Bempflingen Was Schule ausmacht

Der Schulchor sang zur Eröffnung beim Tag der offenen Tür in der Bempflinger Grundschule. Foto: Angela Steidle
Der Schulchor sang zur Eröffnung beim Tag der offenen Tür in der Bempflinger Grundschule. Foto: Angela Steidle
Bempflingen / ANGELA STEIDLE 17.02.2014
"Ich habe in ganz Deutschland keine Schule getroffen, die so konsequent Lernräume umgestaltet", sagt Esther Wagner, Prozessbegleiterin für pädagogische Raumkonzepte bei Kamelon.

Tim hat sich vorgenommen, seine Freunde zu fotografieren. Wie viele Möglichkeiten gibt es wohl, die vier Kinder nebeneinander aufs Foto zu bringen? Im Plenum der Grundschulklasse Vier wird das Thema diskutiert, bis jedes Kind verstanden hat, worum es geht. Ein Teil verzieht sich ins "Baumhaus eins" und sucht dort diszipliniert nach sinnvollen Lösungsmöglichkeiten, die zweite Gruppe trifft sich in der Höhle drunter, die dritte im Atrium im Klassenraum. Später werden die Ergebnisse an der Wand des Klassenraums präsentiert. "Vier Fakultät - völlig klar", ruft ein Vater beim Tag der offenen Tür in der Bempflinger Grundschule auf Mauern ins Klassenzimmer. Worum es beim neuen Raumkonzept geht ist: kooperatives Lernen.

Ein motivierendes Raumkonzept führt zu kreativeren Arbeitsprozessen und der einmaligen Chance, dass optimale Lösungswege beinahe spielerisch und in einer völlig neuen Atmosphäre stattfinden. Ein kreativer, ausgeglichener Arbeitsprozess, bei dem Lehrer mehr und mehr zum Lernbegleiter werden, referierte Anja Hertler am Rechen-Beispiel der Klassenstufe Vier: "Kinder erlernen ihr Wissen selbst, in Auseinandersetzung mit anderen. Nur wenn alle bei der Lösung einer Aufgabe mithelfen, kommt man zu guten Ergebnissen. Ein strukturierter Gruppenprozess, der Kompetenzen stärkt."

Die neuen Holzwürfel standen keinen Tag im Klassenzimmer, da bauten die Kinder bereits Türme und Kombinationen draus und lernten nebenbei: "Ich kann ja schon multiplizieren, ohne dass es mir jemand beigebracht hat", erzählt Kamelon-Pädagogin Esther Wagner, "solche kleinen Wunder passieren, wenn bei der Aufnahme von Informationen Emotionen erzeugt werden. Keine Erfindung von uns, sondern der Neurowissenschaft. Die sagt: Die Lernumgebung hat erheblichen Einfluss auf das Ergebnis."

Knapp 400 000 Euro, so zählt Bempflingens Bürgermeister Bernd Welser zusammen, hat die Gemeinde seit 2012 für die Umgestaltung der Grundschule auf Mauern ausgegeben: Vom Umbau des Lehrerzimmers über das Update der Schüler-EDV, die Optimierung der Mensa-Versorgung im Rahmen der Bedarfsorientierten Betreuung (BOB) bis zu den neuen Kamelon-Einbauten in den Klassenzimmern. Welser: "Der Gemeinderat betont damit die Wichtigkeit und die Wertigkeit optimierter Lernvoraussetzungen."

"Die Klassenzimmer haben nicht mehr viel zu tun mit dem, was wir früher kannten", begrüßte Schulamtsdirektorin Karin Bogen-Dittrich, "Bempflingen ist beim Umsetzen der neuen Lernkultur Vorreiter. Nichts rentiert sich so sehr wie die Investition in Bildung."

"Wir sind stolz auf unsere Schule und deren pädagogische Arbeit", freute sich Interims-Schulleiterin Gabriele Nothelfer, "die Art der Gestaltung und die verwendeten Materialien wertschätzen unsere Schüler. Sie fühlen sich darin wohl." Der Gemeinde sei die Bildung sehr wichtig, bestätigte sie, "was Schule ausmacht, sind individuelle Lernwege und die Entwicklung der Einzelpersönlichkeit."

Zu ihrem großen Tag hatten Schüler und Lehrer, Förderverein und Kooperationspartner ein buntes Programm aufgestellt: Die Schüler der zweiten Klasse hatten Muffins gebacken wie die Weltmeister. "Alle Kinder lernen Lesen-Indianer und Chinesen", bedankten sich der Kinderchor unter der Leitung von Barbara Unseld vom Gesangverein Harmonie und Thorsten Feisthammel, Dirigent des Musikvereins Bempflingen, mit seiner Bläserklasse. Die gegenseitigen Kooperationen zwischen Grundschule und örtlichen Vereinen sind einzigartig und wurden beim Tag der offenen Tür entsprechend präsentiert.