Bad Urach / Von Kirsten Oechsner  Uhr

Sie springen über Hindernisse, flitzen über Wippen oder sausen durch Röhren, immer begleitet von ihren Frauchen oder Herrchen: Agility heißt der Sport, den Hundebesitzer und ihre Vierbeiner gemeinsam betreiben, von Freitag bis Pfingstmontag war dies auf dem Areal der Sportfreunde Hengen der Fall. Die Wiesen rund ums Sportheim wurden zu einem Camping- und Wohnmobilplatz auf Zeit umfunktioniert und auf dem Sportplatz wurde Hundesport betrieben statt gekickt.

Mehr als 300 Hunde tummelten sich über Pfingsten auf dem Sportplatzgelände: Die meisten nahmen aktiv am Wettkampf teil, viele sind schon zu alt dafür oder werden erst darauf vorbereitet und begleiten ihre Besitzer lediglich. Oder, wie Mitveranstalter Peter Göbel erklärt: „Sie können diesen Sport erst gar nicht ausüben.“ Weil die Proportionen nicht stimmen wie beim Dackel – dessen Rücken ist zu lang für einen Sprung über ein Hindernis. Oder sie sind zu schwer und zu massig wie beispielsweise Rottweiler. Denn eines ist bei dem Sport von Mensch und Tier klar: Ersterer hat sich nach dem Können und dem Leistungsvermögen seines Hundes zu richten, der gibt das Tempo sozusagen vor. „Der Mensch muss sich dem Hund anpassen“, weiß Göbel aus Erfahrung,

Seit vielen Jahren reisen seine Ehefrau Michi Göbel und der inzwischen elfjährige Sohn Collin an etwa 25 Wochenenden im Jahr von ihrem Wohnort Hengen aus zu einem Agility-Turnier. „Und wenn es nur nach Münsingen ist“, meint er lachend. Doch die ganz besondere Atmosphäre unter den Agility-Sportlern macht den Reiz aus: „Man kennt sich und trifft sich.“

Hervorragendes Gelände

Das war auch an vier Tagen in Hengen so, etwa 150 Frauen, Männer und viele Kinder trafen sich dort zum inzwischen zweiten Pfingstturnier: „Das ist eines der besten Gelände das ich kenne und die Infrastruktur passt einfach hervorragend“, fasst Peter Göbel die Begeisterung der Gäste auf zwei und vier Beinen zusammen. Zu sehen gab’s anspruchsvollen Hundesport, der bereits eine über 100-jährige Tradition hat und quasi ein Nebenprodukt des Springreitens ist: In den Umbauzeiten wurde Hundesport als Pausenfüller geboten, angelehnt ans Springreiten haben die Zweierteams von Mensch und Hund ebenfalls einen Parcours zu absolvieren: Die Zeit wird gemessen und für Abwürfe oder Verweigerungen gibt’s Abzüge. Die Besitzer begleiten ihre Hunde auf dem Parcours, zeigen ihnen mit Körpersprache und Hörzeichen den Weg – eine Berührung der Hindernisse und der Hunde ist jedoch nicht erlaubt. Das Tempo ist zum Teil sehr hoch auf beiden Seiten: „Das Team muss sich entsprechend ergänzen.“

Gestartet werden darf bei einem Turnier mit maximal zwei Hunden, die Vierbeiner sind in vier Leistungsklassen eingeteilt. Dann gibt’s in jeder Klasse jeweils drei Höhenstufen Mini, Midi und Maxi – sie orientieren sich an der Größe der Hunde. Ein Mammutprogramm für die Veranstalter, für die Durchführung des eigentlichen Agility-Wettbewerbs waren die Flying Dogs aus Grosselfingen verantwortlich. Mit im Boot war zudem der SF Hengen, dessen zweiter Vorsitzenden Peter Göbel ist, und Michis Hundeschule aus Hengen, die fürs ganze Drumherum verantwortlich waren: Die Organisation des Campings, der Verpflegung und der Live-Musik am Samstagabend sind nur ein Teil der umfangreichen Vorbereitungen und Arbeiten an den Turniertagen selbst. Und wenn so viele Hunde auf einem Haufen unterwegs sind, muss auch an eine ausreichende Zahl von Kackbeuteltüten plus Kotbeuteln gedacht werden. Denn, so Peter Göbel: Ordentlichkeit und Disziplin ist den Agility-Sportlern sehr wichtig, für Hunde herrscht auf dem Gelände Leinenzwang. „Und das wird auch eingehalten“, freut sich Göbel.

Der hätte es mit seiner Familie eigentlich an den vier Wettkampftagen nicht weit nach Hause, könnte in seinem eigenen Bett schlafen. Doch stattdessen übernachtete die Familie wie immer bei Agility-Turnieren in ihrem roten Wohnmobil, um mittendrin im Geschehen und damit auch in der großfamiliengleichen Gemeinschaft der Hundesportler zu sein.