieter Geduld mit Ihnen und Verständnis für Ihre Situation?

Nein, der hat mir die Wohnung gekündigt. Ohne zu wissen, was aus mir wird, musste ich zusehen, wie andere Leute kamen, um die Wohnung zu besichtigen. Er war clever: Jetzt vermietet er sie an eine Behörde, die bringt darin Flüchtlinge unter. So verdient er an seiner Wohnung wesentlich mehr.

Wo wohnen Sie jetzt?

In einem Haus, das der Kommune gehört. Da werden soziale Härtefälle untergebracht. Viele Säufer oder Drogensüchtige auf Entzug. Und ich mit meinem Kind.

Funktioniert das Zusammenleben?

Tagsüber gibt es selten Probleme, ab und zu werde ich streng, wenn einer vor der Haustür sitzt und morgens schon Bier trinkt. Das müssen Kinder nicht sehen, wenn erwachsene Männer betrunken durch die Gegend wackeln. Schwieriger aber ist es nachts. Wenn Gäste zu denen kommen. Manchmal geht es um Schulden, ich möchte es auch gar nicht so genau wissen. Aber als drei Männer mal nachts um eins versucht haben, von der Straße aus ihren Freund zu wecken, bin ich raus und habe sie angezischt, „hier möchte ein Kind schlafen“. Ich hatte sogar ein Nudelholz dabei, das ich ihnen zeigte.

Was war deren Reaktion?

Sie waren erschrocken und haben gesagt, „wie bist Du denn drauf?“

Zu der Zeit haben sie nicht gearbeitet?

Nein, die Situation hat mich depressiv gemacht. Ich konnte nichts mehr tun, war wie gelähmt. Ich lag nur noch auf dem Sofa. Auch weil ich wusste, dass ich diese Wohnung nicht auf Dauer habe. Nach sechs Monaten wird mein Fall neu geprüft. Immerhin weiß ich, dass ich mindestens bis März bleiben darf.

Wer hilft Ihnen?

Ich habe den Tipp bekommen, mich bei der Diakonischen Bezirksstelle zu melden. Ich bin so froh, dass ich da hin gehen darf. Ich werde so nett behandelt, und ich bekomme Hilfe.

Wie sieht die Hilfe aus?

Ich weiß, dass ich auch mal Geld bekommen kann. Um etwa beim Jobcenter einen Antrag zu stellen, benötige ich einen gültigen Personalausweis. Ist der abgelaufen, muss ich einen beantragen. Das kostet Geld, allein schon wegen des Passfotos. Da hilft die Diakonische Bezirksstelle. Zudem hat sie mir eine Familienhelferin besorgt. Ich kenne mich zwar ganz gut aus mit all den Formularen, aber ich bin froh über diese Hilfe. Auch, weil man manchmal Zeugen braucht.

Wie meinen Sie das?

Ein Beispiel: Ich habe wiederholt vom Jobcenter kein Geld bekommen, weil ich nicht sämtliche Unterlagen eingereicht haben soll. Ich aber war mir sicher, alles abgegeben zu haben, was auch meine Familienhelferin bestätigen kann. Beim nächsten Mal, als ich es mit der Post geschickt hatte, habe ich ein paar Tage später angerufen, um nachzufragen, ob alles angekommen ist. Ja, hieß die Antwort. Aber ich bekam dennoch kein Geld, also rief ich wieder an. Tja, hieß es, es würde halt etwas fehlen. Ich forderte den Sachbearbeiter auf, nochmal bei dem Kollegen nachzufragen, der mir Tage zuvor den Eingang meiner Unterlagen bestätigte. Später erfuhr ich dann auf erneute Anfrage, dass eben doch alle Unterlagen vorhanden waren, nur hatte sich niemand die Mühe gemacht, sie ordentlich abzuheften.

Wie ging das weiter?

Danach wurde mir das Geld mündlich zugesagt, aber ich musste wieder fast zwei Wochen warten, bis es auf dem Konto war. Wenn man nichts hat, ist das eine Katastrophe. „Mama“, sagt meine Tochter zu mir, „kann ich bitte einen Joghurt haben?“ Und ich muss sagen, vielleicht nächste Woche. „Aber Mama, warum muss ich so lange warten?“ Ich weiß nicht, wie ich es der Kleinen sagen soll. Schlimm ist es im Supermarkt an der Kasse, wo all die Süßigkeiten stehen. Wenn sie Bonbons möchte, muss ich ihr flüsternd sagen, dass das nicht geht. Das ist immer peinlich vor all den anderen Leuten.

Wie geht es mit Ihnen weiter?

Ich kämpfe, aber ich brauche einen Job. Und eine ordentliche Wohnung.

Weihnachtsaktion „Die gute Tat“


Liebe Leser, dank Ihrer Spenden konnten das Metzinger-Uracher-Volksblatt/Der Ermstalbote, die Reutlinger Nachrichten und der Alb Bote in den vergangenen Jahren viele soziale Projekte oder Einrichtungen in unserer Region unterstützen. Das WIM-Haus etwa, die Diakonische Bezirksstelle, das Ferientagheim in Metzingen, die Tafelläden in Metzingen, Bad Urach und Münsingen, die Matizzo-Stiftung sowie die Afrika-Hilfe des Kirchenbezirks Bad Urach/Münsingen sowie das DRK konnten schon mit Ihren Spenden bedacht werden. Im Vorjahr war es die Kindergruppe der Oberlin-Jugendhilfe für Kinder psychisch kranker Eltern an der Reihe. Dieses Mal gehen die Spenden an den Nothilfefonds der Diakonischen Bezirksstellen in Metzingen, Bad Urach und Münsingen.

Spenden für die Weihnachtsaktion „Die gute Tat“ richten Sie bitte an Georg Hauser GmbH & Co KG unter dem Stichwort „Weihnachtsaktion“ an die VolksbankErmstal-Alb, IBAN: DE 03 6409 1200 0233 4340 03, oder an die Kreissparkasse Reutlingen, IBAN: DE 33 6405 0000 0000 900 5 40.

Eine Spendenbescheinigung wird nach Ende der Aktion ausgestellt. Dazu muss bei der Spende oder Überweisung unbedingt die vollständige Adresse des Spenders angegeben werden. Bei einer Spende bis 200 Euro reicht fürs Finanzamt allerdings der Kontoauszug.