Die Felsformationen am Albtrauf sind ein landschaftsprägendes Element, die bei Stadtverwaltung und dem Gemeinderat indes für ein Wechselbad der Gefühle sorgen: Einerseits locken die Felsen mit ihrer Attraktivität durchaus (Wander)Touristen in die Region. Andererseits bereitet die Verkehrssicherheitspflicht der Stadt als Besitzer der Waldflächen zunehmend Sorgen: Die Felsen bröckeln, ihre Sicherung kostet und sorgt immer wieder für die Sperrung der Steigen. Derzeit ist die Hanner Steige aus diesem Grund nicht befahrbar, der Gemeinderat schaute sich beim jährlichen Waldumgang vor Ort nach dem Stand der Sicherungsarbeiten um.

Abstürzende Felsbrocken auch in Bad Urach Thema

Das Thema ist nicht erst durch den dramatischen Unfall auf der Autobahn 81 am vergangenen Wochenende aktuell, als ein Autofahrer gegen einen abgelösten Felsbrocken gefahren ist und sofort starb. „Auf unserer Gemarkung gibt es einige Ecken, wo so etwas vorkommen kann“, gibt Bürgermeister Elmar Rebmann zu. Und fast vorgekommen wäre, als vor einigen Jahren ein aufmerksamer Autofahrer morgens um sechs Uhr auf der Bundesstraße 465 auf Höhe des jetzigen Postzentrums einen Felsbrocken entdeckt und die Stelle sofort abgesichert hatte.

Zahlreiche Schwachstellen an den Steigen

Ein in Auftrag gegebenes Gutachten offenbarte unzählige Schwachstellen – unter anderem eben die Hanner Steige, die eine Kreisstraße ist. Dort führt der Landkreis derzeit Einzelsicherungsmaßnahmen durch und installiert eine Zaunanlage. Notwendige Arbeiten, die laut Revierförster Ulrich Wahl dem Forstbetrieb in Bezug auf die Bewirtschaftung jedoch Probleme bereitet. Je zehn Meter über und unter dem Zaun liegt die Verantwortung bei der Straßenbauverwaltung, doch wichtige Fragen hinsichtlich der Bewirtschaftung und der Sicherheitspflicht im Bereich darüber und darunter sind noch nicht geklärt: „Da herrscht Gesprächsbedarf“, macht Wahl deutlich. Juristisch geklärt ist indes eines: Wird der Zaun durch herabstürzende Felsen oder Bäume beschädigt, muss die Gemeinde als Waldbesitzer für dessen Reparatur aufkommen.

Felsgruppe über Freibad-Parkplatz droht abzugehen

Gesichert werden müssen laut Gutachten auch Felsformationen mit Gefährdungspotenzial abseits der Straßen. Das ist alleinige Aufgabe der Kommunen, teilweise haben diese der Forst oder auch die Bergwacht entsprechende Schwachstellen bereits abgearbeitet. Zwei für die Stadt dagegen kostenträchtige Brocken liegen in der Nähe des Hanner Felsens: Eine Felsgruppe droht abzubrechen, darunter liegt der Freibad-Parkplatz. Ebenfalls abgesichert werden muss eine von der Optik her eindrucksvolle Felsnadel mitten in einem steilen Waldabschnitt, dort muss mit Spritzbeton gearbeitet werden. Ein Abtragen käme laut Wahl aus Gründen des Naturschutzes nicht in Frage und wäre zudem teurer als die umfangreichen Sicherungsarbeiten.

Wanderung über die autofreie Hanner Steige

Der traditionelle Waldumgang dient der Informationen vor Ort – so zeigten sich die Gemeinderäte beeindruckt von der im vergangenen Jahr geschaffenen Aussichtsstelle „H 604“ in Halbhöhenlage mit einem spektakulären Blick vom Jusi bis zum Michelskäppele. Auch sollen sich die Räte, so Bürgermeister Elmar Rebmann, bei der gemeinsamen Tour abseits der üblichen Arbeit im Gremium besser kennen lernen und Gespräche führen können. Die informelle Wanderung unter anderem auf der derzeit autofreien Hanner Steige sorgte dieses Jahr wetterbedingt für ein Wechselbad der Gefühle.

1500 Eichensämlinge gepflanzt

Bei strahlendem Sonnenschein hörte sich das Gremium in unmittelbarer Nähe des Hauses auf der Alb den Ausführungen von Ulrich Wahl über eine Eichenkultur an: Auf einem Areal von 30 Ar wurden im Frühjahr des vergangenen Jahres 1500 zweijährige Eichensämlinge gesetzt, die von einer Wuchshülle geschützt sind. „Wenn wir zwei Drittel durchbekommen, sind wir zufrieden“, erklärte Wahl, man sei derzeit auf einem guten Weg.

Kurz danach mussten Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter den Waldumgang bei strömendem Regen fortsetzen, gegen Ende blitzte die Sonne wieder durch und so konnte der Ausblick auf die Stadt doch noch ausgiebig genossen werden.

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Ar umfasst das Areal nahe des Hauses auf der Alb, auf dem im Frühjahr 1500 Eichensämlinge gesetzt wurden. Im Blick der Räte war zudem insbesondere die Hanner Steige.