Metzingen Vom Azubi zur neuen Chefin

Barbara Piro-Pirracchio hat ihre Lehre im alteingesessenen Metzinger Friseurgeschäft Birkle abgeschlossen. Später arbeitete sie dort als Angestellte. Nun stellt sich die dreifache Mutter einer neuen Herausforderung.
Barbara Piro-Pirracchio hat ihre Lehre im alteingesessenen Metzinger Friseurgeschäft Birkle abgeschlossen. Später arbeitete sie dort als Angestellte. Nun stellt sich die dreifache Mutter einer neuen Herausforderung. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Regine Lotterer 05.12.2018

Für Barbara Piro-Pirracchio beginnt mit dem neuen Jahr auch ein neuer Lebensabschnitt. Ab dem 1. Januar ist sie ihre eigene Chefin. Sie übernimmt das alteingesessene Friseurgeschäft von Frau Birkle, wie sie ihre bisherige Vorgesetzte respektvoll nennt. Ganz in der Nähe des Ladens, der in der Stuttgarter Straße liegt, ist Barbara Piro-Pirracchio aufgewachsen. Ihre Mutter war einst Stammkundin im Laden der Birkles, die kleine Barbara fand Gefallen am Friseurhandwerk, absolvierte ein Praktikum in dem Geschäft und wollte eigentliche eine Friseurlehre beginnen. Doch es kam anders: Sie wurde schwanger, heiratete und bekam mit 17 Jahren ihren ersten Sohn. Ihr Ältester steht beruflich längst auf eigenen Beinen, der zweite Sohn entschied sich dafür, sich zum Koch ausbilden zu lassen.

Obwohl sich die junge Mutter zunächst ganz ihrer Familie widmete, verlor sie ihren Traumberuf nie komplett aus den Augen. Als die Söhne aus dem Gröbsten heraus waren, packte sie die Gelegenheit schließlich beim Schopfe und begann ihre Friseurlehre. Damals, sagt sie, gab es allerdings noch keine Möglichkeit, die Arbeitszeit zu reduzieren. „Ich musste den ganzen Tag im Geschäft stehen.“ Wenn sie an solchen Tagen aus dem Schaufenster blickte und andere junge Mütter mit ihren kleinen Kindern spielen sah, meldete sich nicht selten das schlechte Gewissen und die Angst, die Söhne zu sehr zu vernachlässigen.

Die Familie gibt Kraft

Heute sieht das Barbara Piro-Pirracchio entspannter: „Ich denke mir, ich habe das ganz gut gemacht.“ Dieses Selbstbewusstsein hat sie sich im Laufe der Zeit erarbeitet. Als sie jünger war, musste sie sich durchaus den einen oder anderen kritischen Kommentar anhören: „Da hieß es dann immer, ja, ja, Du als Teeniemutter.“ Von solchen Bemerkungen ließ sich die junge Frau aber nicht entmutigen. Ihre  Gesellenprüfung bestand sie jedenfalls mit Belobigung, das dritte Lehrjahr absolvierte sie damals im Salon Birkle. „Mein Sternzeichen ist Löwe“, sagt Piro-Pirracchio, „ich habe eben Kampfgeist.“ Wenn sie sich ein Ziel setze, dann gehe sie ihren Weg dorthin unbeirrt. Auch wenn das mitunter an der Seele zehrt.

Die nötige Kraft, schwierige Situationen zu meistern, gab der inzwischen 41-Jährigen die Familie. Kunden, die ihre Lebensgeschichte kennen, äußern immer wieder ihren Respekt vor der Leistung der Metzingerin. Schließlich musste sie, um das Friseurgeschäft Birkle übernehmen zu können, die Meisterprüfung ablegen.

Die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen, tat sich in jenem Moment auf, als die heute zehn Jahre alte Tochter gerade in die Vorschule kam. Barbara Piro-Pirracchio zögerte damals nur kurz, bevor sie sich für die Kurse an der Meisterschule einschrieb. Auf halber Strecke, so erinnert sie sich, geriet sie jedoch ins Straucheln: „Ich dachte, ich packe es nicht.“ An ihre Bücher konnte sie sich erst nach 22 Uhr setzen, wenn der Rest der Familie entweder schon im Bett lag oder zumindest den Tag auf dem Sofa austrudeln ließ. „Ich musste auch erst wieder lernen, wie man lernt.“

Als sie die Nachricht erhielt, dass sich ihr Fleiß und ihr Durchhaltewille gelohnt hatten, brach sie in Tränen aus: „Ich habe Rotz und Wasser geheult.“ Dennoch dauerte es eine gewisse Zeit, bis die Erkenntnis, dass sie von nun an einen Meistertitel tragen darf, ins Bewusstsein gesickert war.

Auf die neue Herausforderung als Selbstständige blickt die Metzingerin mit Zuversicht. Zumal ihr Maria Birkle auch weiter zur Seite stehen wird. Ein Mal die Woche kümmert sich ihre bisherige Chefin fortan um die älteren Stammkunden. Sie hat ihr Friseurgeschäft übrigens 1977 gegründet und damit genau in dem Jahr, in dem Barbara Piro-Pirracchio geboren wurde. Ein Zufall zwar, aber doch einer, der der neuen Chefin Zuversicht für den Start in ihren neuen Lebensabschnitt gibt.

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