Kelten Von magischen Momenten auf der Alb

© Foto: Simon Wagner
Region / Simon Wagner 31.07.2014
Mit seinem Roman "Die Nacht von Samhain" legt Thomas Faltin eine Abenteuererzählung in der Tradition des "Rulaman" vor. Star des modernen Märchens ist die Schwäbische Alb rund um den Heidengraben.

Man tut Thomas Faltin wohl nicht Unrecht, wenn man ihn als Waldläufer bezeichnen würde. Mindestens einmal die Woche schnürt der promovierte Historiker, preisgekrönte Redakteur der Stuttgarter Zeitung und Autor mehrerer Sachbücher, seine Laufschuhe und nimmt eine Auszeit. Von Nürtingen aus, geht es dann hinauf auf die Schwäbische Alb. Dort joggt er ziellos durch die Gegend, vorbei an Wiesen und Feldern, über Stock und Stein – oder mitten durch die Wälder am Heidengraben. Er macht das am liebsten dann, wenn andere nie auf solche Gedanken kämen. Bei Regen oder in der Dämmerung entdeckt er auf zufälligen Pfaden die Alb immer wieder neu oder hört im Höhleneingang still dem Widerhall prasselnder Tropfen zu: „Magische Momente.“

„Am Anfang stand die Liebe zur Schwäbischen Alb“, sagt Faltin, als er über sein Romandebüt spricht. Eine Liebe, die er seinen beiden Söhnen Arthur und Julius weitergeben wollte. Mit den neun- und zwölfjährigen Buben aber deswegen Sonntags über die Alb zu stiefeln, das erschien ihm wenig hilfreich – die Idee, ihnen die Magie des Gebirges durch eine spannende Abenteuergeschichte nahe zu bringen, dagegen sehr. Sechs Jahre später steht „Die Nacht von Samhain. Der Kampf um den heiligen Bund der Kelten“ in den Buchläden. „Für mich war es überhaupt nie die Frage das zu veröffentlichen“, erzählt Faltin über den zweieinhalbjährigen Kraftakt des Schreibens. Seine jetzigen Verleger Gerhard Raff und Gunter Haug bekamen das Manuskript allerdings in die Hände und redeten ihm den ausschließlichen Hausgebrauch aus.

Auch sie konnten sich offenbar der Aura der Erzählung nicht entziehen, von der Faltin sagt: „Das hört sich alles zunächst völlig abgedreht an, aber im Buch ist das dann irgendwie normal.“ Da gibt es die beiden Jungen Arthur und Julius (!), die zusammen mit dem sprechenden Luchs Ragnar um den Bund der Kelten und gegen einen Staudamm kämpfen, den ein Bürgermeister in ihrem Tal errichten will. Der schickt gegen seine Widersacher ein Heer untoter Kelten ins Feld, es taucht eine seltsame Prophezeiung auf und schließlich naht die Entscheidung in der Nacht von Samhain, wenn sich die Pforten zur Unterwelt öffnen. „Das ist kein klassisches Fanatsy-Buch“, drückt Faltin bereitstehende Schubladen zu: „Das ist eine reale Welt, in die das Magische einbricht.“ Martialische Schlachten, Fabelwesen, strahlende Helden: „Alles das trifft auf dieses Buch nicht zu.“ Er nennt es lieber „ein modernes Märchen.“

In ihm führt Faltin seine Leser hinein in die Wälder der heutigen Alb. Dichte Naturbeschreibungen flankieren eine Geschichte, die an Schauplätzen der Region an Fahrt gewinnt: auf der Burg Teck, an der Falkensteiner Höhle, im Lenninger Tal oder am Heidengraben. Im Buch haben diese Orte zwar andere Namen, im Blick hatte Faltin gleichwohl jene Stimmungen, die er aus eigener Anschauung bestens kennt. So detailliert er sich etwa dem Biotop Wald widmet, so gründlich recherchiert, schildert er das rätselhafte Volk der Kelten. Vor über 2000 Jahren errichteten sie auf der Alb mit dem Heidengraben eine der größten Keltensiedlungen Mitteleuropas. Faltin lässt die Leser an ihrer Kultur und ihrem Leben im Einklang mit der beseelten Natur teilhaben. Gesellschaftskritik und Botschaft zugleich – gerichtet nicht alleine an seine Söhne.

„Die Nacht von Samhain“ schickt sich an, das Erbe David Friedrich Weinlands aus dem Jahr 1878 anzutreten. Auch Weinland adressierte den „Rulaman“ zunächst an seine Söhne, auch er transportierte archäologisches Wissen in eine packende Geschichte. Und wie der in Grabenstetten Geborene, nähert sich auch Faltin mit (neu-)romantischem Blick der Schwäbischen Alb, um ihre Seele einzufangen und ihr ein Denkmal zu setzen. Das Denkmal eines Waldläufers mit dem Blick für die manchmal unscheinbare und dennoch alltägliche Magie des Moments.

Info Thomas Faltins Buch „Die Nacht von Samhain. Der Kampf um den heiligen Bund der Kelten“ (475 Seiten) ist im Landhege-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich oder über den einschlägigen Online-Versandhandel bestellbar. Die gebundene Ausgabe kostet 19,90 Euro.

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