Metzingen Vorsicht, Rutschgefahr

Peter Kiedaisch.
Peter Kiedaisch. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Von Peter Kiedaisch 21.07.2017

Mit Krachwumm hat schon manche öffentliche Rede geendet, die letzte Ansprache von Jürgen Fromhold im Metzinger Gemeinderat hat damit sogar begonnen. Als er sich aus seinem Sessel schälte, um im Stehen die Gründe seines Ausscheidens zu offenbaren, und gerade Luft holte, um den ersten Satz zu beginnen, schmetterte ein Donnergrollen von draußen rein, dass es schon fast wagnerianische Züge hatte. Normalerweise spielt das Wetter in Gemeinderatssitzungen ja allenfalls eine untergeordnete Rolle. Jene, denen es die Sitzordnung vergönnt, bei Sonnenschein durchs Fenster auf den Marktplatz zu blicken, möchten dann wohl insgeheim im Freien lustwandeln, während ein Ratskollege spricht. Vor allem, wenn dieser seine Rede einleitet mit den verheißungsvollen Worten „Im Grunde ist ja alles schon gesagt“, und sich dann dieses längst vielmals Gesagte Satz um Satz nochmals heranschleicht, um in einem fulminanten Paukenschlag in eine Frage zu münden: „Oder sehe ich das falsch?“ Am Donnerstag war es aber ganz anders. Das Wetter in Form eines Platzregens wollte nicht draußen bleiben, also kam es herein durch allerlei gekippte Fenster, die sich auch durch mannigfache Versuche städtischer Mitarbeiter nicht schließen ließen. So war also die Laudatio von Michael Giehrl auf seinen SPD-Partei-Freund Jürgen Fromhold von allerlei hektischem Tun begleitet, das mit etwas mehr Grazie leicht als ein Tanz aus Schwanensee hätte interpretiert werden können. Freilich nicht in den Feuilletons der Zeitungen dieser Welt, die ja in ihrer Würdigung solcher Auftritte mitunter von freigeistigem Eigensinn getrieben alles schlecht reden, was ihrer Vorstellung von künstlerischem Ausdruck zuwiderläuft. Dabei erinnerte manche Szene auch an das gute alte Türentheater. Als etwa eine städtische Mitarbeiterin die Eingangspforte zum Ratssaal öffnete und hektisch winkend und flüsternd auf sich aufmerksam machte: Könnte es sein, fragten sich da manche Beobachter, dass außer dem Regenwasser, das hinten längst und beharrlich die Wand runter lief, im Foyer noch schlimmere Dinge vor sich gehen? Die Spannung der Zuhörer, verbunden mit der Hoffnung, der Worte sind genug getan, kumulierte also im einzigen Donnerschlag jenes Gewitterregens, der Jürgen Fromholds Abschiedsrede ansagte. Im Flur ging es indes schlüpfrig zu. Der Regen war schuld, ein Schild warnte später: Vorsicht, Rutschgefahr!