Metzingen / Michael Koch

Ein einzelner Arbeitstag mag einem stressig vorkommen, auch bei einer Bank. Betrachtet die Volksbank Ermstal-Alb allerdings das gesamte zurückliegende Geschäftsjahr, dann verlief das „absolut ruhig“, wie der Vorstandsvorsitzende Martin Schnitzler im Jahrespressegespräch erläuterte.

Damit betreibt er allerdings etwas Understatement, denn die Geschäftszahlen, die denen des Vorjahres tatsächlich ähneln, beinhalten eine Steuernachzahlung für die Jahre 2012 bis 2017 in Höhe von rund drei Millionen Euro. Da der Bilanzgewinn 2018 jedoch annähernd gleich geblieben ist zu 2017, hat es die Volksbank Ermstal-Alb offensichtlich geschafft, eine Summe in Größenordnung der Nachzahlung an anderen Stellen einzusparen oder hinzuzuverdienen.

Ein Punkt sind hierbei die Synergieeffekte aus der Fusion der Raiffeisenbank Vordere Alb mit der Volksbank Metzingen-Bad Urach. In Hülben zum Beispiel, wo beide Banken Filialen betrieben haben, ist eine geschlossen worden. „Es war die einzige Schließung. Mit unseren 28 Geschäftsstellen sind wir nach wie vor sehr gut in der Breite vertreten“, sagt Martin Schnitzler und betont: „Das soll auch so bleiben. Es sind aktuell keine Filialschließungen geplant.“

Durch die Fusion wurden auch weitere Doppelstrukturen etwa in der Verwaltung aufgelöst. Unterm Strich standen Ende 2018 immerhin 26 Mitarbeiter weniger auf dem Gehaltszettel als noch ein Jahr zuvor – in Summe wurden dadurch mehr als 1,5 Millionen Euro an Lohnkosten eingespart.

„Die Arbeit wurde in diesem Zeitraum aber natürlich nicht weniger, durch die Fusion waren Umzüge und große Veränderungen verbunden. Wir haben es geschafft, unsere Abläufe effektiver zu gestalten. Dafür gilt unseren Mitarbeitern ein großes Lob“, so Schnitzler, der mit seinen Vorstandskollegen Michael Stadelmaier und Karl Herrmann übrigens keine weiteren Kürzungen am Personalbestand plant.

Die eigentlichen Geschäftszahlen zählen dann eher zum erwähnten ruhigen Verlauf. Die Bilanzsumme der Bank wurde auf 1,576 Milliarden Euro gesteigert. damit ist die Volksbank Ermstal-Alb die größte Genossenschaftsbank im Landkreis und rangiert bundesweit auf Position 37 (unter mehr als 800 Banken). Durch die Fusion ging die Zahl der Kunden auf gut 72 000 zurück, auch die Summe der Geschäftsanteile sank von 260 000 auf unter eine viertel Million. „Wir möchten Geschäftsanteilinhaber, die auch aktiv mit uns zusammenarbeiten und nicht nur auf die Dividende aus sind“, erklärte Martin Schnitzler, warum die Gewinnung neuer Mitglieder und der Verkauf neuer Anteile nicht ganz oben auf der Prioritätenliste der Bank steht. Apropos Dividende: Der Vertreterversammlung am 13. Mai in der Riedericher Gutenberghalle wird eine Ausschüttung von 2,5 Prozent vorgeschlagen.

Bleibt der Blick in die Zukunft. Mit einer Abkehr von der Niedrigzins-Politik rechnen die drei Volksbank-Vorstände in diesem Jahr nicht mehr. Somit bleibt für alle Geldhäuser der Ertragsdruck bestehen. Dazu kommt die wirtschaftliche Lage im Land. „Es brennt ein kleines Flämmchen der Unsicherheit, es herrscht mehr Unruhe in den Betrieben als im vergangenen Jahr“, sagt Martin Schnitzler.

Die Volksbank Ermstal-Alb sieht sich dennoch gut aufgestellt, auch im Kampf gegen vermeintlich billige Online-Banken. „Wir setzen auf Konzept statt auf Konditionen“, so Michael Stadelmaier. Was im Internet auf den ersten Blick als günstig erachtet wird, entpuppt sich häufig bei Betrachtung eines gesamten Finanzierungskonzeptes als nicht die beste Lösung. „Wer seine Bankgeschäfte im Internet erledigen möchten, bekommt dafür bei uns alle Möglichkeiten. Wir setzen aber eben auch noch auf Beratung“, so Stadelmaier. Damit und in Form von Spenden und Sponsoring in Höhe von 150 000 Euro übernehme die Bank Verantwortung für die Region, sagt Martin Schnitzler abschließend.

Die Volksbank Ermstal-Alb in Zahlen

Bilanzsumme: 1576 Mio (1507)
Gewinn vor Steuern: 13,3 Mio (12,6)
Bilanzgewinn: 2,612 Mio (2,681)
Rücklagen: 83,4 Mio (81,4)
Mitgliederzahl: 35 605 (36 931)
Geschäftsanteile: 247 012 (260 657)
in Klammern die Zahlen von 2017