Metzingen / MARA SANDER  Uhr
Eine Projektwoche unter wissenschaftlicher Begleitung: Schüler versuchen sich als Unternehmensgründer und prüfen ihre Eignung.

Das Dietrich Bonhoeffer Gymnasium nimmt mit der "Losleger Entrepreneurship Summer School" einmal mehr an einem wegeweisenden Projekt zur Berufsorientierung teil. Das geschieht in einer Projektwoche mit wissenschaftlicher Begleitung, in der zwölf Gymnasiasten der Wirtschafts-Neigungskurse in einer Potenzialanalyse ihre Eignung zur Unternehmensgründung feststellen können.

Das DBG ist bundesweit das erste reguläre Gymnasium, das teilnimmt. Bisher wurde diese Projektwoche an zwei bayerischen Unternehmergymnasien durchgeführt. Das "Losleger"-Projekt zur Gründerförderung in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen und Professor Thomas Retzmann, einem der führenden Didaktiker in Sachen Entrepreneurship Education, wird finanziell unterstützt von der Joachim Herz Stiftung aus Hamburg, die sich der Förderung wirtschaftlicher Bildung verschrieben hat.

„Viele junge Leute haben das Zeug zur Selbstständigkeit, sind sich dessen aber gar nicht bewusst. Ein Nachteil sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft, denn manches Potenzial bleibt dadurch ungenutzt“, so der Wissenschaftler, der zu Einführung selbst nach Metzingen gekommen war. Seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Anh Dinh ist die ganze Woche über vor Ort und wird das Projekt auswerten und auch weiterhin begleiten.

Die Potenzialanalyse bietet Jugendlichen die Chance schon frühzeitig ihr unternehmerisches Talent und als Alternative zu einem nichtselbständigen Beruf zu erkennen.

„Dafür haben wir ein völlig neues Förder-Assessment-Center entwickelt“, erklärt der Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftswissenschaften und Didaktik der Wirtschaftslehre der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen.

Das Förder-Assessment-Center unterscheide sich grundlegend von Assessment-Centern, wie sie bei der Personalauswahl eingesetzt werden. Es gehe dabei überhaupt nicht um Selektion, sondern darum, Jugendlichen ihre individuellen Stärken aufzuzeigen und ihnen Empfehlungen für die nächsten Schritte mit auf den Weg zu geben. „Wer seinen eigenen Entwicklungsstand kennt, kann selbst Verantwortung für sein weiteres Lern- und Arbeitsverhalten und für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit übernehmen“, so Retzmann.

Vier als Talentscouts geschulte Lehrer beobachten die beiden Gruppen von je sechs Schülern, Wirtschaftslehrer und Initiator Johannes Heuser moderiert die Projektwoche und ist „sehr positiv überrascht“, welche Talente die Schüler entwickeln und mit welchem Eifer sie dabei sind und die Entwicklung von Persönlichkeit und Fachkompetenz außerhalb des normalen Unterrichts erkennbar ist.

Eine Gruppe befasst sich mit dem Thema „Smart Office“ und eine mit der Erfindung und Vermarktung eines „Shower Power“-Duschkopfs. Dazu gehören nicht nur die Ideen und Verkaufstalent sondern auch konkrete Finanzierungspläne, eine „Unternehmerrallye“, Gruppendiskussion, Kunden – und Konkurrenzanalyse, aber auch die Selbsteinschätzung der eigenen Stärken.

Die Schüler sind begeistert einmal alles „von der Geschäftsidee zum Unternehmen“ kennen zu lernen, so Jonathan. „Viel selbst und im Team arbeiten, eigene Ideen vortragen, diskutieren, durch Kritik weiter entwickeln“, so Pepe. Für Lea ist zudem die Erkenntnis wichtig wie komplex Prozesse in einem Unternehmen ablaufen und nur durch „eine gute Basis von Mitarbeitern, Zusammenarbeit und Wissen ein Prozess gelingen“, ganz so wie es bei den „Loslegern“ der Fall ist.

Die Stadt Metzingen als Schulträger kann sich auf mögliche Jungunternehmer freuen.