Trinkwasser Wasser ist nicht gleich Wasser

Die Wasserverteilung in Metzingen
Die Wasserverteilung in Metzingen © Foto: Stadtwerke Metzingen
Metzingen / Michael Koch 30.09.2012

Eigentlich hätte es ein Routineakt sein sollen. Die Stadtwerke Metzingen haben beim Landratsamt ein Wasserrechtsgesuch eingereicht, wie alle 20 Jahre notwendig. Mit diesem Antrag fragt eine Gemeinde an, ob sie ihr Eigenwasser nutzen darf. Der Antrag liegt dann vier Wochen öffentlich aus und wird dann in der Regel genehmigt.

Im aktuellen Metzinger Fall aber hat ein Bürger Widerspruch gegen diesen Antrag eingelegt. Der Neuhäuser argumentiert, dass das in Metzingen zur Verfügung stehende Eigenwasser deutlich kalkhaltiger sei als das sonst verwendete Bodenseewasser. Armaturen und Haushaltsgeräte gingen daher schneller kaputt, für den Verbraucher entstünden somit unnötig höhere Kosten – den Stadtwerken Metzingen solle also untersagt werden, weiterhin aus ihren beiden Quellen Eigenwasser in das Trinkwassersystem einspeisen zu dürfen.

Tatsächlich stammt das Metzinger Trinkwasser aus drei unterschiedlichen Quellen. Das meiste Wasser kommt über die Fernleitung von der Bodenseewasserversorgung. 40 Liter pro Sekunde werden von dort in das System eingespeist, das Bodenseewasser hat einen Härtegrad von 9,2 dH (Deutsche Härte, Härtegrad 2).

Aus dem Ermstal können über das Wasserschlössle zwischen Neuhausen und Dettingen bis zu 52 Liter pro Sekunde eingespeist werden, der tatsächliche Bedarf ist aber niedriger. Die dritte Quelle, mit 21 Litern pro Sekunde, ist Wasser aus dem Hochbehälter Glems.

Die beiden Eigenwasserquellen, Wasserschlössle und Glems, haben einen Härtegrad von 14,6 dh (Härtegrad 3). Eben jene Differenz ist es, die dem Einsprucheinleger missfällt. Unterschiedliche Wasserhärte zum gleichen Preis für alle widerspreche dem Gleichheitsgrundsatz aller Nutzer, so der Neuhäuser. Er schlägt daher, ähnlich wie auf den Fildern, den Bau einer Enthärtungsanlage vor.

Giancarlo Bragagnolo, Technischer Leiter der Stadtwerke Metzingen, schätzt die Aufwendungen für eine solche Anlage im siebenstelligen Bereich, Kosten, die freilich auf die Verbraucher abgewälzt werden müssten. Alternativ könnte man auch eine höhere Beteiligung am Bodenseewasser erwerben – auch dies käme den Verbraucher teuer.

Bragagnolo indes bezweifelt, dass überhaupt Handlungsbedarf besteht, und er glaubt daher auch nicht an einen Erfolg des Einspruchs. Grundsätzlich vorgeschlagen werde eine Entkalkungsanlage ab einem Härtegrad von 21 dh. Diesen gibt es zwar in manchen Bereichen auf den Fildern, in Metzingen ist man davon aber weit entfernt. „Letztlich“, so Bragagnolo, „ist das alles aber eine Philosophiefrage. Entscheiden müsste das am Ende der Gemeinderat.“

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